Kategorie:  Chor / Vokal , Orgel / Sacred Music

Sätze: Nr. 1 INTIMUS CORDI EST DEUS
(Prolog für Soli, Chor und Orchester)

Nr. 2 KARTHAGO
(Narratio für Tenor und Bariton)

Nr. 3 DEMUT
(Chor a capella)

Nr. 4 ADEODATUS
(Narratio für Tenor und Bariton)

Nr. 5 GRANDE PROFUNDUM
(Chor und Orchester)

Nr. 6 FLUCHT NACH ROM
(Narratio für Sopran, Tenor und Bariton)

Nr. 7 STERBEN UND LEBEN
(Sopran, Tenor, Bariton, Chor und Instrumente)
Nr. 8 AMBROSIUS
(Narratio für Tenor, Bariton, Chor und Instrumente)

Nr. 9 IRDISCHER BESITZ
(Arioso für Sopran und Orchester)

Nr. 10 DIE BEKEHRUNG
(Narratio für Sopran, Tenor, Bariton und Orchester)

Nr. 11 HERR, DU BIST GROSS
(Arioso für Sopran, Chor und Orchester)

Nr. 12 DIE TAUFE
(Tenor und Orchester)

Nr. 13 OSTERN
(Choral, Tutti mit Gemeinde ad libitum)

Nr.14 Tod des Augustinus
(Narratio für Sopran, Tenor, Bariton und Orchester)

Nr. 15 INTIMUS CORDI EST DEUS und AMEN
(Epilog für Soli, Chor und Orchester)

Dauer: 48

Notenausgabe: Strubeverlag GmbH München , VS 6579 Partitur, Klavierauszug, Orchesterstimmen , 2009

Besetzung: Besetzung:
Sopran-, Tenor-, Baritonsolo
Gemischter Chor (S/A/T/B)
2 Flöten
1 Oboe
1 Klarinette (Bassklarinette) B
1 Fagott
3 Hörner F
Basstuba
Schlagzeug (ein Spieler)
Harfe
Cembalo
Mittelgroßes Streichorchester ( Vl1/Vl2/Vla1/Vla2/Vc/Kb)

Textdichter: Texte des Hlg. Augustinus (lat./deutsch) zusammengestellt von Enjott Schneider

Anmerkungen: DER TEXT:

Nr. 1 INTIMUS CORDI EST DEUS (Prolog für Soli, Chor und Orchester)
Chor: Noli foras ire, in te ipsum redi, in interio homine habitat veritas / Gehe nicht nach außen, kehre in dich selbst zurück, im Innern des Menschen wohnt die Wahrheit (De vera religione/Von der wahren Religion 39.72)
Soli: Noverim me, noverim te / Mich erkennen heißt dich erkennen! (Soliloquia/Selbstgespräche über Gott, II.1.1)

Nr. 2 KARTHAGO (Narratio für Tenor und Bariton)
Tenor: Mit siebzehn Jahren begann Augustinus voller Ehrgeiz sein Studium der Rhetorik in Karthago, Hauptstadt der Provinz Africa, zweitgrößte Stadt des römischen Reiches.
Bariton: In Karthago ist abstoßende Ausgelassenheit der Schüler das Übliche: wie eine Horde Rasender bringen sie die Ordnung durcheinander; mit unbegreiflicher Roheit treiben sie Frevel über Frevel, - Dinge, die vor Gesetzen strafbar wären, wenn nicht die Gewohnheit ihr schützender Anwalt wäre.
Tenor: Augustinus aus dem bäuerlichen Osten Algeriens kommend, entdeckt das freie Studentenleben, blühendes Theater, Tanz, Literatur und Dichterwettstreite.
Bariton: Schon bald galt ich etwas in der Rhetorenschule, freute mich hochmütig und war aufgebläht vor Eitelkeit.

Nr. 3 DEMUT (Chor a capella)
Humilitas maxima est disciplina christiana, humilitate enim conservatur caritas, nam nihil eam citius violat quam superbia / Demut ist die größte christliche Disziplin, denn durch sie wird die Liebe bewahrt, die nichts schneller verletzt als Stolz (Auslegung des Briefes an die Galatheer 15)

Nr. 4 ADEODATUS (Narratio für Tenor und Bariton)
Tenor: In Karthago fand Augustus die Liebe einer Dienstbotin, mit der er vierzehn Jahre im Konkubinat lebte, bis er seiner Mutter zuliebe sich von ihr trennte. Die namenlose Geliebte gebar dem achtzehnjährigen Augustus einen Sohn, den er Adeodatus: ?von Gott gegeben? nannte. Später wird Augustinus diese Jahre ? ungerecht zum eigenen Tun ? als Haltlosigkeit und Ausschweifung bezeichnen.
Bariton: Gierig wollte ich, ein Jüngling, einst mich sättigen an dem, was drunten ist. In meinen lichtscheuen Neigungen wagte ich, ins Holz zu schießen wie eine unbeschnittene Rebe (Confessiones/Bekenntnisse II,1).

