Kategorie:  Chor / Vokal , Orgel / Sacred Music , Oper / Musiktheater

Sätze: 16 Nummern in 9 Szenen

Dauer: 45 Minuten

Notenausgabe: Schott Music , 2010

Besetzung: Sopran, Tenor, Bariton, Chor (großer Chor, kleiner Chor, Kinderchor) und Orchester:

3 Flöten (davon auch 2 Piccoli)
2 Oboen
Englischhorn
2 Klarinetten (B)
Bassklarinette
2 Fagotte
1 Kontrafagott
4 Hörner (F)
3 Trompeten (B)
3 Posaunen (T T B)
Tuba
4 Pauken
Percussion 1-5
1 Celesta
2 Pianoforti
Grosses Streichorchester:
Vl.1+2
Vla
Vc
Kb

Textdichter: Carmina Burana, lat. Bibel (Vulgata), Neidhart von Reuenthal, Oswald von Wolkenstein, arachische Zaubersprüche und Spruchformeln

Widmung: Hayko Siemens in Freundschaft gewidmet

Anmerkungen: Szene I: IN ORBE ROTUNDO
Nr. 1
Großer Chor: (ostinate, vitale, positive Musik)
In orbe rotundo, in orbe rotundo Im Erdenrund, im Erdenrund
Numquam erit habilis Der ist rechtschaffen
qui non sit instabilis der nicht unbeweglich bleibt
et corde iocundo und mit frohem Herz
non sit vagus mundo durch die Welt schweift
et recurrat wiederkehrend
et transcurrat vorbeilaufend
et discurrat sich verbreitend
in orbe rotundo im Erdenrund
(aus: Carmina Burana)

(nach einem Posaunenruf wird die Musik dunkel, unheimlich, düster)
Et quintus angelus tuba cecinit Und der fünfte Engel posaunte:
et vidi stellam de caelo cecidisse in terram Ich sah einen Stern vom Himmel
auf die Erde fallen
et data est illi clavis putei abyssi Ihm war der Schlüssel zum
Schacht des Abgrunds gegeben
et aperuit puteum abyssi Und er öffnete den Schacht
et de fumo exierunt lucustae in terram und aus dem Rauch kamen die
Heuschrecken auf die Erde
et habebant super se regum angelum abyssi Sie hatten als König über sich
den Engel des Abgrunds
cui nomen Abaddon des Namens Abaddon
(Apokalypse des Johannes, Kap.9)

Nr. 2
Großer Chor: (die Musik wird magisch und rituell, der Chor beschwört in Klang und Gebärde das in hebräisch formulierte?kabbalistische Kreuz?)
Ateh Du bist (erhobene rechte Hand holt mit ausgestreckten
Zeige- und Mittelfingern kosmische
Schutzenergie, zur Stirn führend)
Malkut das Reich (Brust am Solarplexus berührend)
Ve Gebura die Kraft (linke Schulter berührend)
Ve Gedula die Herrlichkeit (rechte Schulter berührend)
Le Olam in Ewigkeit (Arme vor Brust gekreuzt)
Amen. Amen. (Hände vor der Stirn gefaltet, dann
zur Brust hinunterführend)

(Da capo, wieder mit positiver, rhythmischer und vitaler Musik)
IN ORBE ROTUNDO??..


Szene II: OSTERA (prima pars)
Nr. 3
Sopran solo: (leichtes, frühlingshaftes Orchestervorspiel)
Der starche winder hat uns verlan, Der starke Winter hat uns verlassen
diu sommerzit ist schone getan; die Sommerzeit ist nun schön;
walt und heide sih ich nu an, Wald und Wiese seh ich jetzt an,
lop unde blumen, chle wolgetan Laub, Blumen und feinsten Klee
davon mag uns froide nimmer zergan. Die Freude darüber soll niemals
vergehn.
(aus: Carmina Burana)
Frauen- und Mädchenchor:
1. Solis iubar nituit, Glänzende Sonnenstrahlen
nuntians in mundum vermelden der Welt
quod nobis emicuit dass sich uns jetzt
tempus letabundum. die heiteren Zeiten zeigen.
ver, quod nunc apparuit, Der nun erschienene Frühling
dans solum fecundum, macht alles fruchtbar
salutari meruit und verdient begrüßt zu werden
per carmen iocundum. mit ausgelassenen Gesängen.
Refrain: Ergo nostra contio Deshalb soll es unsere Pflicht sein
psallat cum tripudio mit Dreischritt und süßen Weisen
dulci melodia. Lob zu singen.

2. Fugiente penitus Völlig verschwunden
hiemis algore ist der kalte Winter,
spirat ether tacitus der Äther haucht
estu gratiore. sanft übers Land.
Descendente celitus Vom Himmel fällt
salutari rore wie ein Segen der Regen
fecundatur funditus und befruchtet die Erde
tellus ex humore. mit seiner Nässe.
Refrain: Ergo nostra contio Deshalb soll es unsere Pflicht sein
psallat cum tripudio mit Dreischritt und süßen Weisen
dulci melodia. Lob zu singen.
(aus: Carmina Burana)
Nr. 4
Männerchor:
Iam vernali tempore Wieder ist es Frühlingszeit
terra viret germine aus der Erde spriesst es empor
sol novo cum iubare und die Sonne strahlt von Neuem
frondent nemora belaubt sind die Haine
candent lilia die Lilien glühen
florent omnia. und alles blüht .

