Kategorie:
Orgel / Sacred Music
,
Kammermusik
Das „Tarot“ ist als Kartenspiel wie auch als Weg der divinatorischen Kartenbefragung, mit göttlich-kosmischen Dimensionen und den Geheimnissen des Seins verbunden. Die Tarotbilder sind ein Spiegel der Seele, vergleichbar mit anderen Analogie-Systemen wie Astrologie, Alchemie, Kabbala oder der Symbolik der modernen Psychoanalyse.
Als Kartenspiel ist es in Europa seit dem 14. Jahrhundert bekannt. Die Wurzeln reichen jedoch weit bis in ägyptische Kulte zurück und wurden schon dort mit zentralen Gottheiten wie Isis und Toth in Verbindung gebracht. Sehr auffällig entsprechen die 22 Karten der „Arkana“ genau den 22 Buchstaben des jüdischen Alphabets und den Strukturen der Kabbala.
Diese Komposition ist ein Auftragswerk des Melton Tubaquartetts und ist Unikat, denn die Symbolik des Tarot hat bislang kaum in die Musikgeschichte gefunden. In der Besetzung mit der unbekannten Klangwelt von vier Basstuben und dem numinos-religiösen Klang der Orgel kann diese Tiefenwelt menschlichen Seins wunderbar abgebildet werden.
Sätze: 1. DER NARR – THE FOOL
2. DER MAGIER – THE MAGUS
3. DIE HOHEPRIESTERIN – THE HIGH PRIESTRESS
4. DER EREMIT – THE HERMIT
5. DER TOD – THE DEATH
6. DER TURM- THE TOWER
7. DAS UNIVERSUM – THE UNIVERSE
Dauer: 24 Minuten
Notenausgabe: Strube Musikverlag München
, 2026
Besetzung: 4 Basstuben und Orgel
Tuba 1: Euphonium und Tuba in F
Tuba 2: Tuba in F und Euphonium
Tuba 3: Tuba in F
Tuba 4: Kontrabasstuba in B / und Tuba in F
Vorwort: Das „Tarot“ ist nicht nur ein Kartenspiel, sondern essentiell mit göttlich-kosmischen Dimensionen und den Geheimnissen des Seins verbunden. Die Tarotbilder sind ein Spiegel der Seele, vergleichbar mit anderen Analogie-Systemen wie Astrologie, Alchemie, Kabbala oder der Symbolik der modernen Psychoanalyse.
Als Kartenspiel ist es in Europa – über islamisch-arabische Kultur kommend – seit dem 14. Jahrhundert bekannt. Im 18. Jahrhundert war es als „Tarock“ oder „tarocchi“ international beliebt. Die Wurzeln reichen jedoch weit bis in ägyptische Kulte zurück und wurden schon dort mit zentralen Gottheiten wie Isis und Toth in Verbindung gebracht. Sehr auffällig entsprechen die 22 Karten der „Arkana“ („arcanum“ bedeutet „Geheimnis“) genau den 22 Buchstaben des jüdischen Alphabets und den Strukturen der Kabbala.
Die Klangenergie der beiden Vokal „a“ und „o“ hat archetypische Kraft: Diese verweist auf das „A & O“ des ewigkeitsumfassenden Alpha und Omega, „Tarot“ ist verwandt mit „Tora“ (die jüdische Bibel), mit „Rota“ (das Rad), mit der zentralen ägyptischem Gottheit der Einweihung „Athor“, mit „Orare“(beten) und „Orator“ (Redner), mit Aorta, Amor…
Unter den über hundert unterschiedlichen „Decks“ (mit eigenen Symbolen und Bildern), konnte sich die englische Tradition des „Hermetic Order of Golden Dawn“ mit dem Kabbalisten Aleister Crowley sich durchsetzen konnten, dessen Visualisierungen von der medial empfangenden Künstlerin Frieda Harris stammen. Auf diese wird hier Bezug genommen.
Die Besetzung dieser Komposition mit der flexiblen aber eher unbekannten
Klangwelt von vier Basstuben in Verbindung mit dem numinos-religiösen Klang
der Orgel kann diese unbekannte Tiefenwelt menschlichen Seins wunderbar
abgebildet werden. Jede der vier Tuba-Formen wie auch die Orgel stehen einmal im Vordergrund, um die entsprechende Karte zu personifizieren. Aus der Vielfalt der 78 Karten umfassenden Charakter- und kosmischen Schwingungsformen wurden sieben markante Bilder der 22 Trümpfe ausgewählt.
