Kategorie:  Symphonie / Orchester

Sätze: 1: PROLOGUE „AS FATE WILLED“
2: CONCERTO. ALLEGRO
3: ADAGIO „BITTERNESS OF LIFE“
4: EPILOGUE „MOZART ASCENDING“

Die Sätze sind durchgehend attacca zu spielen

Dauer: 25 Minuten

Besetzung: Solo-Oboe und Orchester:
2 Flöten (2. auch Piccolo) / 2 Klarinetten (2. auch Bassklarinette) / 2 Fagotte / 3 Hörner / Tuba (ad lib.) / Pauke / 2 Schlagzeuger .
Streichorchester möglichst sinfonisch (Vl1+2 Vla 1+2 Vc Kb)

Soloinstrumente: Oboe

Vorwort: MYSTERIUM MOZART
Mozarts nur als kurzes Fragment vorliegendes Oboenkonzert F-Dur KV 293 ist in den formalen Dimensionen der Orchesterexposition umfangreicher angelegt als die anderen Bläserkonzerte, - eine wunderschöne Musik, die aber gerade deshalb von tiefem Geheimnis umgeben ist : „Warum blieb solch himmlische Musik unvollendet?“, „Wo und welcher Art ist die seelische Verknüpfung mit dem Leben des Komponisten?“ Und immer wieder: „Wer war dieser Wolfgang Amadeus Mozart, der uns mit Widersprüchen, einer Zerrissenheit ohnegleichen, mit dunklen unlösbaren Rätseln und einer nur jenseitig zu erklärenden Genialität gegenübertritt?“
Genau darüber versucht MOZART ASCENDING sich „musikalische Gedanken“ zu machen: um den Mozartschen Originaltext werden Emotionen und Kontraste aufgebaut, hinter seinem Licht wird Schatten und Dunkelheit gesucht, Assoziationen und Bruchstücke dürfen traumhaft kommen und gehen, Labyrinthe werden gegangen. Über Mozarts Leben im Spannungsfeld von unendlicher Heiterkeit und Schönheit auf der einen, und tiefstem Leid sowie schwärzester Depression auf der anderen Seite, scheint eine nahezu kosmische Macht zu walten, die sich jedem menschlichen Begriff entzieht. Nennen wir sie einfach „Schicksal“ (lat: „fatum, fortuna, sors“, engl.: „fate, destiny“, franz.: „destin, sort“, ital.: „destini, fato, sorte“). Dieses Schicksal hat für mich einen Namen: „Leopold!“. Die harte Hand und der entbehrungsreiche Drill des Vaters waren die dunkle Seite der Erziehung, die wie ein Naturgesetz zum ‚Wunderkind’ dazugehört: je strahlender das Licht – wofür wir alle ja so dankbar sind – desto dunkler die Schatten dahinter. Rainer Maria Rilke hat in seinem "Glaubt nicht, Schicksal sei mehr als das Dichte der Kindheit" („Duineser Elegien“) und in seiner Formel "Kunst ist Kindheit nämlich" das Schicksalhafte der Kinderjahre für das gesamte spätere Leben auf den Punkt gebracht. „Leopold?“ – waren nicht Flucht in die Schönheit und entmaterialisierte Heiterkeit, Hinwendung zu Frauen und Glücksspiel, ja sogar die Transzendenz und das Aufsteigen in göttliche Sphären, alles nur Versuche, dem funktionalen Realismus und der Dominanz des Vater-Prinzips eine eigene Welt gegenüberzustellen? Dieses Schicksalhafte scheint mir in allen Werken Mozarts der Subtext und der doppelte Boden zu sein. MOZART ASCENDING ist ein Versuch, solchen Subtext hinter einer Komposition emotional erlebbar zu machen.
Milos Forman hat in seinem „Amadeus“-Film über die Figur des Salieri eindringlich dargestellt, dass der strafende Komtur im Don Giovanni nichts Anderes als Mozarts Verkettung an seinen Vater ist, der ihn ja zeitlebens als Inbegriff des Gewissens mahnte und kontrollierte. Deshalb kommen den musikalischen "Don Giovanni"-Zitaten in der frei assoziierten Durchführung des Oboenkonzerts besondere Bedeutung zu.
Die Entstehungszeit des Fragments KV 293, die nach wissenschaftlichem Befund (z.B. anhand des beim Autograph verwendeten Notenpapiers) mit Herbst 1778 benennbar ist, führt uns in ein schicksalhaftes und von schweren Schatten gezeichnetes Jahr von Mozarts Leben: nach der erzbischöflichen Verbannung aus Salzburg reiste er im Frühjahr – erstmals ohne Vater! – allein mit der Mutter nach Paris, um dort sein Glück als freier Künstler zu suchen. Es war eine eher deprimierende Reise. Zu der beruflichen Erfolglosigkeit kam die Katastrophe, dass am 3. Juli seine Mutter Anna Maria in der Rue du Sentier 8 in Paris verstarb. Eine erschütternde Nahtstelle in Mozarts Leben, über die er sich in einigen Briefen ausgelassen hatte. War die danach folgende Komposition des Oboenkonzerts F-Dur wiederum ein Versuch Mozarts, sich in eine Welt jenseits der Realität zu flüchten? Aus welchem Grunde ist ihm – der doch wie kein anderer der „Komponist des Jenseits“ ist - dieses nicht gelungen und hat ihn zum Abbrechen der Kompositionen bewogen. Fragen über Fragen.... über die es sich lohnte, „musikalische Gedanken“ zu verlieren.
Daß ich immer wieder zum Komponieren „über Mozart“ komme, hat sicher mit der geheimnisvollen Doppelbödigkeit seines Lebens und Werkes zu tun. Er war ganz sicher vielmehr als nur der heitere Komponist und das göttliche Kind, für das man ihn vorschnell hält (vor allem in den Klassikprogrammen des mainstream-Radios). Mozart hat viele dunkle Seiten, von seiner Vorliebe für ‚Nachtmusiken’ (Konzerte im nächtlichen Stadtpark Wiens) bis zu seinem okkulten Leben als Freimaurer. Er war kein ‚nice guy’, nicht besonders ansehnlich, eher kleingewachsen, oft griesgrämig..... Und im Gegensatz dazu immer wieder diese himmlische Musik? Die Suche nach seinem Lebensrätsel hat mich bislang zu mehreren Werken inspiriert: "Mozart in New Orleans. Variationen über ‚House oft he rising suns’ für Klavier", die "Mozart-Mantras" für Klarinettenquartett, "At the Edge of Time. Reflections on Mozarts Requiem KV 626" in der Originalfassung für Orchester und in der Fassung für symphonische Orgel, und das "Kyrie für Chor und zwei Bassetthörner".
Wolfgang Amadeus Mozart, der „Komponist des Überirdischen“. Dorthin flog wohl – wie die Lerche in Ralph Vaughan Williams "Lark Ascending" - seine Seele nach einer unbeschreiblichen Lebensreise.