Ein Mädchen (Sopran): ein eingeschobenes Soli als Vorbereitung der Nr. 5

Gruonet der walt allenthalben. Der Wald grünt überall.
Wa ist min geselle also lange? Wo bleibt mein Liebster so lange?
Der ist geriten hinnen Der ist von hinnen geritten
owi! Wer soll mich minnen? O Weh! Wer soll mich jetzt lieben?

Männerchor:
Est celi serenitas Der Himmel ist voll Heiterkeit
aeris suavitas die Lüfte voller Milde
ventorum tranquilitas. die Winde wehen sanft.
est temperies Voll milder Wärme
clara et dies und hell sind die Tage
cantant volucres: und die Vögel singen:

Frauen- und Männerchor in Gruppen:
Merulus cincitat Die Amsel singt zierreich
acredula rupillulat die Nachtigall kadenziert
turdus truculat die Drossel schluchzt
et sturnus pisutat und der Star schnalzt.
turtur gemitat die Turtel seufzt
palumbes plausitat die Taube gurrt
perdix cicabat das Rebhuhn zirpt
anser craccitat die Gans schnarrt
cignus drensat der Schwan braust
pavo paululat der Pfau schreit
gallina gacillat das Huhn gackert
ciconia clocturat der Storch klappert
pica concinnat die Elster schimpft
hirundo et trisphat die Schwalbe zwitschert
apes bombilat die Biene summt
merops sincidulat er Specht hämmert.

Bubo bubilat Der Uhu uhut,
et guculus guculat und der Kuckuck ruft Kuckuck
passer sonstitiat der Sperling tschilpt
et corvus croccitat der Rabe krächzt
vultur pulpat der Geier gellt
accipiter pipat der Habicht pfeift
carrus titibat die Meise grüßt
cornix garulat die Krähe schwatzt
aquila clangit der Adler schallt
milvus lipit der Falke warnt
anas terinnit die Ente schnattert
graculus fringit die Dohle jammert
vespertilio et stridit die Fledermaus huscht
butio et butit der Bussard meldet
cicada fretendit die Zikade zirpt.

(der Tonfall wird nach und nach ekstatischer)
Onager mugilat Der Wildesel bölkt
et tigris raceat und der Tiger murrt
cervus docitat der Hirsch röhrt
et verres quirritat der Eber grunzt
leo rugit der Löwe brüllt
pardus ferit der Pardel vibriert
panther caurit der Panther knurrt
elephans barit der Elefant trompetet
linx et frennit, der Luchs surrt
aper frendit der Keiler raunzt
aries braterat der Widder blöckt
ovis atque balat das Schaf macht Mäh
taurus mugut der Stier schnaubt
equus et hinnit. das Pferd wiehert.


Lepus vagit Der Hase wimmert
et vulpus gannit und der Fuchs faucht
ursus uncat der Bär brummt
et lupus ululat der Wolf heult
canis latrat der Hund bellt
catulus glutinat das Hündchen jault
rana coaxat der Frosch quakt
anguis sibilat die Schlange zischelt
grillus grillat die Grille zirpt
sorex desticat die Feldmaus pfeift
mus et minnit das Mäuslein fiept
mustela drindrit das Wiesel wetzt
sus et grunnit die Sau grunzt
asinus et rudit. der Esel wiehert.
(aus: Carmina Burana)

(die wild überbordende Musik mündet unmittelbar in den Ruf von Nr. 5):

Nr. 5
Tutti von Chor, Solisten und Orchester:
Ostera, Ostera, Ostera Ostera, Ostera, Ostera
floret tellibus floribus, der Erdkreis erblüht
variis coloribus in den verschiedensten Farben.
Ostera, Ostera, Ostera Ostera, Ostera, Ostera
faveant amoribus und sogleich verlieben sich
Iuvenes cum moribus die Jünglinge unsterblich
Ostera, Ostera, Ostera Ostera, Ostera, Ostera
novo flore faciem alles erblüht von Neuem
flora renovatur. die Flora erneuert sich.
Ostera, Ostera, Ostera Ostera, Ostera, Ostera

Mädchen (Sopran) und Chor:
Ich was ein chint so wolgetan Ich war ein so goldenes Kind
virgo dum florebam. als Jungfrau erblüht.
do brist mich diu werlt al Die Welt sang mein Lob
omnibus placebam. allen gefiel ich.
Refrain: Hoy et oe! Ach und weh!
maledicantur tilie Verflucht seien die Linden
iuxta viam posite. Die am Wegrand stehen.

Ia wolde ich an die wisen gan Ich wollte über die Wiesen gehen
flores adunare Blumen zu pflücken
do wolde mich ein ungetan da wollte mich ein Unhold
ibi deflorare. Dort entjungfern.
Refrain: Hoy et oe! Ach und weh!
maledicantur tilie Verflucht seien die Linden
iuxta viam posite. Die am Wegrand stehen.

Er graif mir an den wizen lip Er fasste meinen weißen Leib
non absque timore nicht ohne Furcht
er sprah: ?Ich mache dich ein wip, Er sprach: ?Ich mache dich zum Weib,
dulcis es cum ore!? du und dein Mund sind süß?!
Refrain: Hoy et oe! Ach und weh!
maledicantur tilie Verflucht seien die Linden
iuxta viam posite. Die am Wegrand stehen.

