Kategorie:  Symphonie / Orchester

Sätze: 1: 'Tschen (der Donner)'
2: 'Kan (das Wasser)'
3: 'Touei (der See)'

Dauer: 35:00 (14:00 / 09:00 / 12:00)

Notenausgabe: Schott Musik International , Als Leihmaterial erhältlich , 2001

Besetzung: Picc. 2 Fl. 2 Ob., Ehr. 2 Klar (B) BassKl. 3 Fag. 4 Hr. 3 Trp. (B) 2 Tpos. B.pos. Basstub. Pauke 2 Percuss. Hf. Streicher (16-14-12-10-8) und Sheng (Mundorgel)

Textdichter: ...dem Solisten Wu Wei in Freundschaft gewidmet

Vorwort: Die dreissigminütige Komposition exponiert ein musikalisches Thema, dessen wildwuchernde Veränderungen in drei Sätze gefasst sind, die einigen der berühmten acht Triagramme des 'I GING' (des Buches der Veränderungen) entsprechen: TSCHEN ist der Erwecker, der Donner, dem die Eigenschaften des Provokativen, Heftigen, des ungestümen Wachsens zugeordnet sind. KAN als Tiefe und Abgrund hat als Bild das Wasser, dem der Mond und alles Geheimnisvolle, schwer zu Verstehende und Melancholische entspricht (folgerichtig basiert dieser Satz auf einer 12Ton-Reihe und einer verschobenen spiegelsymmetrischen Rhythmik). TOUEI ist das Vergnügen, die Freunde, das Glück, die heitere Ruhe, dem das Bild des Sees entspricht.
Die 'Veränderungen' wollen nicht in Rhythmik oder Meldodik asiatische Vorbilder imitieren, sondern bleiben im Tonmaterial eher in den Sprachkonventionen der westlichen Musik. Der Brückenschlag zur chinesischen Musik gelingt vor allem durch den Einsatz der Sheng (eines der ältesten Musikinstrumente) und dem formalen Umsetzen der vorgegebenen geistigen Prinzipien in klangliche Wachstumsprozesse

Uraufführung:  03.09.2003, Ruhrfestspielhaus Recklinghausen, (= 5. Sinfoniekonzert 2002/3), weitere Aufführungen am 10.,11.,12.3 im Musiktheater Gelsenkirchen und Konzertaula Kamen

Uraufführung Interpreten: Wu Wei (Sheng) / Neue Philharmonie Westfalen,
Ltg: GMD Samuel Bächli

