Kategorie:  Chor / Vokal , Orgel / Sacred Music , Symphonie / Orchester

Sätze: 1: Am Rheinfall
2: Von Burgen, Wein und Klöstern
3: Die Loreley
4: Im Rhein am schönen Strome

Dauer: 35 Minuten

Notenausgabe: Schott Music , 2013

Besetzung:  Flöten (3. auch Piccolo)
2 Oboen (2. auch Englischhorn)
2 Klarinetten in B (2. auch Baßklarinette)
2 Fagotte (2. auch Kontrafagott)
4 Hörner in F
3 Trompeten in B
3 Posaunen T/T/B
Tuba
Timpani
3 Schlagzeuger
1: Große Trommel, TamTam, Peitsche, Triangel, Metal-Chimes
2: kleine Trommel TamTam (gemeinsam mit 1), Glockenspiel, Gegenschlagbecken, Ratsche, Hängendes Becken
3: 3 hängende Becken, TomToms, Röhrenglocken, Glockenspiel (gemeinsam mit 2)
Harfe
1 Keyboard (Konzertsaal-Orgel) für Bass-Unterstützung

Textdichter: Martialis, Plutarch, Heinrich Heine, Rosa Maria Assing, J.W. von Goethe, Hildegard von Bingen, Trinksprüche

Vorwort: VORWORT DES KOMPONISTEN

Als ein in Weil am Rhein geborener und aufgewachsener Mensch ist mir der „Rhein“ ein Gefährte, Zentrum, Heimat- und Lebenssymbol, dem ich schon immer ein musikalisches Denkmal setzen wollte. Mit seiner Länge von 1238 Kilometern von den Schweizer Alpen bis zur Mündung in die Nordsee bei Holland besitzt er ein neun Staaten umfassendes Einzugsgebiet und ist der große – in Mythen und Liedern besungene – Fluss Mitteleuropas. Deutschland als das hauptsächliche Einzugsgebiet des Rheins hat sich durch Jahrhunderte mit diesem Fluss identifiziert. Die vor allem im Mittelrhein verortete „Rheinromantik“ gilt als Symbol des deutschen Wesens und hat Scharen von Dichtern, bildenden Künstlern und Besucher aus aller Welt fasziniert.
In vier Sätzen werden Stimmungen dieses sagenumwobenen und (seit antiken Römerzeiten) geschichtsträchtigen Flusses thematisiert, wobei ein leitmotivisches „Rhein“-Thema „Rhenus Pater“ mit charakteristischem Oktav-, Septim- und Sextsprung einen musikalischen Rahmen gibt.
1) Der kraftvolle Eröffnungssatz AM RHEINFALL nimmt sogleich die Energie auf, mit der der sich der Fluss als tosender Wasserfall in Richtung Deutschland ergießt. Texte von Tacitus, Plutarch, Martialis erinnern an die Urgeschichte und provozieren eine archaische Musik, die dann in einen virtuosen Orchesterstil übergeht. Nach dem Brausen und Schäumen des Wasserfalles werden mit einer pathetischen Evocation „Pater Rhenus“ als Anrufung sowie einer leisen Chorpassage nach einem Text von Heinrich Heine ein extremer Kontrast an Stimmungen geschaffen.
2) VON BURGEN, WEIN UND KLÖSTERN ist ein großangelegtes Rondo (mit Wassermotiven und Violinsolo als Hauptthema), das in seinen drei Teilen Charakteristika rheinischen Lebens vorführt: die Welt der Burgen, Ritter (nach einem Text der rheinischen Dichterin Rosa Maria Assing 1783-1840), die Welt des Weines und der Trinkfreude (nach einem Goethe-Gedicht und einem Trinkspruch eines bei Köln gefundenen antiken Trinkglases), sowie die Welt der Klöster (nach einem lateinischen Text der Hildegard von Bingen 1098-1179).
3) DIE LORELEY zitiert zwar zu Beginn und am Ende die bekannte Zeltersche Melodie nach H. Heines berühmtem Loreley-Gedicht, jedoch intonieren Solosopran und Chor weniger bekannte Verse von Rosa Maria Assing: in diesen wird in ebenso eindrucksvoller Weise von Nixen und gefährlichen Begebenheiten erzählt, - Kernstück der deutschen Rheinromantik. Eine Musik zwischen balladeskem Erzählstil und elfenhafter Fantasy-Musik.
4) Das Finale IM RHEIN AM SCHÖNEN STROME stellt Heinrich Heines Verse in den Mittelpunkt, die gänzlich vom Chor gesungen werden. Die beiden Stimmungskontraste – der mächtige Strom und der mächtige Dome als Gegenpart der engelumflorten Maria und der Geliebten – werden zunächst in einem selbständigen sinfonischen Bild vorgeführt. Vitalität und Lebensübermut, dann die wilde Kraft des großen Flusses, gefolgt von der melancholischen Zartheit eines zweiten Themenkomplexes sind Vorspiel zu einer großdimensionierten H.Heine-Vertonung, die mit der Evocatio RHENUS PATER aus dem ersten Satz dann ihre Überhöhung und einen fulkminanten Schluß findet.



