COSMIC CIRCLE

Orgelsinfonie Nr. 18

COSMIC CIRCLE

Orgelsinfonie Nr. 18

Category:  Orgel / Sacred Music

Vom Makrokosmos der Gestirne und der Galaxien bis zum atomaren Mikrokosmos überlagern sich unendliche Kreisläufe, die letztlich Multiplikationen eines einzigen Grundtons oder Impulses sind, - der „Eins“ oder des Ursprungs. Diese zyklische Struktur prägt sowohl die sichtbare und materielle Welt wie auch die geistige, unsichtbare und immaterielle Welt.
Das Orgelwerk COSMIC CIRCLE will solches kosmische Kreisen beschreiben und ist ein Auftragswerk für die Jesuitenkirche St. Michael in München. Diese gewaltige Basilika hat eine faszinierende spirituelle Mittelachse „Kind – Kreuz – Tod – Auferstehung“ verfügt: Über dem Eingang ist Christus als Kind, als kindlicher ‚Pankrator‘, dem Herrscher der Welt. Beim Blick nach vorne steht in der Mitte dann das ‚Giambologna-Kreuz“ an dem das Kreatur gewordene Geistwesen Schmerz und Leid der materiellen Welt erfahren muss. Ganz vorne dann der riesige Hochaltar, der den Weg vom Grab zur Auferstehung und der Verklärung in neu gewonnener Geistigkeit beschreibt. Dieser kosmische Kreislauf von „Kind“ (Eintritt ins physische Leben), „Schmerz und Leid“ (Erfahrung der Begrenzungen und Endlichkeit des materiellen Seins) sowie „Tod und Verklärung“ (Wiedereintritt in die geistige Welt des Ursprungs) hat immense archaische Kraft.

Movements: PROLOG: DER KOSMOS – MYSTERIUM DER UNIVERSELLEN EINHEIT
I: DAS KIND – DIE ALLMACHT DES URSPRUNGS
II: KREUZ & TOD – DIE FESSELN DER MATERIE
III: AUFERSTEHUNG UND VERKLÄRUNG

Duration: 20 Minuten

Publisher of notes/sheet music: Schott Music , 2026

Instrumentation: Grosse sinfonische Orgel (mit mindestens 3 Manualen)

Introduction: Die Welt ist das „Wellende“: alles ist zyklische Schwingung und Vibration; vom Makrokosmos der Gestirne und der Galaxien bis zum atomaren Mikrokosmos überlagern sich unendliche Kreisläufe, die letztlich Multiplikationen eines einzigen Grundtons oder Impulses sind, - der „Eins“ oder des Ursprungs. Diese zyklische Struktur prägt sowohl die sichtbare und materielle Welt wie auch die geistige, unsichtbare und immaterielle Welt. In dieser Ewigkeit gibt es kein Ende. Nach dem kosmischen Gesetz der Frequenz wird aus Wellenberg ein Wellental. Aus dem materiellen Leben führt der Tod als Eingang in die geistige immaterielle Welt… und von dort wieder erneut – mit jeder Kindgeburt oder mit jedem Frühling - in materielles Leben.

Das Orgelwerk COSMIC CIRCLE ist ein Auftragswerk für die Jesuitenkirche St. Michael in München, nach dem Petersdom in Rom das zweitgrößte freitragende Tonnengewölbe der Welt, die über eine faszinierende spirituelle Mittelachse „Kind – Kreuz – Tod – Auferstehung“ verfügt: Über dem Eingang ist Christus als Kind, als kindlicher ‚Pankrator‘, dem Herrscher der Welt. Beim Blick nach vorne steht in der Mitte dann das ‚Giambologna-Kreuz“ an dem das Kreatur gewordene Geistwesen Schmerz und Leid der materiellen Welt erfahren muss. Ganz vorne dann der riesige Hochaltar, der den Weg vom Grab zur Auferstehung und der Verklärung in neu gewonnener Geistigkeit beschreibt. Diese kosmische Kreislauf von „Kind“ (Eintritt ins physische Leben), „Schmerz und Leid“ (Erfahrung der Begrenzungen und Endlichkeit des materiellen Seins) sowie „Tod und Verklärung“ (Wiedereintritt in die geistige Welt des Ursprungs) hat immense archaische Kraft.

Die Orgel ist wie kein anderes Instrument geeignet, dieses zyklische Schwingen zwischen geistiger „himmlischer“ Welt und physisch-realer Materie, also zwischen Diesseits und Jenseits nachzuzeichnen. Die Orgel – so formuliert es der Titularorganist Olivier Latry der Pariser ‚Notre Dame‘ – verbindet den Himmel mit dem Menschen: Sie macht das Reale irreal und das Irreale real!
Zum zyklischen Wesen der Welt gehört die archaische Erfahrung, dass die „Einheit“ das Grundgesetz des Universums (lateinisch: ‚auf die Eins gerichtet‘) darstellt. Das wahre „Sein“ ist ja auch sprachlich mit der „Eins“ identisch, - man muss niur das „s“ ans Wortende stellen. Die scheinbaren Gegensätze Wellenberg-Wellental, Licht-Schatten oder Leben-Tod sind nur „Maya“, eine Illusion oder Täuschung des nur materiell verstehenden Menschen. „Maya“ als zentrale Konzeption der Jahrtausende alten vedisch-indischen Philosophie hat erkannt, dass die göttliche Kraft das Eine als Vielheit erscheinen lässt. Im ebenso alten chinesischen Tao Te King symbolisieren Yin & Yang die in Dualität und Polarität gefallene Einheit. Aus der „Zwei“ wurden dann über die dynamische Zeugungskraft der „Drei“ die Zehntausend Dinge, - die unendliche Vielfalt der materiellen Welt mit ihren Details, Wesenheiten, Formen und Farben.

