Kategorie:  Chor / Vokal , Orgel / Sacred Music , Symphonie / Orchester

Sätze: 1: ALIF – DER KLANG DES ANFANGS
2: ALLEGRO MAESTOSO: LOB DER SCHÖPFUNG
3: ADAGIO: VON DER LIEBE
4: FINALE: FREI WIE EIN BAUM – BRÜDERLICH WIE DER WALD

Dauer: 35 Minuten

Notenausgabe: Schott Music GmbH , Leihmaterial bei Schott Music , 2011

Besetzung: Sopran-, Alt-, Tenor-, Bariton-Solo
, Gemischter Chor (Kinderchor ad lib.)

3 Flöten (3. auch Piccolo)
2 Oboen (2. auch Englischhorn)
2 Klarinetten (B)
2 Fagotte
Kontrafagott
4 Hörner (F)
2 Trompeten (B)
3 Posaunen (T/T/B)
Pauke
2 Schlagzeuger
Großes Streichorchester (16-14-12-10-8)




Textdichter: Die Bibel, der Koran, Dschalaladdin Rumi, Nazim Hikmet, J.W.von Goethe, Hermann Fürst Pückler,

Vorwort: In der viersätzigen FRIEDEN-SINFONIE begegnen sich Gedanken, Gebet und Philosophie aus Orient und Okzident, aus westlich-christlichen und östlich-islamischen Kulturkreisen: um zu zeigen, dass – allen trennenden Vorurteilen zum Trotz - die Sehnsucht nach Frieden und das Lob der Schöpfung des einen und gemeinsamen Schöpfers das verbindende Element ist. Im sinfonischen Spannungsbogen vereinigen sich hierzu Texte aus Christentum und Islam mit Poesie von Dschalaladdin Rumi, Nazim Hikmet, Johann Wolfgang von Goethe und Fürst Pückler-Muskau.

Die Texte:
1: ALIF – DER KLANG DES ANFANGS
Ah, Ah, Ah, - Alif, Alpha, Allah, Jahwe, Salaam, Islam, Sama, Al ilah, Allahu Akbar, Adam, Abraham, Anfang, das All, Noah, Arche, Kain, Abel, Maria, Magdalena, Koran, Hadith, Arabien, Kaaba, Tat, Aktiv, Machen, Handeln, Amare, Mater, Mare, Aqua...
Die Genesis der Bibel
Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und es war finster in der Tiefe, und der Geist Gottes schwebte über dem Wasser. Und Gott sprach:
Der „Lichtvers“ des Koran (Sure 24:35)
Gott ist das Licht Himmels und der Erde. / Das Gleichnis Seines Lichtes ist wie eine Nisch’, in welcher eine Leuchte, das Glas ist wie ein funkelnder Stern – die angezündet ist vom Segensbaume, dem Ölbaum nicht aus Osten noch aus Westen. / Licht über Licht – Gott leitet zu seinem Lichte, wen Er will. (Nachdichtung: Friedrich Rückert)
2: ALLEGRO MAESTOSO: LOB DER SCHÖPFUNG
Psalm 104 „Mein Gott, Du bist herrlich!“ der Bibel:
Domine Deus magnificatus / es vehementer confessionem et decorem induisti / Qui emittis fontes in convallibus inter medium montium pertransibunt aquae / rigans montes de superioribus suis de fructu / operum tuorum satiabitur terra
Mein Gott, Du bist herrlich, schön und prächtig geschmückt. Du lässest Wasser zwischen den Bergen quellen, dass sie zwischen den Bergen fließen, du befeuchtest die Berge von oben her, machst alles voll von Dir geschaffener Früchte. Du lässest Saat und Gras wachsen für Brot aus der Erde.

