Kategorie:  Chor / Vokal , Orgel / Sacred Music , Recordings

CANTICO DELLE CREATURE von Franz von Assisi im 13. Jahrhundert gedichtet ist ein Gebet und Dank für die Schöpfung, aber auch ein frühes Zeugnis der Weltliteratur und (in umbrischer Lokalsprache verfasst) auch der Beginn der italienischen Dichtung. Doppelchörig für acht Stimmen komponiert. Der SONNENGESANG wurde in deutscher Sprache als Auftragswerk für die REGENSBURGER DOMSPATZEN komponiert.

Dauer: 8-9 Minuten

Notenausgabe: Schott Music , C 52850 , 2008

Besetzung: zwei Chöre (doppelchörig) jeweils S / A / T / B
mit den Stimmumfängen:
Sopran: c1 - g2
Alt: g - d2
Tenor: c - g1
Bass: E - c1

Textdichter: Franz von Assisi (1181-1226), dt. von Leonhard Lehmann OFM cap

Vorwort: Franz von Assisi (um 1181 - 1226) war der poetischste aller Heiligen, ein ekstatischer Troubadour Gottes. Seinen Sonnengesang "Il cantico di frate sole" schrieb er im Winter 12224/1225 in altitalienischer (umbrischer) Sprache, als er sterbenskrank in seiner Hütte in San Damiano lag. Später kam noch die sogenannte Friedensstrophe dazu (um einen Streit zwischen Bischof und Bürgermeister von Assisi zu schlichten), kurz vor seinem Tod noch die Strophe über "Schwester Tod" ("sora nostra Morte corporale").
Der Sonnengesang gehört aufgrund seiner dichterischen Gestalt und seiner Bedeutung zur Weltliteratur und hat den Beginn der italienischen Dichtkunst maßgeblich beeinflusst. Er hat in Hunderten von Jahren viele Menschen inspiriert und stellte auch für Gläubige anderer Kulturen eine wichtige Brücke zum Christentum dar. Pater L. Lehmann: "Das Gebet ist aber nicht nur eine Hymne auf Gottes gute Schöpfung, sondern fordert uns auch heraus in unserem Verhalten zur Welt und zur Annahme von Krankheit und Sterben. Die 33 Zeilen des Originals gliedern sich klar in zehn Strophen: in eine Einleitungs und Schlussstrophe mit acht Zwischengliedern, die durch den Kehrvers "Gelobt seist du, mein Herr" gekennzeichnet sind. Diese Anrede hebt "das Wiegenlied der italienischen Sprache? eindeutig über eine bloße Naturmystik hinaus und macht es zum Vertreter christlicher Schöpfungsmystik".
Die Vertonung des Sonnengesangs versucht mit einem einprägsamen Kehrvers, der jedoch in eine artifizielle Umgebung eingebunden ist, die Volkstümlichkeit des Originals einzufangen. Auf avantgardistische Chortechniken der neueren Musik war deshalb kategorisch zu verzichten (obwohl Flüstern oder Clusterakkorde bisweilen vorkommen).
Inspiration war vielmehr die Klanglichkeit altitalienischer Gesänge (wie sie heute noch in Sardinien und Korsika zu hören sind) mit ihren langen Bordunen, Liegeakkorden und Parallelführungen.

Widmung: Roland Büchner und den Regensburger Domspatzen herzlich gewidmet

Anmerkungen: TEXT DES SONNENGESANGS
deutsch von Leonhard Lehmann OFM cap (mit freundlicher Genehmigung des Autors) in: L. Lehmann (Hg.) 'Das Erbe eines Armen. Franziskus-Schriften',
2003 Verlagsgemeinschaft Topos Plus, Kevelaer

Altissimo, onnipotente, bon Signore,
tue so le laude, la gloria
e l'onnore e onne benedizione

Höchster, allmächtiger, guter Herr,
dein sind der Lobpreis, die Herrlichkeit und die Ehre
und jeglicher Segen.
Dir allein, Höchster, gebühren sie,
und kein Mensch ist würdig, dich zu nennen.

Gelobt seist du, mein Herr,
mit allen deinen Geschöpfen,
zumal dem Herrn Bruder Sonne,
er ist der Tag, und du spendest uns Licht durch ihn.
Und schön ist er und strahlend in großem Glanz,
dein Sinnbild, o Höchster.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch Schwester Mond und die Sterne;
am Himmel hast du sie gebildet,
hell leuchtend, kostbar und schön.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch Bruder Wind und durch Luft und Wolken
und heiteres und jegliches Wetter.
Durch das du deinen Geschöpfen Unterhalt gibst.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch Bruder Feuer,
durch das du uns die Nacht erleuchtest;
und schön ist es und liebenswürdig
und kraftvoll und stark.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch Schwester Wasser,
gar nützlich ist es und demütig
und kostbar und keusch.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch unsere Schwester, Mutter Erde,
die uns ernährt und lenkt
und vielfältige Früchte vorbringt
und bunte Blumen und Kräuter.