Nr. 5 GRANDE PROFUNDUM (Chor und Orchester)
Ein abgrundtiefes Geheimnis ist der Mensch (Confessiones/Bekenntnisse IV,22)

Nr. 6 FLUCHT NACH ROM (Narratio für Sopran, Tenor und Bariton)
Tenor: Zerrissen und uneins mit sich selbst findet Augustinus den Dialog ?Hortensius? des Philosophen Cicero.
Bariton: Dieses Buch veränderte meinen Sinn. Eitle Erwartung war mir plötzlich ohne Wert. Mit unglaublicher Inbrunst begehrte ich nach der unsterblichen Weisheit.
Tenor: Doch Augustinus fand die Weisheit nirgends. Auch die Bibel blieb ihm fremd. Als ihn Mutter Monnica zu sehr mit dem christlichen Weg bedrängte, beschloss er die heimliche Schiffsreise nach Rom. Er gab ihr eine falsche Abfahrtszeit an.
Bariton: So belog ich meine Mutter und brachte sie in die Cyprian-Kapelle... in dieser Nacht fuhr ich heimlich davon.
Sopran: Mein Sohn, mein Sohn. Ai, ai!
Bariton: Der Wind blies, schwellte die Segel, entzog unseren Blicken die Küste, wo am Morgen die Mutter wahnsinnig vor Schmerz schrie und klagte.

Nr. 7 STERBEN UND LEBEN (Sopran, Tenor, Bariton, Chor und Instrumente)
Gott, von dir sich entfernen heißt fallen (Bariton)
Zu dir zurückkehren heiß,t sich zu erheben (Sopran)
In dir bleiben heißt auf sicherem Grund stehen. (Tenor)

(Chor): Von dir weggehen heißt sterben,
zu dir zurückkehren heißt auferstehen,
in dir sein heißt leben. (Sololoquia/Selbstgespräche I,3)

Nr. 8 AMBROSIUS (Narratio für Tenor, Bariton, Chor und Instrumente)
Tenor: In Rom zu Ehren gekommen wurde Augustinus dreissigjährig als Rhetorikprofessor nach Mailand gesandt, der Residenz des weströmischen Reiches.
Chor: (singt einen ambrosianischen Hymnus als Klanghintergrund) Aeterne rerum conditur / noctem diemque qui regis / et temporum das tempora / ut alleves fastitidum.
Praeco diei iam sonat / noctis profundae pervigil / nocturna lux viantibus / a nocte noctem segregans.
Tenor: Der heilige Ambrosius, Bischof von Mailand, zog ihn zunehmend in seinen Bann.
Dabei interessierte sich Augustinus zunächst nur für die vielgepriesene Rhetorik des Ambrosius.
Bariton: Entspricht sie wohl seinem Ruf? Ich freute mich an der Anmut seiner Sprache...doch drang zusammen mit den Worten, die ich gern hatte, auch der Inhalt in meine Seele. Ich konnte beides nicht mehr auseinanderhalten!
Tenor: Von Ambrosius beeindruckt, wurde Augustinus aufgewühlt und zerrissen.
Bariton: So war ich krank und quälte mich. Ich wand und wälzte mich in meiner Fessel. Da sprach ich in meines Herzens Grunde: Bald, bald wird es geschehen! Je näher der Zeitpunkt trat, wo ich ein anderer werden sollte, desto größerer Schauder füllte mich. Doch warf er mich weder zurück, noch lenkte er mich ab. Nichtigkeit und Eitelkeit, meine alten Freundinnen, hielten mich zurück, zerrten mich am Mantel meines Fleisches und flüsterten mir zu: Was, du willst uns verlassen?
(Confessiones/Bekenntnisse VIII.11)

Nr. 9 IRDISCHER BESITZ (Arioso für Sopran und Orchester)
Du willst das Irdische besitzen? Gib Acht, dass du nicht von ihm besessen wirst (Predigt 53,2)