Er warf mir uf daz hemdelin Er hob mein Hemdlein hoch
Corpore detecta und entblößte den Körper
Er rannte mir in das purgelin und rammte mir die kleine Burg
Cuspide erecta mit aufgestelltem Spieß.
Refrain: Hoy et oe! Ach und weh!
maledicantur tilie Verflucht seien die Linden
iuxta viam posite. Die am Wegrand stehen.
(aus: Carmina Burana)


Nr. 6
Tutti von Chor, Solisten und Orchester (als furioses Dacapo):

Ostera, Ostera, Ostera Ostera, Ostera, Ostera
floret tellibus floribus, der Erdkreis erblüht
variis coloribus in den verschiedensten Farben.
Ostera, Ostera, Ostera Ostera, Ostera, Ostera
faveant amoribus und sogleich verlieben sich
Iuvenes cum moribus die Jünglinge unsterblich
Ostera, Ostera, Ostera Ostera, Ostera, Ostera
novo flore faciem alles erblüht von Neuem
flora renovatur. die Flora erneuert sich.
Ostera, Ostera, Ostera Ostera, Ostera, Ostera

Szene III: WALPURGISNACHT

Nr. 7 Hexenflug
Großer Chor und Orchester:
Amara tanta tyri / pastos sycalos sycaliri (unübersetzbarer Teufelsspruch
Ellivolo scarra / polili posylique lyvarras aus den Carmina Burana)

(nach mehrmaligem Verbeugen in alle Himmelsrichtungen findet ein Ritual mit Wiederholung folgender Gebetsformeln statt):
Alle Frauen:
Satanas, Sanatas / Satanas, Sanatas / Erce, Erce Erce
Alle Männer:
Maleficia, Hagazussa: Amara tanta tyri
Chortutti (meist in Gruppen unterteilt, rufen sich ihre Lieblingspeisen zu):
Fleisch von Gehenckten / Brodt aus schwarzer Hirse / Pulver von gebrannten Kreuzen, am Wegrand gestohlen, dazu am Gründonnerstag gemahlene Kinderknochen / Urin des schwazen Bockes, ein gar köstlicher Wein

Jesus Sirach, Kap. 26/11+12
11. Mulier ebriosa ira magnam et contumelia
Ein trunkenes Weib ist eine große Plage

et turpitudo illus non contegetur denn sie kann ihre Schande nicht decken
12. Formicatio mulieris in extollencia Ein hurerisch Weib kennt man an ihrem
oculorum et in palpebris illius agnoscetur unzüchtigen Gesicht und an ihren Augen.

Alle Frauen:
Satanas, Sanatas / Satanas, Sanatas / Erce, Erce Erce
Alle Männer:
Maleficia, Hagazussa: Amara tanta tyri
(die motorische, laute und ekstatische Musik erlischt zu einem magischen Pianissimo der Nr. 8)

Nr. 8 Zaubersprüche
Merseburger Zauberspruch zur Pferdeheilung (10. Jh.)
Sose benrenki, sose bluotrenki Wie Knochenverrenkung, so
Sose lidirenki Blutverrenkung, so Gliederverrenkung
Ben zi bena, bluot zi bluoda Knochen zu Knochen, Blut zu Blut
Lid zi geliden, sose gelimida sin Glied zu Gliedern, dass sie geleimt seien

Altsächsischer Wurmsegen (ältester deutscher Zauberspruch)
Gang ut, nesso, mid nigun nessiklinon Geh hinaus, Nesso, mit neun Nesslein
Ut fana themo marge an that ben vom Mark hinaus in die Knochen
Fan themo bene an that flesg hinaus vom Fleisch in die Haut
Ut fan themo flesge a thia hud
Ut fan thera hud an thesa trala hinaus von der Haut in den Huf
Drothin, vethe so! Herr, es werde so!

Nr. 9 Tanz der Teufelsanbetung
(schnittartiger Bruch in der Musik, die zum orgiastischen Tanz hochfährt, alle Scharen sich ? verbunden mit sexuellen Orgien - um den Teufel/Bariton)
Bariton im Wechsel mit dem Chor der Frauen:
Amara tanta tyri / pastos sycalos sycaliri (unübersetzbarer Teufelsspruch
Ellivolo scarra / polili posylique lyvarras aus den Carmina Burana)
Frauen: (sie vollziehen das Ritual des Kusses auf den Hintern des Teufels)
Wir küssen die Katze unter dem Schwanz
Teufel/Bariton solo:
Consolamentum tuum. Erce, Erce, Erce
Frauen: (sie gehen mit ausgestreckter Zunge rückwärts)
Sued sunimod sutcnas sutncas. Die schwarze Hostie für Dich, o Herr

Teufel/Bariton solo:
Consolamentum tuum. Erce, Erce, Erce
Teufel und Chortutti: (sie beten das ?Vater unser? rückwärts)
Si leoc ni tse iuq retson retap
Satanas Sanatas
Si leoc ni tse iuq retson retap
Satanas Sanatas

Nr. 10 Inquisition und Scheiterhaufen
Der Inquisitor/Tenor solo:
In nomine Patris, et filiis, et Spiritus sancti / Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes
Ab insidiis diaboli, libra nos, Domine. /Herr befreie uns von den Nachstellungen des Teufels
Ut ecclesiam tuam secura tibi facias libertate/ Dass Du Deiner Kirche die Sicherheit und Freiheit geben wolltest,
Servire, rogamus, audi nos. / Dir zu dienen, wir bitten dich, erhöre uns.
Ecce crucem Domini, fugite, partes adversae. / Seht das Kreuz des Herrn. Flieht, ihr feindlichen Mächte.
(aus den päpszlichen Exorcismus-Riten)

Männerchor:
Hexen, ins Feuer! Brennt sie!
Weg mit dem poesn weyb!