Dschalaladdin Rumi „Schall o Trommel, hall o Flöte“
Schall, o Trommel, hall o Flöte! Alla hu! / Wall im Tanze, Morgenröte! Alla hu! / Lichtseel’ im Planetenwirbel, Sonne, vom Herrn im Mittelpunkt erhöhte! Alla hu! / Herzen! Welten! Eure Tänze stockten, wenn Lieb’ im Zentrum nicht geböte! Alla hu! / Unsres Liebereigens Leiter reicht hinauf, über Sonn’ und Morgenröte. Alla hu! / Rausche, Meer, am Fels, im Sturme Gottes Preis! Alla hu! / Nachtigall um Rosen flöte, Alla hu! / Seele, willst ein Stern dich schwingen um dich selbst – wirf von dir des Lebens Nöte, Alla hu!
Bekenntnis der Einheit (Koran, Sure 112: 1-4)
Sprich: Gott ist Einer, ein ewig reiner. Hat nicht gezeugt und Ihn gezeugt hat keiner, und nicht Ihm ist einer gleich (Nachdichtung: Friedrich Rückert).
3: ADAGIO: VON DER LIEBE
Dschalaladdin Rumi:
Leben ist Liebe
Du lebtest nicht, wenn lieblos du gelebet: / Ein solches Leben kann kein Leben sein. / Die Zeit, die ohne Liebe hingeschwunden, / Tritt schamrot vor des Schöpfers heilgen Schrein.
Ein Leben ohne Liebe hingeschwunden, / Beacht’ es nicht, denn es gewährt nur Schmerz: / Wer liebt, der hat den Lebensborn gefunden: So öffne denn der Liebe Seel’ und Herz! (Übersetzung: Vincenz von Rosenzweig, 1838)
4: FINALE: FREI WIE EIN BAUM – BRÜDERLICH WIE DER WALD
Johann Wolfgang von Goethe: Gottes ist der Orient
Gottes ist der Orient! / Gottes ist der Okzident! / Nord- und südliches Gelände, / Ruht im Frieden seiner Hände.
Nazim Hikmet: Leben wie ein Baum
Sich andern zu verdingen, damit soll endlich Schluß sein,
schafft die Knechtschaft ab des Menschen durch den Menschen!
Diese Einladung ist unser.
Leben, einzeln und frei wie ein Baum, / und brüderlich wie der Wald , /
...diese Sehnsucht ist unser.
(Übersetzung des Gedichts „Davet“/“Einladung“ von Düzgün Polat)
Fürst Pückler: Die Freiheit der Bäume
Wir sehnen uns so sehr nach der Freiheit der Bäume!
„Solo: Furchtbar und schnell ist die Macht des Menschen im Zerstören,
schwach und gebrechlich im Aufbauen!
Ein alter Baum, er sei Euch deshalb ein hohes Heiligtum
Tutti: Wir sehnen uns so sehr nach der Freiheit der Bäume!
Friedensgruß:
As-salamu’ alaikum / der Friede sei mit Euch!
Wa’ alaikum s-salam / und auch mit Euch sei Friede
Da pacem, Domine.
Finale:
Leben einzeln und frei wie ein Baum,, / und brüderlich wie der Wald , /
Diese Sehnsucht ist unser.
Wir sehnen uns so sehr nach der Freiheit der Bäume!

