Kategorie:  Orgel / Sacred Music

Sätze: 1: Metamorphosen
2: Scherzo sinistro
3: Adagio
4: Finale 'Wachet auf, ruft uns die Stimme'

Dauer: 32 Minuten

Notenausgabe: schott Music GmbH Mainz , ED 20669 , 2009

Besetzung: grosse Orgel (mind. 3 Manuale)

Soloinstrumente: Orgel

Vorwort: In einem Orgelwerk sich dem jenseitigen Vermächtnis zu nähern, das Anton Bruckner (1824-1896) in seiner 8. Sinfonie c-moll niedergelegt hat, war die Idee des Erfurter Domorganisten Silvius von Kessel. "Wachet auf", ruft uns die Stimme stellt bei dieser behutsamen - von großer Bewunderung und Respekt getragenen - Annäherung an Bruckner den musikalischen Gegenspieler dar: Es ist sozusagen der "Hauschoral" des Erfurter Mariendoms, da der "Erfurter Wolfram", die älteste allansichtige Bronzeplastik im deutschen Raum, seit je mit dem von Jesaia beschriebenen "Wächter auf der Zinne" in Verbindung gesehen wurde. Aus der Beleuchtung dieses Chorals in Brucknerischem Geist entstand eine dynamische Satzfolge:
Satz 1 METAMORPHOSEN stellt - zunächst fast unverändert erklingend - das Brucknersche Hauptthema vor und leitet daraus metamorphosenartig musikalische Wucherungen ab, die spielerisch sich an liebgewonnenen Motiven festklammernd zu verschiedenen Variationen von Bruckners Motiven führen.
Satz 2 SCHERZO SINISTRO beschwört eine unheimliche Atmosphäre und nimmt damit Bezug zu Bruckners Neigung zum Makabren, Schaurigen und Nekrophilen. Bruckner war fasziniert von Hinrichtungen, Kriminalfällen, er wohnte den Sargöffnungen von Schubert und Beethoven bei.
Satz 3 ADAGIO baut sich auf dunkelglühenden Triolenbewegungen auf, die Bruckner seinerseits schon als Zitat des "Liebestodes" von Wagners Tristan und Isolde eingeführt hat. Aus dieser transzendenten Stimmung heraus (aufgebaut auf einer Zwölftonreihe) erklingt am Ende erstmalig der Choral "Wachet auf", ruft uns die Stimme.
Satz 4 FINALE: WACHET AUF?, RUFT UNS DIE STIMME verbindet die Choralmelodik mit dem einprägsamen Vorschlagsrhythmus des Brucknerschen Finale, - zunächst in dramatischem Moll. Im Mittelteil leuchtet der Choral zart und entrückt in Dur auf (Flöte 4' im Pedal). Diese Stimmung wurde inspiriert von Nahtod-Erlebnissen reanimierter Verstorbener, die allesamt von einem Licht und wunderschön leiser Eingelsmusik berichten. Mit dem feierlichen Impetus eines typisch Brucknerischen Finale klingt dann der Satz virtuos und kraftvoll - schließlich in leuchtendem Dur - aus.

Widmung: Silvius von Kessel (Domorganist Erfurt) herzlichst gewidmet

Uraufführung:  05.02.2009, Mariendom Erfurt 15. Internationale Orgelkonzerte

Uraufführung Interpreten: Prof. Silvius von Kessel

Uraufführung Presseberichte: Thüringer Allgemeine/Feuilleton vom 5.5.2009 (Dr. Ursula Mielke):
STRAHLENDER AUSKLANG IN DUR ...viersätzig, das geistige Vermächtnis Bruckners sehr dynamisch in alle Richtungen sowie durch alle >Register hinterfragend, nähern sich Komponist und Organist dem Thema vorsichtig abtastend an. Ein bisschen Weltfremdheit war bei dieser schwierigen Orgelkost zu spüren, doch mit dem Zitat des Chorals 'Wachet auf, ruft uns die Stimme' und dem dramaturgisch wichtigen Dur-Ausklang erdete der Komponist sein vom Publikum freundlich aufgenommenes Werk.