Der Inquisitor/Tenor solo:
Vade, satana, inventor et magister omnis Weiche Satan, Erfinder und Meister fallaciare aller Falschheit.

Männerchor:
Hexen, Huren des Teufels (Martin Luther)
Lebendig in die Flammen!

( Chor in sachlicher Distanz):
?Verzeichnis der Hexenleut, so zu Würzburg verbrannt:
Im ersten Brandt vier Personen:
die Lieblerin, die alte Anckerswitwe, die Gutbrodtin, die dicke Höckerin
Im andern Brandt vier Personen:
die alte Beutlerin, zwey fremde weyber, die alte Schenckin
........
Im elften Brandt vier Personen: Der Schwerdtvicarius am Dom, die Vögtin von Rensacker, die Stiecherin, der Silberhans ein Spielmann
Im zwölften Brandt: zwei fremde weyber
..........
Im zwanzigsten Brandt: sechs Personen....


Szene IV: MAIENLIEBE

Nr. 11
Exclamatio (Bariton und acht Frauen):
Maienzeit, Maienzeit -
Iam vernali tempore!
Maienzeit, Maienzeit -
Iam vernali tempore!
(Während des folgenden Gesangs stellen Burschen den blumengeschmückten Maibaum auf):

Männerchor:
Congaudentes ludite, Mitgesellen auf zum Spiel,
choros simul ducite! lasst unser Lied erschallen!
Iuvenes sunt lepidi, Die Burschen sind voll Übermut
Senes sunt decrepiti! Die Alten sind ausgelaugt!
Tutti:
Audi, bel?amia Höre, schöne Freundin
Mille modus veneris: tausendfachen Venusgesang
hahi zevaleria hahi zevaleria
Männerchor:
Iuvenes amabilis, Die Burschen sind liebenswert,
ignis comparabilis! Und wie das Feuer!
Senes sunt horribiles, Die Alten sind abschreckend
Frigori consimiles! Schon winterhart eingefroren!
Tutti:
Audi, bel?amia Höre, schöne Freundin
Mille modus veneris: tausendfachen Venusgesang
hahi zevaleria hahi zevaleria

Nr.12
Doppelquartett der Männer:
Springerwir den reigen Tanzen wir den Reigen
nu, vrowe min! jetz, meine Frau!
Vrovn uns gegen den meigen! Freuen wir uns auf den Mai!
Uns chumet sin schin. Der jetzt zum Vorschein kommt.
Der winter der heiden tet senediv not Der Winter tat der Heide schwere Not
Der ist nu zergangen er ist jetzt vergangen
si ist wunnechlich bevangen sie ist wunderbar überdeckt
von bluomen rot. Von roten Blumen.
Bariton solo:
Non contrecto Nicht bedräng ich
Quam affecto voll Verlangen
ex directo geradeaus
ad te specto schau ich zu dir
et annecto dreh die Augen
nec deflecto nicht zu anständig
cilia. Vor dir ein.
Refrain, alle Männer:
Experire filia, Probiere aus, Mädchen
virilia: meine Manneskraft:
semper sunt senilia die Alten sind immer
labilia schlaff
sola iuvenilia die Jungen sind immer
stabilia , hart,
hec sunt utensilia: und so sind die Werkzeuge:
agilia beweglich
facilia einfach
gracilia anmutig
fragilia verletzbar
humilia feucht
mobilia beweglich
docilia gelehrig
habilia tüchtig
Cecilia et si qua sunt similia! und noch mehr dergleichen, Cäcilie!
(aus: Carmina burana)
Nr.13
Tenor (Jensel) und Sopran (Gretel):

Gretel wiltu sein mein treutel? Gretel, willst du mein Liebstes sein?
So sprich, sprichs (drei mal) so sags nur, so sags nur
Ja, koufst du mir einen beutel Ja, wenn du mir ein Täschlein kaufst
Leicht tuen ichs (drei mal) Dann tu ich?s vielleicht
Und reiss mir nit das heutel Und zerreiss mir nicht das Häutchen
Neur stich, stichs (drei mal) Steche es bloß an.