Inhaltliche Anmerkungen:
DER NARR folgt kompromisslos dem Herzen mit Freiheit, Mut, Furchtlosigkeit. „Tu es einfach!“ sagt uns die Narrenfreiheit. Er wird durch den Frühlingsgott Dionysos mit seinem vitalen Grün dargestellt. Auch das Krokodil war in Ägypten Gottheit der Kreativität und der höchsten schöpferischen Möglichkeiten. Im Hebräischen
verkörpert durch den Anfangsbuchstaben Aleph. In diesem Satz steht das Euphonium im konzertanten Vordergrund.
DER MAGUS oder MAGIER ist dem quecksilbrigen Merkur (ägyptisch Toth) als Gott der spielerischen Kommunikation, des Geistesblitzes und auch der List zugeordnet, begleitet vom Affen mit seinem ruhelosen und sprunghaften Denken. Seine Chiffre ist Beth, der zweite hebräische Buchstabe. Täuschung, List und magische Verwandlung gehören zum Merkur, deswegen enthält dieser Satz auch eine Paraphrase des Jazz Waltz von Schostakovitch… als listige Umwandlung des Originals.
DIE HOHEPRIESTERIN, dem dritten Buchstaben Gimel zugeordnet, ist Isis, die ewige Jungfrau und Göttin des Mondes. Sie verbindet mit ihrer Intuition Himmel und Erde, verkörpert die Empfänglichkeit als sich dem Kosmischen öffnende Prinzip. In diesem Satz ist die Orgel führend.
DER EREMIT ist dem ranghöchsten Buchstaben Yod zugeordnet, der Grundlage aller anderen Buchstaben und steht für Schöpfung allen Lebens, kann tief nach Innen schauen und auf dem Weg zum Licht auch seinem Schatten begegnen. Ruhen in der Mitte, Akzeptieren der Einsamkeit. Die tiefe Kontrabass Tuba in B steht hier im Vordergrund.
DER TOD ist im alchemistischen Sinne keine Zerstörung, sondern Veränderung und Wandlung, er transformiert, löst alte Verstrickungen und führt zur Wiedergeburt. Im tiefen Loslassen entsteht Raum für Neues. Entspricht den auflösenden Kräften des Saturn und hat im Adler, der über aller Materie steht, ein kraftvolles Sinnbild. Dieser Satz im speziellen ist dem Andenken an Gerhard A. Meinl (1957-2026) gewidmet, der mitten in der Entstehung dieser Komposition aus dieser Welt scheiden musste.
DER TURM ist dem hebräischen Buchstaben Pé sowie den Energien des Mars zugeordnet. Blitze, Flammen, Zerstörung des Alten verbinden sich mit spiritueller Erneuerung, neu erreichter Klarheit und Selbsterkenntnis. Intensiv aber oft mit
Schmerz verbunden.
DAS UNIVERSUM ist die letzte der 22 Karten der Arkana, verbunden mit dem letzten Buchstaben Tau. Zusammen mit dem Anfangsbuchstaben Aleph wird ein „Ath“ geschrieben, was Essenz bedeutet: Vollendung des großen Werks, im Einklang mit dem Ganzen, Tanz der Befreiung als „Ja!“ zur bedingungsfreien All-Liebe. Ein Finale des Friedens.
Widmung: Diese Auftragskomposition ist dem einzigartigen Melton Tuba Quartett gewidmet, - in Erinnerung an den gemeinsamen Freund und Sponsor Gerhard A. Meinl (1957-2026)
WIDMUNG DES QUARTETTS AN GERHARD MEINL:
"Wir danken unserem Freund und Förderer Gerhard Anton Meinl nicht nur für sein immer wieder
aufs Neue bewiesene Vertrauen, seine Unterstützung und Wertschätzung unseres Quartetts, sondern auch für seine tiefe Freundschaft über all die vielen Jahre!
In großer Dankbarkeit für die großzügige Unterstützung des Projekts „TAROT – Spiegel der Seele“
von Enjott Schneider widmen wir diese Komposition Gerhard Meinl. ( † 26.02.2026 )
Wir werden ihn bei jeder Aufführung dieses Werkes tief in unseren Herzen tragen.
Danke Gerhard !"
