Kategorie:  Chor / Vokal , Orgel / Sacred Music

Sätze: Teil 1: In Not
Teil 2: Barmherzigkeit
Teil 3: Hoffnung

Dauer: 13 (4:20 / 3:30 / 4:50)

Notenausgabe: Schott Music , 1999

Besetzung: Motette für Chor, Violine, Viola, Violoncello, Fagott, Orgel
(die Streicher können solistisch oder aber auch orchestral besetzt sein)

Soloinstrumente: Fagott

Textdichter: Matthäus-Evangelium Kap. 5/3-12, Übersetzung von Martin Luther

Vorwort: Die Komposition entstand als Auftragswerk der Nikolaikirche Leipzig zum 20. Jahrestag der Friedlichen Revolution in Leipzig: Am 9. Oktober 1989 war das traditionelle Seligpreisungen-Friedensgebet in der überfüllten Nikolaikirche, wonach dann die entscheidende Friedensrevolution von 70.000 Menschen auf den Straßen stattfand, deren stiller Macht sich weder SED-Führung, noch Stasi noch Polizeikräfte widersetzen konnten und die unmittelbar zum Niedergang der DDR und der Öffnung der Mauer führte. Die lange Tradition des allmontäglichen Friedensgebets ist bis heute erhalten geblieben.
Pfarrer Christian Führer schrieb über den 9. Oktober 1989: ?Der GEIST JESU der Gewaltlosigkeit erfasste die Massen und wurde zur materiellen, zur friedlichen Gewalt. Armee, Kampfgruppen und Polizei wurden einbezogen, in Gespräche verwickelt, zogen sich zurück. Es war ein Abend im GEIST unseres HERRN JESUS, denn es gab keine Sieger und keine Besiegten, es triumphierte niemand über den anderen, keiner verlor das Gesicht?.
Die Vertonung der SELIGPREISUNGEN, die immer montags in der Nikolaikirche gebetet wurden, versucht etwas vom Klima jenes Oktobermontags zu vermitteln: Der Beginn steht unter dem Eindruck der Nervosität und der Angst; Christian Führer berichtete von einem ?schaurigen Gewaltszenario von Armee und Kampfgruppen, Polizei und Stasileuten in Zivil?. Im Zentrum vermittelt die Vertonung etwas von der ?unglaublichen Ruhe und Konzentration?, mit der dieses Friedensgebet vonstatten ging. Die letzten der zehn SELIGPREISUNGEN sind gezeichnet von Hoffnung und dem unfasslichen Wunder, das über alle hereingebrochen war.
Hilfreich bei der Komposition dieser SELIGPREISUNGEN war meine Arbeit an der Filmmusik zu ?Das Wunder von Leipzig ? Wir sind das Volk? (broadview-TV Köln mit MDR und ARTE), wo ich vom Herbst 2008 bis zu den Orchesteraufnahmen am 11.1.2009 täglich mit dokumentarischen Bildern von 1989 konfrontiert und damit unmittelbar im historischen Klima gefangen war. Einige Motive dieser Filmmusik sind im Chorwerk weiterverarbeitet, was deutlich zu dessen Eindrücklichkeit und Expressivität beigetragen hat.




Der Bergpredigt-Text in der Übersetzung Martin Luthers (Matthäus V/1-12):

Selig sind, die da geistlich arm sind, denn ihrer ist das Himmelreich.
Selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden.
Selig sind die Sanftmütigen, denn sie werden das Erdreich besitzen.
Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit, denn sie sollen satt werden.
Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.
Selig sind, die reines Herzens sind, denn sie werden Gott schauen.
Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Gottes Kinder heißen.
Selig sind, die um Gerechtigkeit willen verfolgt werden, denn ihrer ist das Himmelreich.
Selig seid ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen schmähen und verfolgen und reden allerlei Übles wider euch, so sie daran lügen.
Seid fröhlich und getrost; es wird euch im Himmel belohnt werden. Denn also haben sie verfolgt die Propheten, die vor euch gewesen sind.

Widmung: Gewidmet dem 20. Jahrestag der Friedlichen Revolution in Ostdeutschland

Uraufführung:  10.09.2009, Nikolaikirche Leipzig

Uraufführung Interpreten: Uraufgeführt im Friedensgebet
in der Nikolaikirche zu Leipzig am 9. Oktober 2009
durch BachChor Leipzig an der Nikolaikirche
unter Leitung von Nikolaikantor Jürgen Wolf