Nr. 10 DIE BEKEHRUNG (Narratio für Sopran, Tenor, Bariton und Orchester)
Tenor: Von Simplicianus, dem Beichtvater des Ambrosius vielfach motiviert, brach in Augustinus ein gewaltiger Gewittersturm aus:
Bariton: Ich knirschte im Geist, voll wilder Empörung darüber tobend, dass ich Bund und Vertrag mit dir, mein Gott, nicht einging.
Tenor: Als müsste er die Qualen seines Irrglaubens vom doppelten Willen durchleiden, schrie er unter Tränen:
Bariton: Wie lange, Herr, wirst du zürnen? Wie lange? Wie lange? Morgen und immer wieder morgen? Warum nicht jetzt? Weshalb setzt nicht diese Stunde meiner Schande ein Ende?
(Confessiones/Bekenntnisse VIII.12)
Tenor: Am 15. August des Jahres 386 wurde Augustinus zum Christentum bekehrt.
Bariton: Unter einem Feigenbaum warf ich mich nieder. Ich ließ meinen Tränen freien Lauf. Und siehe, da hörte ich eine Stimme singen:
Sopran: Nimm und lies! Nimm und lies!
Bariton: ...ein Knabe oder Mädchen war es: Nimm und lies! ...ob vielleicht Kinder in irgendeinem Spiele solche Worte zu singen pflegen?
Sopran: Nimm und lies! Nimm und lies!
Bariton: Ein göttlicher Befehl hieß mir die heilige Schrift zu öffnen, dass ich das erste Kapitel, auf das mein Auge fallen würde, lesen sollte....Ich ergriff das Buch, öffnete es und las still für mich den Abschnitt des Apostel Paulus, der mir zuerst in die Augen fiel:
Tutti: (in klanggewaltiger Diktion): Nicht in Fressen und Saufen, nicht in Kammern und Unzucht, nicht in Hader und Neid, sondern ziehet an den Herrn Jesus Christus und lasst euch bei der Sorge um den Leib nicht durch Lüste beherrschen! (Paulus Brief an die Römer 13, 13.14)
Bariton: Beim Schluß dieses Satzes kam das Licht des Friedens über mein Herz und die Nacht des Zweifels entwich.
Tenor: Mit seinem Freund Alypius ging Augustinus zur Mutter Monnica und erzählte was geschehen war.
Bariton: Sie jubelte, sie triumphierte und sie pries dich, dass ihr von dir weit mehr gewährt worden war, als sie in ihrem Jammer zu bitten wagte. (Confessiones/Bekenntnisse VIII.12)

Nr. 11 (Arioso für Sopran, Chor und Orchester)
Sopran: Herr, Du bist groß und hoch zu loben. Groß ist Deine Macht und Deine Weisheit ohne Ende. Und Dich zu loben wagt der Mensch, ein winziger Teil der Schöpfung? Du selber wirktest es so, dass Dich zu loben uns erfüllt. Denn Du hast uns auf Dich hin erschaffen, und unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in Dir.
Chor: ...und unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in Dir
..inquietum est cor nostrum donec requiescat in te.
(Confessiones/Bekenntnisse I,1)

Nr. 12 DIE TAUFE (Tenor und Orchester)
Tenor: In der Osternacht vom 24. zum 25. April des Jahres 387 wurde Augustinus mit seinem Sohn Adeodatus und seinem Freund Alypius von Bischof Ambrosius in Mailand getauft.

Nr. 13 OSTERN (Choral, Tutti mit Gemeinde ad libitum)
Christ ist erstanden....

Nr.14 Tod des Augustinus (Narratio für Sopran, Tenor, Bariton und Orchester)
Tenor: In seiner Heimat wurde Augustinus zum Priester, vier Jahre später zum Bischof geweiht. Dieses Amt führte er über 30 Jahre.
Nachdem seine Bischofstadt schon drei Monate von den Vandalen belagert war, erschöpften sich die Kräfte des Augustinus. In großen Buchstaben ließ er sich die Bußpsalmen an die Wand heften...
Sopran und Bariton: De profundis clamavi ad te Domine. Domine exaudi vocem meam fiant aures tuae intendentes ad vocem deprecationis meae / Aus der Tiefe rufe ich zu Dir o Herr. Herr, höre meine Stimme, vernimm mit deinen Ohren die Stimme meiner Bitten (Psalm 129)
Tenor: Am 28. August 430 ist Augustinus in seinem 77. Lebensjahr gestorben.

Nr. 15 INTIMUS CORDI EST DEUS (Epilog für Soli, Chor und Orchester)
Chor: Noli foras ire, in te ipsum redi, in interio homine habitat veritas / Gehe nicht nach außen, kehre in dich selbst zurück, im Innern des Menschen wohnt die Wahrheit (De vera religione/Von der wahren Religion 39.72)
Soli: Noverim me, noverim te / Mich erkennen heißt dich erkennen! (Soliloquia/Selbstgespräche über Gott, II.1.1). Tutti: Amen! Amen!

Uraufführung:  11.03.2010, St. Augustinus Ingolstadt

Uraufführung Interpreten: Ltg.: Franz Hauk mit Bernhard Gärtner (Tenor/Evangelist), Robert Maiwald u.a. Georgisches Kammerorchester