LIBRETTO:
Textzusammenstellung: Sabine Skudlik

1:
Prolog - Chor: Germania omnis a Gallis Raetisque et Pannonis Rheno et Danubio fluminibus separatur. (Germanien als Ganzes ist von Gallien, Rätien und Pannonien durch die Flüsse Rhein und Donau geschieden)
Rhenus Raeticarum Alpium inaccesso ac praecipiti vertice ortus modico flexu in occidentem versus septentrionali Oceano miscetur. (Der Rhein entspringt auf schroffem unzugänglichem Kamm der rätischen Alpen, macht eine mäßige Kehre nach Westen und fliesst in den nördlichen Ozean). Tacitus
In der Ruhe nach dem Wasserfall - Chor: Heilige Frauen am Rhein hörten im Tosen des Wassers die Zukunft, und sahen in den Wirbeln des Flusses die Zeichen der Prophezeiung! (griechische Original bei Plutarch, „Caesar“, Kapitel 19, Satz 8).
Evocatio - Chor: RHENUS PATER – RHENUS PATER, Nympharum pater amniumque, Rhene (Vater Rhein, Vater Rhein. Vater der Nymphen und Flussgötter; Epigrammaton liber X, Nr. VII des Marcus Valerius Martialis 40-103).
Sei mir gegrüßt, du Vater Rhein, / wie ist es dir ergangen? / Ich habe oft an dicht gedacht, / mit Sehnsucht und Verlangen. (Heinrich Heine 1797-1856)

2:
Burgen - Solosopran und Chor:
Finster blicken jene öden Mauern / Drin ein wilder Ritter einst gehaust; /
In den Räumen, die mit Regenschauern / Nun der Wind so ungestört umsaust, /
Saß der Räuber, sicher wie der Aar / Auf dem Fels, mit seiner wilden Schar.

Aus dem Hinterhalt zu überfallen / Wüßt’ er schlau den reichen Handelsmann; /
Edle Jungfrau’n, die ihm baß gefallen, / Schleppt er mit dem Raub den Berg hinan; /
Niemand konnte sicher sein auf dem Rhein, / Auf den Strassen, in der Hütte seyn.
(Rosa Maria Assing, 1783-1840)
Auf den Wein – Chor: Trinke – Lebe – Schön – Auf immer! (griechischer Trinkspruch auf einem römischen Trinkglas ca. 330-340 n.Chr.), 1960 bei archäologischen Ausgrabungen in Köln-Braunsfeld gefunden.
Trunken müssen wir alle sein ! / Jugend bedeutet Trunkenheit ohne Wein. / Trinkt sich das Alter wieder zu Jugend, / so ist es wundervolle Tugend. / Für Sorgen sorgt das liebe Leben, / und Sorgenbrecher sind die Reben (Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832)

Klöster – Solosopran und Chor: „Die Augen sind die Fenster der Seele“ sowie die Antiphon: Caritas abundat in omnia, 
de imis excellentissima 
super sidera,
atque amantissima in omnia, 
quia summo Regi 
osculum pacis dedit.
(Die Liebe überflutet alles, 
von den tiefsten Tiefen 
bis über die höchsten Sterne hinaus,
sie ist liebend zugetan allem,
da dem König, dem höchsten,
sie den Friedenskuss gab; Hildegard von Bingen 1098-1179)
3:
Loreley – Solosopran und Chor:
Wir fuhren dem Strudel vorüber /Bei Bingen im wiegenden Kahn, /
Er schwankt auf den Wellen und fester / Schmiegt’ ich dem Geliebten mich an.

Ich blickte voll Schauer zur Stelle, /Wo einst jene Jungfrau entschwand, /
Die kühn mit den kräftigen Armen / Der Rhein in den Fluten umwand.

Und weiter wir fuhren und dunkler / uns nächtliche Dämmrung umgab; /
Unförmlich, wie Riesengestalten, / Sahn düster die Felsen herab.

„Was regt denn dort sich am Ufer, / Wie tanzend im neblichten Flor? /
Was treffen für seltsame Klänge / so zaubrisch befangend mein Ohr?“

„Sey ruhig, es singen die Nixen, / Und tanzen den fröhlichen Reihn; /
Hoch oben herab von dem Felsen / Stimmt leis die Lurley mit ein“. –

„O weh mir! Die Nixen verlocken / Die Männer durch Tanz und Gesang, /
Es will dich die Lurley gewinnen, / Drum macht mir ihr Singen so bang.

Sie wollen dich laden zum Tanze, / Dich ziehn in’s kristallne Gezelt, - /
Es rauschet, es hebt sich die Welle, / Am Fels unser Schiffchen zerschellt.

