Kategorie:  Recordings

Sätze: JÜRGEN GEIGER spielt an den vier Orgeln des Freiburger Münsters:

ORGELSINFONIE NR: 8 „IN MEMORIAM“. Variationen zu Bruckner Symphonie Nr. 8 / Variations on Symphony Nr. 8 by Bruckner (Schott Music ED 20669)
1: Metamorphosen
2: Scherzo sinistro
3: Adagio
4: Finale: „Wachet auf ruft uns die Stimme“

AT THE EDGE OF TIME. VARIATIONS ON MOZARTS REQUIEM KV 626 (Schott Music ED 9990)

Recorded: Freiburg 9.-11. Februar 2012, Aufnahme und Schnitt: Toms Spogis,
ACD-3017 LC 07811

Vorwort: AT THE EDGE OF TIME:
Eine Hommage an Wolfgang Amadeus Mozart: aus Grundton, Bewegungsmustern und Motiven des Requiem KV 626 entsteht ein emotionales Geflecht, durch das eine schlichte Melodie (Oboe) den Weg führt. Ein furioser Mittelteil, von der Rhythmik des „Dies irae“ inspiriert, führt in großer Steigerung zu existentiell erschütternder Klangballung und zu plötzlicher Stille und dem Nichts: über einem langen Pedalton erzittert die Musik ein letztes Mal und zitiert Mozarts „Lacrimosa“… genau so lange und fragmentarisch, wie es aus seiner Handschrift als letztes der von ihm überlieferten Stücke erhalten ist. Danach ist er gestorben: man vermag etwas vom ABGRUND DER ZEIT zu verspüren. Komponiert im Mozartjahr 2006. (Das Werk wurde 2006 Johannes Skudlik gewidmet)


ORGELSINFONIE NR.8 "IN MEMORIAM"
In einem Orgelwerk sich dem jenseitigen Vermächtnis zu nähern, das Anton Bruckner (1824-1896) in seiner 8. Sinfonie c-moll niedergelegt hat, war die Idee des Erfurter Domorganisten Silvius von Kessel. „Wachet auf“, ruft uns die Stimme stellt bei dieser behutsamen – von großer Bewunderung und Respekt getragenen - Annäherung an Bruckner den musikalischen Gegenspieler dar: Es ist sozusagen der ‚Hauschoral’ des Erfurter Mariendoms, da der „Erfurter Wolfram“, die älteste Bronzeplastik im deutschen Raum, seit je mit dem von Jesaia beschriebenen ‚Wächter auf der Zinne’ in Verbindung gesehen wurde. Aus der Beleuchtung dieses Chorals in Brucknerischem Geist entstand eine dynamische Satzfolge:
Satz 1 METAMORPHOSEN stellt - zunächst fast unverändert erklingend - das Brucknersche Hauptthema vor und leitet daraus metamorphosenartig musikalische Weiterführungen ab, die spielerisch sich an liebgewonnenen Motiven festklammernd zu verschiedenen Variationen von Bruckners Motiven führen.
Satz 2 SCHERZO SINISTRO beschwört eine unheimliche Atmosphäre und nimmt damit Bezug zu Bruckners Neigung zum Makabren, Schaurigen und Nekrophilen. Aufmerksam verfolgte er in der Presse Kriminalfälle und wohnte mehrfach Hinrichtungen bei. Auch war er bei den Sargöffnungen von Schubert und Beethoven anwesend.
Satz 3 ADAGIO baut sich auf dunkelglühenden Triolenbewegungen auf, die Bruckner seinerseits schon als Zitat des „Liebestodes“ von Wagners Tristan und Isolde eingeführt hat. Aus dieser transzendenten Stimmung heraus (aufgebaut auf einer Zwölftonreihe) erklingt am Ende erstmalig der Choral „Wachet auf“, ruft uns die Stimme.

Satz 4 FINALE: „WACHET AUF“, RUFT UNS DIE STIMME verbindet die Choralmelodik mit dem einprägsamen Vorschlagsrhythmus des Brucknerschen Finale, - zunächst in dramatischem Moll. Im Mittelteil leuchtet der Choral zart und entrückt in Dur auf (Flöte 4’ im Pedal). Diese Stimmung wurde inspiriert von Nahtod-Erlebnissen reanimierter Verstorbener, die allesamt von einem Licht und wunderschön leiser Eingelsmusik berichten. Mit dem feierlichen Impetus eines typisch Brucknerischen Finale klingt dann der Satz virtuos und kraftvoll – schließlich in leuchtendem Dur – aus. (Das Werk wurde 2008 Domorganist Silvius von Kessel/Erfurt gewidmet)




Tonträger:  AMBIENTE AUDIO ACD-3017 LC 07811,  2012

Tonträger Interpreten: JÜRGEN GEIGER an den vier Orgeln des Freiburger Münsters