Sim Jensel, wiltus mit mir tanzen? He, Jensel, willst Du mit mir tanzen?
So kom auch (drei mal) Dann komm nur!
Böckisch well wir umbhin ranzen Wie Böcke wollen wir herumspringen
Jans, nit strauch (drei mal) Nicht stolpern, Jans
Und schon mir meiner schranzen Und lass mir den Schlitz heil
Dauch schon, auch, dauch nach, dauch Schieb schön, schieb. Schieb tiefer.
Jensel dauch! Jensel, schieb.
(Oswald von Wolkenstein)

Großer Chor (zur Bekräftigung):
Tanges, sodes, citharam / manu letiore Greift in die Saiten voller Freude
et cantemus pariter / voces clariore! und lasst uns zusammen hell singen!
factus ab amasia / viduus priore damit die vorige Geliebte
caleo nunc alia / multo meliore. nun einer anderen, besseren weicht.
clavus clave redunditur Der Bolzen treibt den Bolzen aus
amor amore pellitur die Liebe treibt die Lieb? hinaus
iam nunc prior contemnitur die Alte schleicht sich aus dem Haus
quia nova diligitur damit die Neue erfreut
igitur drum heraus
leto iure psallitur. Freude und Lobgesang.
(aus: Carmina burana)


Szene V: MITTSOMMER - JOHANNISTAG

Nr. 14
Großer Chor
(nach der sehr individuell-menschlichen Szene IV wird der musikalische Gestus wieder objektiv-rituell, zunächst mit Anrufung der vier Elemente):
Terra, anima, aqua...igni Erde, Luft, Wasser... Feuer
Terra, anima, aqua...igni Erde, Luft, Wasser... Feuer
(Verbeugung in alle vier Himmelsrichtungen, beim letzten ?igni? musikalisches Feuerlodern I)

Wenn Johannis ist geboren, gehen die langen Tage verloren (alte Bauernregel)

Bariton solo:
Egi quidem aqua baptizo Ich taufe euch nämlich mit Wasser
Venit autem fortior me: Es kommt aber ein Stärkerer als ich:
ipse vos baptizabit der wird euch taufen
in Spiritu Sancti et igni mit dem Heiligen Geist und mit Feuer.
(Lukas 3,16)

Großer Chor:
Fuit homo misus a Deo Es war ein Mensch von Gott gesandt
cui nomen erat Iohannes. des Namens Johannes.
Hic venit in testimonium perhiberet Der kam zum Zeugnis, dass er von
dem
de lumine ut omnes crederent per illum. Licht zeugte, dass alle durch ihn
glaubten.
Non erat ille lux sed ut testimonium Er war nicht das Licht,
perhiberent de lumine. sondern er sollte zeugen von dem
Licht. (Johannes Kap. 1)


Nr. 15
(die Musik wird zum Feuertanz und kann Anlass für inszenierte Rituale sein: Tanzen um Feuer, Sammeln von Blumen und heilkräftigen Gräsern, Verzehr von Johanniskäse und Gerstenbier etc.)
Terra, anima, aqua...igni Erde, Luft, Wasser... Feuer
Terra, anima, aqua...igni Erde, Luft, Wasser... Feuer

Tenor solo:
Wer kein Holz zum Feuer git, erwirbt das ewig Leben nit! (altes Sprichwort)
Sopran solo:
Igni diruit, igni transformat Feuer zerstört, Feuer wandelt
ave igni ioannis gegrüßet seist Du, Johannisfeuer

Großer Chor:
Edificat Fortuna, diruit; Erbauerin Fortuna, sie zerstört;
Nunc abdicat, quos prius coluit, sie lässt dahin, was einst ihr gehörte
iterum vendicat hec opera und sie beschwört mit bösem Sinn
sibi contraria dans munera den Untergang, die Werke, die sie
weiht
nimis labilia; sie schenkt nicht lang
mobilia die ihr Geschenk nur leiht;
sunt Sortis federa nur lässt des Schicksals Gang
que debiles sich gütig an
ditans nobilitat und gibt dem Armen Macht,
et nobiles den Reichen dann
premens debilitat. stürzt es hinab in die Nacht.
(aus: Carmina burana)


Szene VI: AUTUMNUS
Nr.16
Preludio von Sopran und Tenor:
Droschel, nahtigal, die hoert man singen Drossel, Nachtigall, die hört man singen
Von ir schalle berc unt tal erklingen: von ihrem Schall erklingen Berg und Tal:
Si vreunt sich gegen der lieben sumerzit Sie freuen sich über die liebe Sommerzeit
Diu uns git die uns schenkt
Vreuden vil und liehter ougenweide viel Freuden und helle Augenweide
Diu heide wünneclichen lit. Die Wiesen liegen wonniglich dar.
(Sommerlied des Neidhart von Reuenthal)
Lobpreis großer Chor:
Domine Deus meus magnificatus Mein Gott, du bist sehr herrlich,
es vehementer confessionem et decorem induisti. du bist schön und
prächtig geschmückt.
Qui emittis fontes in convallibus inter medium Du lässest Wasser zwischen
den Bergen
montium pertransibunt aquae , quellen, dass sie zwischen den B Bergen fließen,
rigans montes de superioribus suis de fructo du befeuchtest die Berge von oben her,
operum tuorum satiabitur terra, machst alles voll von dir
geschaffener Früchte,
producens faenum iumentis et herbam du lässt Saat und Gras wachsen
für
servitui hominem ut educas panem de terra, Mensch und Vieh, für Brot aus
der Erde,
et vinum laeificat cor hominis ut exhilaret dass der Wein erfreue des
Menschen Herz
faciem in olio et panis cor hominis confirmat. und Öl wie das Brot des
Menschen Herz
stärke. (Psalm 104)

Nr. 17
Erntetanz
(mittelalterlicher Tradition folgend können in einer Inszenierung überdimensionale Erntedankkronen, Fruchtkörbe oder Körnerteppiche als Symbol verwendet werden.)

