Kategorie:  Symphonie / Orchester , Kammermusik

Die Komposition nimmt Bezug auf drei Kunstwerke von Marcel Duchamp (1887-1968) aus seiner Umbruchzeit um 1912, in denen er zu einer Art Mechanisierung und technologisch fundierten Ästhetik findet. Duchamp war von der „Welt der Dinge“, den mechanisierten Gebrauchsgegenständen fasziniert, die er dann mit seinen „ready mades“ endgültig in den Rang von innovativen Kunstwerken erhob. In der Komposition repräsentiert vor allem das Schlagwerk die dingliche Welt des Alltags. Seine Stilwende von der „retinalen Malerei“ hin zu gefundenen Objekten und zur Ästhetik der Mechanisierung und der Technik ist stark an einen München-Aufenthalt von Duchamp verbunden. Vor allem das Deutsche Museum mit seinen technischen Exponaten übte große Faszination auf ihn aus.

Sätze: I: VIERGE NR: 1 / JUNGFRAU NR: 1 (1912)
II: BOITE / SCHACHTEL (1913/14)
III: MÉCANISME DE LA PUDEUR / MECHANIK DEER SCHAM (1912)

Dauer: 13-14 Minuten

Notenausgabe: Ries & Erler Berlin , 2022

Besetzung: Streichseptett oder Streichorchester (2 Vl, 2 Vla, 2 Vc, Bass)
Percussion (Vibraphon, ,Bassdrum, Tamtam, woodblocks, Bongo, 2 hängende Becken, Kontrabassbogen, zwei metallene Stricknadeln, Metallstangen, diverse Alltagsgegenstände und Küchengeräte, drei Gongs, metal chimes, eine alte Nähmaschine)

Vorwort: MARCEL DUCHAMP – MYTHOS DER DINGWELT

I: VIERGE NR: 1 (1912)
II: BOITE (1913/14)
III: MÉCANISME DE LA PUDEUR (1912)

Die Komposition nimmt Bezug auf drei Kunstwerke von Marcel Duchamp (1887-1968) aus seiner Umbruchzeit um 1912, in denen er zu einer Art Mechanisierung und technologisch fundierten Ästhetik findet. Duchamp war von der „Welt der Dinge“, den mechanisierten Gebrauchsgegenständen fasziniert, die er dann mit seinen „ready mades“ endgültig in den Rang von innovativen Kunstwerken erhob. In der Komposition repräsentiert vor allem das Schlagwerk die dingliche Welt des Alltags. Seine Stilwende von der „retinalen Malerei“ hin zu gefundenen Objekten und zur Ästhetik der Mechanisierung und der Technik ist stark an einen München-Aufenthalt von Duchamp verbunden. Vor allem das Deutsche Museum mit seinen technischen Exponaten übte große Faszination auf ihn aus.

Die drei musikalischen Satztitel sind mit den Bildtiteln identisch:

1. Satz: Vierge Nr.1 / Jungfrau Nr.1 (1912), Bleistift auf Kupferdruckpapier (aus dem Philadelphia Museum of Art) zeigt die Entwicklung einer neuen Figur, die er in den Gemälden „Übergang von der Jungfrau zur Braut“ vorbereitet hat. Bei seinem Interesse an Apparaten und Maschinen zur Darstellung zwischenmenschlicher Beziehungen faszinierte ihn die Analogie von Nähmaschine und Frau, von Nähakt und Geschlechtsakt.

2. Satz: Schachtel von 1914 / Boite de 1914 (1913/14) steht der Entwicklung seiner Readymades nahe. In seiner Kunstform der „Schachteln“ werden innerhalb einer Schachtel aufbewahrt kleine Modelle von Readymades, Gebrauchsgegenständen und kleinen beschriebenen Zetteln aufbewahrt. Der Zuschauer hat die Freiheit, selber die Reihenfolge des Lesens und Schauens zu bestimmen. Musikalisch ergab sich hierdurch das “Collageprinzip“, indem musikalische Versatzstücke (auch banalerer Art wie Slowwaltz und Charleston) übereinanderliegen und unvermittelt sich zu etwas neuem verbinden. Die Schachtel von 1914 mit auf 15 Kartons geklebten Fotografien von Notizen und Zeichnungen befindet sich im Centre Pompidou.

3. Satz: Mechanismus der Scham - Mechanische Scham / Mécanisme de la pudeur – Pudeur mécanique hat noch den Untertitel „Die Braut von den Junggesellen nackt entblößt. Man findet hier wieder technisch-schematisches Denken und Zeichnen zur Darstellung intimster Gefühle. Autobiographisch findet man in diesem Gemälde die Tragik seiner Liebe (er war damals 24jährig in München) zu Gabrielle Buffet-Picabia, die mit seinem Künstlerfreund Francis Picabia verheiratet war. Von München fuhr er einmal 700 Kilometer in den französischen Jura, nur um ein paar Stunden seine angebetet Unerreichbar im Wartesaal eines kleinen Bahnhofs zu treffen. Es geht also um eine Frau, die von zwei Männern bedrängt wird, was sich in der Werkstruktur (aggressiver Mittel- und Endteil, intimer Mittelteil) deutlich widerspiegelt. Das Gemälde (Bleistift, Tinte, Tusche auf Tonpapier) hängt im Centre Pompidou Paris.

Widmung: Herzlich für Stefan Blum, der zum 110. Geburtstag der „ready made“-Stilistik des Marcel Duchamp wieder seine Geräusch-Kreativität aufblühen ließ!

Uraufführung:  15.01.2022, München Schwere Reiter

Uraufführung Interpreten: Am 15. November 2022 in München / Schwere Reiter im Rahmen des Projekts LA BOHÈME 2022, einem vierteiligen Konzertzyklus, welches die Situation von Künstlern reflektiert. Musik, Sprache, Videokunst und Licht sind dabei eng verzahnt. Gefördert von der Initiative Neustart Kultur und der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. – Aufgeführt vom Ensemble für Synkretische Musik mit dessen Percussionisten Stefan Blum als Solist.