Wir erleben die Welt als Stückwerk aus anscheinend gegensätzlichen Einzelteilen und erkennen nicht mehr die göttliche „Eins“, den göttlichen Ursprung, aus dem Alles kommt. Diese Weisheit formulierte auch der Apostel Paulus in seinem 1. Korintherbrief mit so magischer Klarheit: „Unser Wissen ist Stückwerk und unser Weissagen ist Stückwerk. Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören“.
Dieses mystische Gefühl der Verbundenheit mit der Welt – was man auch „Liebe“ nennen darf - ist ein Zustand, in dem die Grenze zwischen Selbst und Welt verschwindet, in welchem Subjekt und Objekt sich verschwistern. Der französische Mystiker, Schriftsteller und Pazifist hat die Erfahrung der Alleinheit als „ozeanisches Gefühl“ beschrieben. Die Erfahrung des Ewigen, Unbegrenzten und Schrankenlosen. Als eine „Reise in Innere“, zum eigenen göttlichen Funken, - dem Unzerstörbaren, was man auch „Christus-Natur“, „Buddha-Natur“ oder mit C.G. Jung das tiefe innere Selbst nennen darf.

Nochmals sei hingewiesen, dass die Orgel mit ihren unbegrenzten ‚ewigen‘ Klangdauern und ihrer Verbundenheit mit heiliger Architektur wie kaum ein anderes Musikinstrument dieses „ozeanische Gefühl“ vermitteln kann. Im schweigenden Lauschen – ohne begrifflicher und rationaler Begründung oder gar analytischem Nachvollzug – kann diese Orgelsinfonie COSMIC CIRCLE idealerweise rezipiert werden. Einige kurze Hinweise mögen die Gestaltungskräfte andeuten, die bei der Findung der musikalischen Textur wirksam waren:

PROLOG: DER KOSMOS – MYSTERIUM DER UNIVERSELLEN EINHEIT
Diese Einleitung reflektiert den Kosmos im etymologischen Sinn als Ordnung, Zierde, Ursprung und Struktur des Universums. Eine nicht untergliederbare Einheit von Materie-Energie-Geist. Das Changieren zwischen 5/8- und 6/8-Takte (womit in Summe die Elf als Christus- oder Sonnenzahl spürbar ist) gibt einen rhythmisch einen schwebenden Freiraum, dem eine chromatische Fünftonreihe in ebensolch schwebender Unfasslichkeit gegenübersteht. Eine unklare Klangwelt zwischen Sichtbarem und Unsichtbarem. Klarer ist die ostinate Betonung des Grundtons fragilen „h“, die auf das Universum als der ‚Eins‘ verweist. Nahezu illustrierend ist ein „Sternenmotiv“, das für den blinkenden Sternenhimmel steht.

I: DAS KIND – DIE ALLMACHT DES URSPRUNGS nimmt alles Schwebend-Unklare zurück und gebärdet sich vom Zentralton „h“ ausgehend wie eine naive nachgebaute Toccata im französischen Stil. Frischer Wind, Aufbruch ins Motorische, Gestik der kindlichen Unschuld. Bisweilen kommt aber der grandiose Charakter eines künftigen ‚Herrschers der Welt“ in klangstarker Verdichtung zum Vorschein.

II: KREUZ & TOD – DIE FESSELN DER MATERIE entwickelt sich erneut aus dem einheitsstiftenden Zentralton „h“, frei als eine Chaconne angelegt, und kulminiert in zunehmend härterer Klanglichkeit mit Dissonanzen und eindringlich marschierenden Ostinati der Bässe. Das abschließende Zitat von J.S. Bachs „Kreuzstabkantate“ klingt in dem schmerzhaften Kontext fast „zu schön“, - eine Analogie zum Crucifixus des Jean de Bologne (Giambologna), welches das Renaissance-Ideal der „Schönheit als Unzerstörbarem“ verkörpert, Symbol der nie endenden Liebe Gottes.

III: AUFERSTEHUNG UND VERKLÄRUNG ist eine kraftvolle und virtuose Toccata, die in Zwischenspiele auch vorangegangene Motive aufgreift und in ihrem Hauptteil die alte aus dem 12. Jahrhundert stammende Melodie des „Christ ist erstanden“ zitiert. Die triumphale Wucht der „Resurrectio“ verebbt jedoch ins Unsichtbare und macht der „Transfiguratio“ Platz. Dies ist eine ins Ätherische modifizierte Reprise des Prologs: der Zentralton „h“ ist zum finalen Grundton „e“ geworden, die vormals absteigende Fünftonreihe ist zum fragilen Pfad in die geistige Welt des ‚Himmelreichs‘ geworden. Diese Sphäre führt – kurze Öffnung des Himmels als dem „Paradisum“ – zu einem naiv-sonnigen A-Dur Thema, das aber letztlich wieder in die schwebende Unfasslichkeit des für den materiellen Menschen immer unbegreiflich bleibenden göttlichen Kosmos verschwindet.

Dedication: Peter Kofler, dem großartigen Organisten von St. Michael (München) mit Dank für die wegweisenden Gespräche herzlich gewidmet

World premiere:  04.10.2026 , Jesuitenkirche St. Michael München

Performers at world premiere: Peter Kofler an der Rieger-Orgel der Münchner Michaelskirche am Sonntag, den 4. Oktober um 16 Uhr