Männerstimmen:
(rufen in die ersten Tanztakte Gottes an Noah gegebenes Versprechen hinzu):
Cunctis diebus terrae sementis et messis frigus non requiescent! / Solange die Erde besteht sollen Saat und Ernte nicht aufhören!

Nr. 18
Großer Chor:
Salutamus, socii Gesellen, laßt uns grüßen,
nos, qui sumus bibuli wir, die betrunken sind
tabernam sicco ore. die Schenke mit trockenem Mund.
Potemus alacriter! Lasst uns eifrig trinken!
Scyphi impleantur iugiter! Die Becher seien nie versiegend voll!
Ludamus solito more! Wir spielen wie gewohnt!
Plana detur tabula! Sortes concedantur Der Tisch muß eben sein, die Lose
ausgegeben
pro nummis et pro proculis vestes mutuantur für Münzen und Becher
werden Kleider
getauscht
hei, nun appareat hei, nun zeigt es sich,
cuisors magis aut Fortuna faveat. wen das Schicksal oder Fortuna liebt.
(aus: Carmina burana)
Bariton solo:
Lünzlot, münzlot, klünzlot und zisplot Schlummerlich, küsselich, wunniglich
wisplot freundlich sprachen schmeichlerisch, flüsterlich
herzlich reden
auss waidelichen, güten, rainen sachen von köstlichen, guten, schönen
Dingen
sol dein pöschelochter, rotter mund! Soll dein blühender roter Mund!
mund mündlin gekusst Mund mündlein geküsst
zung an zünglin, brüstlin an brust Zunge an Zünglein, Brüstlein an
Brust
bauch an beuchlin, rauch an reuchlin Bauch an Bäuchlein, Pelz an
Pelzlein
snel zu fleiss frisch und fleissig
allzeit frisch getusst. nimmermüd gestoßen
(Oswald von Wolkenstein)
Großer Chor:
Hospes laudatur Den Wirt gepriesen
si habunde datur wenn er reichlich gibt
ut bene bibatur damit gut getrunken wird
et hoc propere. Schnell herbei damit.
Refrain: Deu sal sit vobiscum, o pecharie! Heilger Gott mit euch, ihr Gläser
modo bibite Lasst und trinken
sortes apponite! Und um das Glück spielen!

Cum ergo salutamus Daher grüßen wir den Wein
Vinum, tunc cantamus: indem wir singen:
?te deum laudamus? ?Dich Gott loben wir?
et hoc propere. schnell her damit.
Refrain: Deu sal sit vobiscum, o pecharie! Heilger Gott mit euch, ihr Gläser
modo bibite Lasst und trinken
sortes apponite! Und um das Glück spielen!
(aus: Carmina burana)


Nr. 19
(ein skurril verzerrtes Duett über das Alter, der Tenor als ?altes Weib?, der Sopran als dessen Tochter)
Sopran, Bariton und Tenor:
B: Ein altu, diu begunde zu springen Eine Alte fing das Springen an
Hoh alsam ein kitz enbor; hoch wie ein Kitz
Si wolde ?bluomen bringen?. Sie wollte ?Blumen bringen?.
T: ?Tohter, reich mir min gewant! ?Tochter, gib mir mein Kleid!
Ich muos an des knappen hant, Ich muß zu dem Knappen,
der is ?von ruwental? genannt. Den sie ?von Reuenthal? nennen.
Traranuretum, traranuvirunt, und eie.? Traranuretum, traranuvirunt, und
eie.?

S: ?Muter, huetet euer sinne! ?Mutter, bewahrt eure Sinne!
Er ist ein knappe so gemuet er ist ein knappe von solcher Art
Er pfliget niht steter minne?. dass seine Liebe nicht beständig ist.?
T: ?Tohter, lat ir mich an not! ?Tochter, lass mich in Ruhe!
Ich weis wol was er mir enbot. Ich weiß genau, was er mir versprach.
Nach siner minne so bin ich tot. Ich sterbe vor Liebe nach ihm.
Traranuretum, traranuvirunt, und eie.? Traranuretum, traranuvirunt, und
eie.?

B: Do sprach es ein altu in ir geile: Da sprach eine andere Alte voll Geilheit:
T: ?Trut gespil, wol dan mit mir! ?Liebeste Gespielin, wohl dann mit mir
Ia ergat es uns ze heile. Dann soll es uns zusammen gut gehen.
Wir suln beide ?nach Bluomen gan?. Wir wollen beide ?nach Blumen gehen?.
war umbe solt ich hie bestan Warum sollte ich hier bleiben
sit ich so vil geferten han? Wo ich so viele Gefährten habe?
Traranuretum, traranuvirunt, und eie.? Traranuretum, traranuvirunt, und eie.?
(Neidhart von Reuenthal)

Kleiner Chor:
Ez ist ain gemelicher sitt Es ist ein lustiges Ding
daz ein zerß und ain smit daß ein Schwanz und ein Schmied
ze allen ziten musent stan seit jeher stehen mussten,
so sy ir hantwerek wollent han. Wenn sie ihr Handwerk verrichten wollen.
(anonym um 1420)
Grosser Chor (Reprise):
Cum ergo salutamus Daher grüßen wir den Wein
Vinum, tunc cantamus: indem wir singen:
?te deum laudamus? ?Dich Gott loben wir?
et hoc propere. schnell her damit.
Refrain: Deu sal sit vobiscum, o pecharie! Heilger Gott mit euch, ihr Gläser
modo bibite Lasst und trinken
sortes apponite! Und um das Glück spielen!
( aus: Carmina burana)