Anmerkungen zu den Sätzen:
Satz 1:
Ausgehend vom ersten Buchstaben „Alif“ des arabischen Alphabets (vergleiche das griechische „alpha“ oder unser „a“), dem die mittelalterliche Zahlenmystik der Sufis wie der jüdischen Kabbala die Zahl „Eins“ als das geheime Zeichen für Gott zugeordnet hat, intoniert der Chor auf Basis eines energetischen 5/8-Taktes die „A“-Energie der „Anfangs“-Worte von Alif bis Abraham... Der Buchstabe „Alif“ war der göttliche Buchstabe schlechthin. In der Meditation auf diesen einen Buchstabenklang ist die Konzentration auf Gott, das All und die ganze Schöpfung enthalten. – Danach erklingen die Verse der biblischen Schöpfungsgeschichte bis zur Lichtwerdung, auf die der berühmte „Lichtvers“ des Koran erklingt.
Satz 2:
Das Allegro maestoso ist der eigentliche Kopfsatz der Sinfonie und in Form eines Rondos gehalten: der tänzerisch-vitale Dreier-Grundpuls wird zunächst vom Psalm 104 der Bibel unterbrochen, dann nach einem Zwischenspiel von Rumis „Schall o Trommel, hall o Flöte“, das vornehmlich von den Vokalsolisten getragen wird. Nach einem weiteren Zwischenspiel wird dann das Einheitsbekenntnis des Korans gemeinsam intoniert.
Satz 3:
In einem semplice gehaltenen Adagio wird in einem einzigen Gedicht von Soli, Chor (Kinderchir ad libitum) die Liebe besungen. Dschalaladdin Rumi (1207-1273) war einer der bedeutendsten persischen Mystiker und Dichter, auf den auch die Gründung des ersten Derwisch-Ordens zurückgeht. Gott ist der Geliebte der Seele. Auf ihn geht alles Suchen und alle Sehn sucht der Liebe hin. Irdische Liebe ist für Rumi Gleichnis der himmlischen Liebe. Dabei kennt Liebe bei ihm keine konfessionellen Schranken. Interkonfessionelle Toleranz und Achtung jedes Menschen als eigene Schöpfung Gottes zeichnet sie aus. „Liebe“ ist bei Rumi die existentielle Grundbefindlichkeit, vergleichbar mit dem „göttlichen Wahnsinn“ der Neuplatoniker: Auch Platon und Plotin bezeichneten die „Liebe“ als Sehnsucht der Seele nach ihrem himmlischen Ursprung. Rumis Geisteshaltung wurde von Ibn’ Arab´ì geprägt, dem bedeutsamsten und einflussreichsten islamischen Mystiker, dem er in Damaskus begegnete. Die Toleranz des Ibn’ Arab´ì war legendär: „Hüte dich, dass du dich an eine bestimmte Bekenntnisformel anbindest und jede andere zurückweist, wodurch dir viel Gutes, ja sogar das Wissen von der wahren Wesenheit Gottes entginge. Betrachte deine Seele als einen Urstoff für die Formeln aller Glaubensbekenntnisse. Denn Gott ist größer und umfassender, als dass ihn ein Bekenntnis mit Ausschluß eines anderen einschließen könnte; wie er selbst sagt: Und wohin immer ihr euch wendet, dort ist Gottes Antlitz. (Sure 2:109)“.
Satz 4:
Dieser Satz ist kraftvoll und hymnisch. So wie Beethoven im Finale seiner IX. Sinfonie einen Militärmarsch als musikalische Vokabel intoniert, so wird hier ein Bergleitmotiv aus John Williams Musik zu „Star Wars“ (Duell of the fates) leicht abgewandelt zitiert: Chiffre von Kampf und Sieg, was sozusagen den Ruf nach Frieden förmlich evoziert.
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) war ein genauer Kenner des Islam und der arabischen Dichtung. Den persischen Dichter Hafi (1326-1390) stellte er als seinen Zwilling dar; mit dem Koran beschäftigte er sich leidenschaftlich. Für einige Gedichte seines „West-östlichen Diwans“ (1814) übernahm er wörtlich Koranverse (in der Übertragung F.v. Hammers). Die Sure 2:142 „Sag: Gottes ist der Orient, und Gottes ist der Okzident; er leitet, wen er will, den richtigen Pfad“ hat Goethe mehrfach als Motto von Sammlungen benutzt.