Dein Melton Tuba Quartett
Anmerkungen: Das 1987 gegründete Melton Tuba Quartett ist Deutschlands erstes und einziges professionelles Tubaquartett und hat sich in vier Jahrzehnten einen festen Platz in der internationalen Musikwelt gesichert. Es trat bei renommierten Festivals auf, auch in der ausverkauften Berliner Philharmonie, sowie 2025 beim Internationalen Tubakongress in Valencia. Mit sechs CDs und zahlreichen Uraufführungen inspirierte das Ensemble neue Kompositionen und engagiert sich in der Educationarbeit."
Ulrich Haas
...trat nach frühen Wettbewerbserfolgen und dem Tubastudium bei Professor Hans Gelhar, seine erste Orchesterstelle 1982 beim Orchester des Staatstheaters Kassel an und wechselte ein Jahre später zu den Duisburger Philharmonikern. Nach seiner Orchestertätigkeit wirkt Ulrich Haas weiterhin in verschiedenen Kammermusikensembles und unterrichtet als Professor sein Instrument an der Folkwang Universität der Künste in Essen. Seine besondere Leidenschaft gilt der sinfonischen Blasmusik.
Jörg Wachsmuth
...machte sein Staatsexamen im Fach Tuba bei KV Prof. Dietrich Unkrodt in Berlin und wurde 1992 erster Preisträger des Internationalen Instrumentalwettbewerbs Markneukirchen. Nach einem Engagement an der Neubrandenburger Philharmonie ist der Kammervirtuose seit 2000 Mitglied der Dresdner Philharmonie. Neben seinen solistischen und kammermusikalischen Tätigkeiten im In und Ausland unterrichtet er als Professor für Tuba an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden seine besondere Liebe gilt der Riesentuba „Ilse“ aus der Musikstadt Markneukirchen.
Heiko Triebener
...absolvierte ein Privatstudium bei Robert Tucci, Nationaltheater München. Nach Stationen beim Saarländischen Rundfunk und beim Beethoven Orchester Bonn ist Heiko Triebener seit 1993 Mitglied der Bamberger Symphoniker - Bayerische Staatsphilharmonie. Seit 2012 hat der weltweit erfolgreiche Solist und Dozent einen Lehrauftrag an der Musikhochschule Würzburg. Heiko liebt es mit Martin Neubauer vom Brentano Theater Bamberg im Duo aufzutreten.
Hartmut Müller
...absolvierte sein Konzertexamen als Schüler von Walter Hilgers. Er war von 1988 bis vor Kurzem Mitglied im Wuppertaler Sinfonieorchester, nachdem er zuvor dem RSO Saarbrücken angehörte. Durch seine zahlreichen solistischen und kammermusikalischen Engagements ist Hartmut Müller im in und Ausland wohl bekannt. 2015 wurde ihm in Anerkennung seiner Aktivitäten der Enno und Christa Springmann Kulturpreis verlieren.
Katharina Königsfeld
...Organistin und Pianistin, geboren in Bamberg, entdeckte früh ihre Leidenschaft für das Klavier und die Orgel. Neben dem Solorepertoire beschäftigt sie sich ausführlich mit Kammermusik und Lied. Anregungen erhielt sie bei namhaften Künstlerpersönlichkeiten. Sie hat die Künstlerische Leitung der Internationalen Orgelakademie Kitzbühel und rief den Maria Hofer Orgelwettbewerb ins Leben. Sie initiierte die Reihe "KonzertKULTur" im Schlosshotel Kitzbühel und kuratiert diese. Gerne gibt sie ihre musikalischen Ideen bei Meisterkursen weiter und folgt Juryeinladungen.
Im Jahr 2024 brachte sie mit dem Melton Tuba Quartett Werke erstmalig für die Kombination Tuba Quartett und Orgel zur Welturaufführung.
Uraufführung:
15.11.2026
, Christuskirche Darmstadt
Uraufführung Interpreten: Mit dem Melton-Tuba-Quartett, bestehend aus Ulrich Haas, Jörg Wachsmuth, Heiko Triebener, Hartmut Müller und Katharina Königsfeld (Orgel) am 15.11.2026 in der Christuskirche Darmstadt.
Weitere Aufführungen in derselben Besetzung sind am 20.12.2026 in der Konzerthalle Bamberg, 21.4.2027 in der Historischen Stadthalle Wuppertal, 14.10.2027 beim Internationalen Düsseldorfer Orgelfestival.