Szene VII: HIEMIS
Nr. 20
Bariton solo:
Sumers und des winders beider vientschaft Die Feindschaft von Sommer und
Winter
kann ze disen ziten niemen understand. kann noch niemand schlichten.
Winder der ist aber hiwer mit sinen vriunden Der Winter ist aber wieder mit
seinen
komen: Freunden gekommen:
er ist hie mit einer ungevüegen kraft, er ist hier mit grimmiger Kraft;
erne hat dem walde loubes niht verlan Er hat dem Wald kein Laub gelassen
und der heide ir bluomen unde ir liehten und den Wiesen die Blumen und
den
schin benomen. hellen Glanz genommen.
Sit in iuwer huote! Er hat uns allen widerseit. Seid auf der Hut! Er hat allen
Fehde angesagt.
(Neidhart von Reuenthal)
Großer Chor:
Hiemali tempore Zur Winterzeit
dum prata marcent frigore wenn die Wiesen erfroren sind
et aquae congelescunt und die Wasser vereist
concurrent in estuario eilt jeder in die Schenke
qui regnant cum Decio wo beim Würfelspiel man säuft
et postquam concalescunt, und nach der großen Zeche
socius a socio / ludens irretitur. Laden Freund zu Freund sich zum Spiel


Qui vestitus venerat, nudus reperitur Wer in Kleider kam, wird nackt gehen
Hei, trepidant, divitie Hei, wie da Bangen Gut und Geld
Cum paupertas semper servit libere. Wenn die Armut sich sorglos
dazugesellt.
(aus: Carmina burana)

Nr. 21
Sopran:
Memento homo, quia ex pulvere Mensch erinnere dich, dass du aus Staub
et in pulverem reverteris. bist und wieder zu Staub wirst.
Chor:
Requiem aeternam dona eis Domine: Herr gib ihnen die ewige Ruhe,
et lux perpetua luceat eiis. und das ewige Licht leuchte ihnen.
Bariton:
Sed omnes una manet nox et calcanda semel Doch alle erwartet die eine
Nacht
via leti. und den Weg des Todes, den
man nur einmal beschreitet.
Chor:
Te decet hymnus, Deus, in Sion, et tibi redetur Dir gebührt Lob, Herr zu Zion,
votum in Jerusalem, Dir erfüllt man Gelübde in Jerusalem,
exaudi orationem meam, ad te omnis caro veniet. Erhöre mein Gebet, zu
Dir kommt alles Fleisch.
Tenor:
Mors certa, hora incerta. Der Tod ist gewiß, ungewiß die Stunde.
Leti mille repente viae. Schnell führen tausend Wege in den Tod.
Chor:
Requiem aeternam dona eis Domine. Herr gib ihnen die ewige Ruhe.


Szene VIII: OSTERA II
Nr. 22
(die Musik wird leicht beweglich, kündet den Frühling an)
Bariton solo:
Uf dem berge und in dem tal In Berg und Tal
hebt sich aber der vogele schal, erhebt sich wieder der Vögel Gesang,
hiure als eh wie ehedem
gruonet kle, grünt jetzt der Klee,
rume ez, winter, du tuost weh! Weiche, Winter, du tust weh!
Tenor solo:
Ein altiu mit dem tode vaht Eine Alte rang mit dem Tod
Beide tac und ouch die naht bei Tag und bei Nacht
diu spranc sider die sprang seither
als ein wider wie ein Widder umher
und stiez die jungen alle nider. Und stieß alle Jungen um.
(Neidhart von Reuenthal)
(die Musik ist in der zweiten Strophe ekstatisch und wild geworden)
Kleiner Chor:
Letabundus rediit Jubelnd ist der Vöglein Schall
avium concentus wiederum erklungen.
ver iocundum prodiit der Frühling zeigt sich fröhlich
gaudeat iuventus freut euch, ihr Jungen,
nova ferens gaudia! neue Freuden stehn bevor!
Modo vernant omnia Alles ergrünt
Phebus serenatur Phoebus hoch am Himmel
redolens temperiem Lüfte, leicht und lieblich mild
novo flore faciem neue Blumen wachsen davon
Flora renovatur. die Pflanzenwelt erneuert sich.
(aus: Carmina burana)

Nr. 23
(jetzt in gesteigerter und völlig ekstatischer Form):
Tutti von Chor, Solisten und Orchester:
stera, Ostera, Ostera Ostera, Ostera, Ostera
floret tellibus floribus, der Erdkreis erblüht
variis coloribus in den verschiedensten Farben.
Ostera, Ostera, Ostera Ostera, Ostera, Ostera
faveant amoribus und sogleich verlieben sich
Iuvenes cum moribus die Jünglinge unsterblich
Ostera, Ostera, Ostera Ostera, Ostera, Ostera
novo flore faciem alles erblüht von Neuem
flora renovatur. die Flora erneuert sich.
Ostera, Ostera, Ostera Ostera, Ostera, Ostera