Ich Arme! Dann liegtr meine leiche / Frühmorgens am Ufer im Sand, - / Dir reichet die schönste der Nixen / Im Wasserpalaste die Hand!“

„O halte mich fest nur umschlossen, / Und bleibe nur treu du und wahr! /
Dann Liebchen, dann bringen die Nixen / Der Lurley uns keine Gefahr.
(Rosa Maria Assing, 1783-1840)


4.
Köln – Chor:
Im Rhein, im schönen Strome,
Da spiegelt sich in den Welln,
Mit seinem großen Dome,
Das große, heilige Köln.
Im Dom da steht ein Bildnis,
Auf goldenem Leder gemalt;
In meines Lebens Wildnis
Hat's freundlich hineingestrahlt.
Es schweben Blumen und Englein
Um unsre liebe Frau;
Die Augen, die Lippen, die Wänglein,
Die gleichen der Liebsten genau.
(Heinrich Heine 1797-1856)

Chor: RHENUS PATER – RHENUS PATER, Nympharum pater amniumque, Rhene (Vater Rhein, Vater Rhein. Vater der Nymphen und Flussgötter; Epigrammaton liber X, Nr. VII des Marcus Valerius Martialis 40-103).
PATER RHENUS – RHENUS PATER




 







Widmung: Dem Uraufführungsdirigenten Heinz Walter Florin herzlich gewidmet

Uraufführung:  29.06.2013, Philharmonie Köln

Uraufführung Interpreten: Lisa Tjalve, Sopran
Bonner Operisten
Collegium Cantandi Bonn
Deutz-Chor Köln
Württembergische Philharmonie, Ltg.: Heinz Walter Florin

Uraufführung Presseberichte: Christoph Zimmermann schrieb im KÖLNER GENERALANZEIGER: "Mit einem gewaltigen Chorensemble vor Augen benutzte Enjott Schneider bei seiner Vokalsinfonie "Der Rhein" eine Besetzung, wie sie - mit Beethovens Neunter beginnend - bei Gustav Mahler "perfektioniert" wurde und Ausläufer unter anderem bei Ralph Vaughan Williams fand.... In dem Werk geht es nicht ganz so deskriptiv zu wie etwa in der "Alpensinfonie" von Strauss. Durch seine vielen Arbeiten für Film und Fernsehen ist Schneider allerdings stark auf Klangmalerei geprägt, freilich mit zeitgemäßer Ausdruckspalette. Sie wurde von der Württembergischen Philharmonie unter dem umsichtig und hellwach agierenden Dirigenten Heinz Walter Florin mit großer Verve realisiert. Für den Chor gab es harmonisch eine Reihe heikler Bewältigungsaufgaben, die imponierend gelöst wurden." - Der KÖLNER STADTANZEIGER notierte unter DAS LEUCHTEN DER LORELEY: "Schwer und dunkel wabert der Rhein. "Rhenus Pater" singt der Chor bedeutungsvoll, freitonal umhüllt das Orchester die mythologisch aufgeladenen Worte... DER RHEIN, die sechste Sinfonie des in Weil am Rhein geborenen Enjott Schneider, ist ein Werk, das mehr dem Strom des Unterbewussten folgt denn einer programmatischen Naturhuldigung.....Über allen dunklen Klangfarben, die die Württembergische Philharmonie auslegte, leuchtete die Stimme der Sopranistin Lisa Tjalve...Der Deutz-Chor, 120 Mann stark, überzeugte mit Sicherheit und Klangfülle. Er wurde unterstützt von den "Bonner Operisten" und dem Collegium Cantandi Bonn. Hein Walter Florin führte die große Schar sicher über alle Klippen und sorgte zu Beginn mit der Ouvertüre zu Bruchs Oper "Die Loreley" für ein erfreuliches orchestrales Klangerlebnis" (tz). - REUTLINGER GENERALANZEIGER VOM 3.7.2013: "Dabei kam es zur Uraufführung der 6. Sinfonie DER RHEIN von Enjott Schneider, die mit Standing Ovations in der gut gefüllten Kölner Philharmonie gefeiert wurde" (eg)
KÖLNER WOCHENSPIEGEL vom 12.7.2013
ES SCHÄUMTE UND ZISCHTE GEWALTIG
Deutz-Chor Köln präsentierte ein großartiges Konzertprogramm

Köln. Der Rhein "floss" sozusagen durch die Philharmonie, und die Loreley grüßte sagenhaft von ihrem Felsen. Der Deutz-Chor Köln wartete mit einem großartigen Konzert auf - künstlerisch auf höchstem Niveau und programmatisch von besonderem Interesse. 
Im Focus stand die Uraufführung der Sinfonie Nr. 6 für Sopran, Chor und Orchester von Enjott Schneider, bekannt als Komponist herausragender Filmmusiken sowie Orchester- und Orgelsinfonien. Dieses Auftragswerk des Deutz-Chores zeigte sich als eine wunderbare Hommage an "Vater Rhein". Eine Herausforderung für alle Mitwirkenden: den Deutz-Chor Köln, die Bonner Operisten, das Collegium Cantandi, die Sopranistin Lisa Tjalve und der Tenor Michael Siemon und das großartige Württembergische Philharmonie. Sie meisterten ihre jeweiligen Partien souverän und begeisternd. Dirigent Heinz Walter Florin verstand es, dieses große Ensemble zu führen und die richtige Balance herzustellen.