Zeitgenosse Goethes und persönlich mit ihm bekannt war Hermann Fürst von Pückler-Muskau (1785-1871), ein viel zu wenig bekannter deutscher Humanist, faustischer Sucher, Multigenie, Kosmopolit, Gartenplaner (er erfand das Prinzip des „Englischen gartens“ und schuf gigantische Parkprojekte etwa in Branitz, Bois de Bologne/Paris oder Muskau). Er war im 19. Jahrhundert,ein Literat, der höhere Auflagen hatte als Goehe und Heine zusammen. Ein „Öko“-Denker, der immer wieder die „Überlegenheit des natürlichen Lebens“ (das er vor allem in Afrika und Orient in Reinform fand) betonte. Seinen Leitsatz „Wir sehnen uns so sehr nach der Freiheit der Bäume!“ stellt dieses Libretto neben Verse des türkischen Nationaldichters Nazim Hikmet (1902-1963), der zeitlebens verfolgt war und für Freiheit kämpfte und dennoch wie kein anderer „Heimat“ zu formulieren wusste und die moderne türkische Literatur prägte. Seine Chiffre des Baums als Bild menschlichen Miteinanders hat er in seinem berühmtesten Gedicht „Davet“ (Einladung) etabliert. In der originalen türkischen Sprache: Yaşamak bir ağaç gibi
tek ve hür ve bir orman gibi
kardeşçesine,
bu hasret bizim.
Der muslimische Friedensgruß wird zunächst nur innerhalb der muslimischen Glaubensgemeinschaft benutzt, denn as-salam ist einer der neunundneunzig Namen Allahs und daher heilig. Es gilt dennoch als statthaft, dass – wenn ein Nicht-Muslim einen Muslimen mit as-salamu’ alaikum begrüßt – dieses im Wissen, einen Nicht-Muslimen vor sich zu haben, den Gruss mit konventioneller Formel erwidert. Denn die Koranexegese weiß hierzu: Und wenn euch ein Gruß entboten wird, dann grüßt mit einem schöneren zurück oder erwidert ihn in derselben Weise, in der er euch entboten worden ist! Gott rechnet über alles ab.“ – Der lateinische Gebetsruf „Da pacem“ war etwa seit dem 9. Jahrhundert Teil der Liturgie und ist seit dem Konzil von Trient 1562 bei der Meßvereinheitlichung wieder aus der Liturgie entfallen, seitdem aber als Gebetsruf immer noch beliebt
In den Aussagen dieses Finales schließt sich ein weiterer Kreis. Der östlichen Lyrik von Nazim Hikmet werden Texte von Goethe und Pückler-Muskau gegenübergestellt, die beide in wenig bekanntem Ausmaß extrem von islamisch-arabischem Denken geprägt waren: Goethe wurde mehrfach vorwurfsvoll unterstellt, er sei heimlich ein „Muslim“. Pückler-Muskau lebte diese Seite offen aus, indem er seit 1837 viele Jahre in Orient und Afrika verbrachte (unter dem Pseudonym Semilasso lieferte er Reisebeschreibungen von Sudan, Nordafrika, Ägypten - bis über Assuan hinaus am Oberen Nil - Orient und Griechenland), spektakulär seine Geliebte Machbuba nach Deutschland brachte, bis zum Lebensende stets orientalisch gekleidet blieb und sich schließlich in einer Pyramide im Branitzer Park bestatten ließ.
Dass die FRIEDEN-SINFONIE in ihrem Finale mit der völkerverbindenden Chiffre des „Baumes“ endet, schlägt ferner einen kreisförmigen Bogen zum 2. Satz „Schöpfung“: Sowohl Bibel (etwa in den Psalmen) wie Koran betonen in litaneihafter Wiederholung, dass die Schöpfung das tausendfach zu lesende Zeichen-Werk des all-einen Gottes ist, dass die Schöpfung mit allen Tieren und Gewächsen ein permanentes Lob Gottes sind. Gott ist im koranischen Denken das „batin“ – das „Innen“; das „zahir“, das „Aussen“ ist die Schöpfung. Ohne die Schöpfung wäre Gott nicht als Sinnliches erkennbar und träte für den Menschen nur schwerlich in Erscheinung. „Ich war ein verborgener Schatz und wollte erkannt werden; darum erschuf ich die Schöpfung um durch sie erkannt zu werden“, - so lautet ein bekanntes ausserkoranisches Wort Allahs. Die Schöpfung ist der Spiegel, in dem sich Gott selber erblickt und er sich den Menschen zu zeigen vermag.
Mögen wir also in Frieden mit der Schöpfung – und damit mit Mensch und Gott – umgehen!