Gelobt seist du, mein Herr,
durch jene, die verzeihen um deiner Liebe willen
und Krankheit ertragen und Drangsal.
Selig sind jene, die solches ertragen in Frieden,
denn von dir, Höchster, werden sie gekrönt werden.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch unsere Schwester, den leiblichen Tod;
ihm kann kein Mensch lebend entrinnen.
Wehe jenen, die in schwerer Sünde sterben.
Selig sind jene, die sich in deinem heiligsten Willen finden,
denn der zweite Tod wird ihnen kein Leid antun.

Lobt und preist meinen Herrn
und sagt ihm Dank und dient ihm mit großer Demut.


Die Vertonung des Sonnengesangs erfolgte auf Anregung von Roland Büchner in deutscher Sprache. Um die "uralte" Aura des Originals zu beschwören, werden ihn der Einleitung mit Flüsterstimmen einige Worte des Altitalienischen zitiert.
Die deutsche Übersetzung von Leonhard Lehmann faszinierte mich besonders, weil sie sehr nahe am Original bleibt, dennoch sehr poetisch ist und - vor allem - die Geschlechtszuordnungen des Altitalienischen belässt: da wird nicht, wie in den meisten deutschen Übersetzungen) aus "Bruder Sonne" eine Frau gemacht, und "Schwester Mond" oder "Schwester Tod" zu einem Mann umgeformt, sondern das Flair des Romanischen (mit il sole und la luna) beibehalten.

Uraufführung:  03.06.2008, Abteikirche Imkamana Südafrika

Uraufführung Interpreten: Regensburger Domspatzen, Ltg.: Roland Büchner

Deutsche Erstaufführung: Regensburger Dom am 25.7.2008 mit den Regensburger Domspatzen, Ltg.: Roland Büchner

Uraufführung Presseberichte: Schreiben von Dr. Gerhard Ludwig Müller, Bischof von Regensburg vom 29.8.2008: Ihr 'Sonnengesang' ist das Erfahren einer Gottesbeziehung. Man spürte, wie Ihre Tonsprache die aufmerksame Zuhörerschar und die jungen Sänger hineinzog in das Leben, Denken und Glauben von Franz von Assisi'.

Bereicht von der deutschen Zweitaufführung am 26.7.2008 b ei den Burghofspielen Eltville:
'Das achtstimmige Chorwerk erweist sich als eine ansprechende Vertonung des alten Textes mit deutlich zeitgenössischen Einfärbungen, ohne jedoch in avantgardistischer Phrasendrescherei zu veröden. Im Gegenteil: Durch die Kombination aus altitalienischen Gesängen, Flüsterpassagen und behutsam eingefgügten Clustern ist ein äußerst zuhörerfreuindliches und dennoch herausforderndes Stück entstanden. Die Regensburger Domspatzen interpretierten ihr Stück mit großem Engagement und klanglicher Strahlkraft.'
(Daniel Honsack/Wiesbadener Kurier)

Schwäbische Zeitung vom 14.10.2008 über das Konzert der Regensburger Domspatzen Basilika Weingarten am 12.10.: FRANZ VON ASSISIS 'SONNENGESANG' IST EIN HOCHGENUSS...fesselte mit einem Tonspektrum, das mit dem Flüstern altitalienischer Worte einsetzte und sich auffächerte in Assonanzen, für deren Zusammenhalt der rhythmisch wiederkehrende, swich zu einer betörenden Eindringlichkeit hochschaukelnde Vers 'Gelobet seist du, mein Herr' steht. (Babette Caesar).
Nürnberger Nachrichten vom 13.10.2008 GEHAUCHTER SONNENGESANG...Wie ein Palimpsest blitz die schwer zu übersetzende Originalsprache durch. Dass sämtliche Lobpreisungen der natürlichen Phänomene in ihrem Erschaffer wurzeln, verdeutlicht Schneider, indem er jeden Vers auf dem lang durchgezogenen 'Herrn' als Orgelpunkt einer jeden Strophe aufbaut. Um das durchzuhalten, brauchen die reiferen Sänger unten den Domspatzen einen langen, langen Atem' (Reinhard Kalb)

Tonträger:  ambiente audio ACD-3034 in der Reihe Sacred Music serie Vol.13,  2015

Tonträger Interpreten: Es gibt zwei CDs: im Dezember 2015 erschien bei Ambiente audio die CD LAUDATO SI' - MUSIK AUS REGENSBURG mit dem "Sonnengesang" der Regensburger Domspatzen, Ltg.: Roland Büchner. Eine frühere CD mit den Regensburger Domspatzen gibt es auf der gleichnamigen CD SONNENGESANG
(eingesungen am 24.7.2008 Regensburg)
Die gleichnamige CD SONNENGESANG enthält ausserdem Chorwerke von Orlando di Lasso, Maurice Duruflé, Felix Mendelssohn, Johann Eccard u.a.