Uraufführung Presseberichte: WAZ Westdeutsche Allgemeine Zeitung/Gelsenkirchen (12.3.2003): Das war 'die' Überraschung im sinfonischen Jahreszyklus: Im 5. Konzert der Neuen Philharmonie erklang eine Uraufführung von Enjott Schneider - 'Veränderungen' für Sheng und Orchester. Solist war der hochvirtuose Chinese Wu Wei. Asiatische Musik trifft auf europäische Tradition. Das ist der Ausgangspunkt für Schneider. Seine Oper 'Das Salome-Prinzip' wurde in der vergangenen Saison ein Hit - und sein Stück, das er für den in Berlin lebenden Künstler schrieb.... Schneider demonstriert dies mit hoher Sensibilität, weil er nicht fernöstliche Pentatonik imitiert oder Folklore sinfonisch aufdonnert. Er schreibt ein europäisch fundiertes Werk, in dem er sogar eine Zwölftonreihe unterbringt. Alle hören es, keiner merkt es....Hinter dieser Uraufführungen rückten die übrigen Werke, alle der großen Besetzung gewidmet, ins zweite Glied.
Ruhr Nachrichten (12.3.2003): Enjott Schneider (*1950) hatte 2002 mit der Uraufführung seiner Oper 'Das Salome-Prinzip' überraschenden Erfolg. Nun ehrt ihn die Neue Westfälische Philharmonie mit der Uraufführung eines Orchesterwerks: 'Veränderungen' - Konzert für Sheng (chinesische Mundorgel) und Orchester. Schneider ist der erste, der für dieses exotisch anmutende, fernöstliche Instrument ein Konzert schreibt; und er hat mit Wu Wei, dem chinesischen Meister des Sheng, einen Interpreten gefunden, der ihm hier erneut einen Überraschungserfolg einspielt.
Recklinghäuser Zeitung (11.3.2003): Klänge des Fernen Ostens verzaubern! Uraufführung: Neue Philharmonie Westfalen begeistert mit 'Veränderungen' von Enjott Schneider!....In der Komposition zeigen sich Abwandlungen eines Themas in drei Sätzen, die den Triagrammen des 'I Ging' ('Buch der Veränderungen') entsprechen. Im 1. Satz 'Tschen' (Der Donner) boten Solist und Orchester eine von Crescendi belebte Musik des Erweckens und Wachsens. Peitschende Rhythmen jagten einander, von vereinzelten lyrischen Elementen durchsetzt. Der 2. Satz 'Kan' umschrieb die Tiefe des Wassers im Zusammenspiel mit den geheimnisvollen Kräften des Mondes. Im 3. Satz 'Touei' dann eine Stimmung der Freude und heiteren Ruhe, die dem Bild eines stillen Sees entspricht.
WAZ Westdeutsche Allgemeine Zeitung/überregional (12.3.2003): Ein verblüffendes Werk von 30 Minuten, ein großer Virtuose: das war der Eindruck dieser spektakulären Uraufführung in Recklinghausen und Gelsenkirchen... Der 52jährige Komponist aus München, Grenzgänger zwischen U- und E-Musik, verklammert mühelos die nasalen Orgelklänge des Soloinstruments mit raffinierten Orchestertönen - ein Thema wandert durch verschiedene Fassungen, denen emotionale Ebenen wie Tiefe, Abgrund, Geheimnis, Provokation oder Melancholie zugeordnet werden...
WAZ Recklinghausen (11.3.2003): ...imponierte durch Vitalität und eine gelungene Verschmelzung chinesischer Philosophie und zeitgemäßem Musikverständnis... Seine Musik ist reich an Effekten, setzt den Solisten aber auch das Sinfonieorchester variationsreich in Szene....gelungene Mischung aus magischen Klangimpressionen und expressiver Leidenschaft mit Spielfreude und markantem Schlagwerk.
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Presse zu Aufführungen im 'Konzert der Mitte'
(2. Sinfoniekonzert)Brandenburger Philharmoniker
am 7./8. Oktober 2005:
Bernd Köllinger: Einen besseren Beweis für die Vereinbarkeit von Tradition und Moderne hätte es an diesem Abend nicht geben können. Zu hören war ein Dvorac der Jahrtausendwende, der eine ebenso empfindsame wie dramatisch und theatralisch Musik zu schreiben weiß, die sich dem Zuhörer erschließt, ohne ihm unaufhörlich zu Munde zu reden...gelingt ihm gleichwohl rhythmisch Vertracktes, das an Strawinsky oder eher noch Schostakovitch erinnert. Die 6/8-Bewegung des zweiten Satzes ist zum Dahinschmelzen - und gerät fast zum Hollywood-Pastorale, während das abschließende Scherzo einen 'chinesischen' Euelenspiegel am Werke zeigt. Der Dialog von Sheng und Trommelinstrumenten und die über weite Strecken lyrisch getönte Solokadenz nahmen den Zuhörern fast den Atem. Das grandiose Finale löste wahre Begeisterungsstürme aus. Und das bei moderner Musik!'
Ann Brünnik 'Betörende Töne' in MAZ vom 110.10.05: 'So entsteht ein Klangteppich von betörender Schönheit, der in seiner zurückhaltenden, aber reichhaltigen farbigkeit an chinesische Malerei erinnert. Jubelnder Beifall!'

Lübecker Nachrichten vom 12.6.2007:
Es war ein Sinfoniekonzert der besonderen Art. Die Lübecker Philharmoniker spielten ein aussergewöhnliches Programm...Hauptwerk aber war das Konzert für Sheng und Orchester des deutschen Komponisten Enjott Schneider (57). Eine herausragende Komposition, die in ihren drei Sätzen einen großen Reichtum an Farben und Stimmungen bot. Da war nichts zu merken von der angeblichen Kopflastigkeit neuer Musik, im Gegenteil, dieses Werk bot Emotion in hohem Maße'

Tonträger:  CD-Reihe der Musikhochschle München Volume 45,  2006

Tonträger Interpreten: WuWei/Sheng und die Münchner Symphoniker, Ltg.: Heiko Matthias Förster, Livemitschnitt aus dem Herkules-Saal München