Szene IX: IN ORBE ROTUNDO
Nr. 24
Großer Chor: (ostinate, vitale, positive Musik)
In orbe rotundo, in orbe rotundo Im Erdenrund, im Erdenrund
Numquam erit habilis Der ist rechtschaffen
qui non sit instabilis der nicht unbeweglich bleibt
et corde iocundo und mit frohem Herz
non sit vagus mundo durch die Welt schweift
et recurrat wiederkehrend
et transcurrat vorbeilaufend
et discurrat sich verbreitend
in orbe rotundo im Erdenrund
(aus: Carmina Burana)
(Die Musik zeichnet mit fünf gewaltigen Glockenschlägen ein magisches Pentagramm, das auch inszeniert oder proijeziert werden kann, dann beleben die Solisten mit den hebräischen Anrufungen die fünf Pentagramm-Linien, während der Chor dazwischen die vier Erzengel aus allen vier Himmelsrichtungen anruft):
Sopran, Tenor, Bariton:
Jod-He-Vau-He (JHVH, das ist: Der, der ist) Grosser Chor:
Vor mir, Raphael!
Sopran, Tenor, Bariton:
Adonai (Der Herr) Grosser Chor:
Hinter mir Gabriel!
Sopran, Tenor, Bariton:
Eheyeh (Ich bin, der ich bin) Grosser Chor:
Zu meiner Rechten, Michael!
Sopran, Tenor, Bariton:
AGLA (Du bist mächtig) Grosser Chor:
Zu meiner Linken, Uriel!
Sopran, Tenor, Bariton:
Athat gibor leolam Adonai
(In Ewigkeit, o Herr)

Großer Chor: (ostinate, vitale, positive Musik)
In orbe rotundo, in orbe rotundo Im Erdenrund, im Erdenrund
Numquam erit habilis Der ist rechtschaffen
qui non sit instabilis der nicht unbeweglich bleibt
et corde iocundo und mit frohem Herz
non sit vagus mundo durch die Welt schweift
et recurrat wiederkehrend
et transcurrat vorbeilaufend
et discurrat sich verbreitend
in orbe rotundo im Erdenrund
(aus: Carmina Burana)

Uraufführung:  05.12.2010, Herkules-Saal München

Uraufführung Interpreten: Münchner Motettenchor mit Sandra Moon/Sopran, Robert Sellier/Tenor, Todd Boyce/Bariton,Moravská filharmonie Olomouc, Ltg.: Hayko Siemens

Uraufführung Presseberichte: Süddeutsche Zeitung 2010 (Klaus Kalchschmid): Ein besonderes Geschenk machte Enjott Schneider dem Motettenchor mit "Orbe Rotundo - Lieder von Leben, Magie und Tod", das in 50 Minuten Orffs Thematik und Textwahl in derselben Orchesterbesetzung mit drei Vokalsolisten aufgreift und weiterführt. Bei der konzertanten Uraufführung des "szenischen Bilderbogens zum Jahreskreis nach lateinischen und mittelalterlichen Texten" (darunter aus Psalmen, Grabsprüchen, den Carmina Burana, von Oswald von Wolkenstein und Neidhart von Reuenthal) erwies sich, wie virtuos Schneider auf der Klaviatur Orffs spielen kann, wie aus rhythmischer oder klanglicher Reverenz Zitat wurde. Für Walpurgis- und Johannisnacht zog der arrivierte Opern- und Filmkomponist ("Schlafes Bruder", "Stalingrad") dann weitere Register und verbeugte sich im strahlenden "Domine Deus meus magnificatus" deutlich hörbar sogar Mahlers Achter...Der Motettenchor aber war nicht nur sicher in der oft heiklen Intonation der Uraufführung, sondern bewies, wie vertraut er mit Orffs Sprachvertonung ist, wie lebendig er Vulgärlatein und poetisches Mittelhochdeutsch singen kann. Unter Hayko Siemens kostete er die Kontraste zwischen leiser Lyrik und gewaltigem Auftrumpfen genussvoll aus, souverän begleitet von der Mährischen Philharmonie Olmütz.

NEUE MUSIKZEITUNG 2011 ....so wandte sich Chorleiter Hayko Siemens im vergangenen Jahr kurzerhand an Enjott Schneider, dessen neu komponierte Fortsetzung "ORBE ROTUNDO" nun im Münchner Herkulessaal ihre Uraufführung erlebte. Und das unter derart jubelndem Beifall, wie er bei Zeitgenössischem heute selten geworden ist.
Das lag zum Großteil sicherlich am Motettenchor selbst, aber auch am Sängerduo Sandra Moon und Robert Sellier, das sich sowohl bei Orff wie bei Schneider noch in den unbequemsten Lagen sicher bewegten. Gleiches Lob gilt auch für den jungen Bariton Todd Boyce.... Nach den bereits erwähnten Publikumsreaktionen dürfte wohl kaum etwas gegen einen weiteren Einsatz von "ORBE ROTUNDO" als massentaugliche Ergänzung zur "CARIMNA" sprechen. Und mit einem unzüchtigen Hexensabbat und anderer mittelalterlicher Pornographie in der Inhaltsangabe wird es wohl nur eine Frage der Zeit sein, bis auch die ersten Regisseure das neue und doch so alte Zweigestirn für eine szenische Aufführung entdecken. (Tobias Hell, 8.12.2010)