Uraufführung:  10.07.2011, Rathausplatz Augsburg / Open Air

Uraufführung Interpreten:  Sopran-, Alt-, Tenor-, Bass-Solo, Philharmonischer Chor (und weitere 6 Augsburger Chöre), Philharmonisches Orchester Augsburg, Ltg.: GMD Dirk Kaftan, Auftragswerk der Stadt Augsburg zum Friedensfest 2011

 in der Besetzung zu Beethovens IX. Sinfonie, die ebenfalls aufgeführt werden wird).

Uraufführung Presseberichte: Die Augsburger Zeitung vom 13.7.2011 (Frank Hendl)

1 Philharmonisches Orchester, 2 Bands, 4 Solisten, 370 Chorsänger und -sängerinnen, 450 Musiker insgesamt – der Schlussabend von „City of Peace“ war ein Mammutkonzert.
Das Hauptwerk des Abends, auf das all diese Musiken hingeführt hatten, war schließlich die von Enjott Schneider als Auftragswerk ausgeführte „Salaam Friedens-Sinfonie“. Schneider hatte nicht nur spirituelle Schriften aus aller Herren Länder von der Kabbala über die Genesis und den Koran bis zum iranischen Dichter Rumi, dem Türken Nazim Hikmet und anderen verarbeitet, sondern auch Stile und Rhythmen aus den Musiken dieser Länder zur Vertonung benutzt. Nun intonierte der 370stimmige Chor östliche Töne, ertönten aus Augsburger Kehlen Koransuren und Bibelverse. Das war noch einmal pathetisch, zumal der Komponist seine Erfahrung als Filmkomponist deutlich hörbar machte und die Möglichkeiten des großen Orchesters noch einmal „beethovenmäßig“ ausreizte, und ging doch auch ans Herz. Noch fast sechs Monate bis Weihnachten, und man durfte auch mal mitten im Sommer gerührt sein und fühlen, wie erstrebenswert eine friedliche Welt wäre.
Muss man Pathos geißeln? Muss man nicht. Es wäre ja so schön, wenn wir alle Brüder – und „brider“ – wären, werden könnten. Man darf das, man muss das sagen, immer und immer wieder und gerne mit allen verfügbaren Gefühlswallungen.... Von dem türkischen Dichter Nazim Hikmet stammten die deutlichsten Sätze in Schneiders Libretto: „Schafft die Knechtschaft ab des Menschen durch den Menschen!“, fordert der ganz brechtisch und formuliert die Sehnsucht nach „Leben, einzeln und frei wie ein Baum und brüderlich wie der Wald.“ Da klingt eine Leidenschaft an….

AUGSBURGER ALLGEMEINE vom 12.7.2011 (Stefan Dosch) ...den urbayrischen "Wolfi-Landler" in einem hübschen Arrangement schickten das Orchester und zwei Hackbrett-Spieler (Komalé Akakpo, Birgit Stolzenburg de Biasio) hinauf in den Abendhimmel. Nicht nur die Bearbeitung dieser Volksweise, auch die Komposition des Hauptstücks der Finalveranstaltung lag in den Händen von Enjott Schneider. "Salaam", die FRIEDENSINFONIE des Münchner Musikhochschul-Professors, ist ein Werk voll bester Absichten. Mit eklektizistischem Fleiß hat Schneider für dieses Auftragswerk unterschiedlichster Texte aus dem westlichen wie dem östlichen Kulturkreis zusammengestellt und in vier Sätzen vertont, bezeichnenderweise für dieselbe Besetzung wie Beethovens Neunte. Dass Schneider sich gerade auch auf Filmmusik versteht (u.a. "Schlafes Bruder"), das hört man seiner "Salaam"-Partitur an. Süffigen Klang scheut sie ebenso wenig wie einprägsame rhythmische Floskeln, und wirkungsmächtige harmonische Wendungen kulminieren in Klangballungen, die unverhohlen auf Überwältigung zielen. Am Ende geht Schneider noch über Schiller-Beethoven hinaus, nimmt stellvertretend für die gesamte Schöpfung die Fauna brüderlich in den Arm und lässt Soli und Chor mit den Worten des Fürsten Pückler flehen: "Wir sehnen uns so sehr nach der Freiheit der Bäume!"