Kategorie:  Symphonie / Orchester

Obwohl Asien längst eine Industriegesellschaft mit besten Universitäten und einer beeindruckenden intellektuellen Oberschicht geworden ist, spielt die verborgene Welt der Dämonen und Geister immer noch eine große Rolle. Dies hängt auch mit dem hohen Stellenwert zusammen, den Familie, die Ahnen und die Verstorbenen einnehmen. Götter, Geister und Dämonen verursachen im Alltagsglauben - trotz aller wissenschaftlichen Aufklärung – immer noch Krankheiten und Schicksalsschläge. Diese werden von den Ahnen als Strafe für Fehlverhalten geschickt. Die chinesische Mythologie kennt eine Fülle von Ungeheuern und bösen Kräften, welche Mensch und Ordnung bedrohen. Die Welt dieser Mythen ist so reich und vielfältig, dass sie hier nur fragmentarisch angedeutet werden kann. Die Komposition „Hidden Worlds“ versucht, aus der Fülle einige Konstellationen schlaglichtartig zu verdeutlichen. In der solistischen Sheng finden sich dabei die eher persönlichen Emotionen und Ängste wieder; das Orchester repräsentiert das Geheimnisvolle der Dämonenwelt.

Sätze: HIDDEN WORLD OF DEMONS & SPIRITS
for Sheng and Chinese Orchestra

1: ZHONGYUAN - GATES OF THE HELL OPEN FOR HUNGRY GHOSTS

2: JIANGSHI - NIGHT OF THE UNDEAD

3: THE SECRET LAND OF GOOD SPIRITS

4: DAEMON RITUAL

Dauer: 30 minutes

Notenausgabe: Manuskript beim Autor , 2020

Besetzung: Sheng solo

Flutes: BangDi, QuDi,XinDi
Sopran-, Tenor- und Bass-Sheng
Sopran-, Alto- und Bass-Suona
Plucked Instruments: Yanquin – Liuquin, Pipa 1+2, ZongRuan, Daruan, Harp
Timpani and 5 percussion players
Strings: Gaohu, Erhu 1+2, Zhonghu, Gehu (Violoncello), Bass

Vorwort: Obwohl China – und ganz Asien - längst eine Industriegesellschaft mit Business World, besten Schulen, Universitäten und einer beeindruckenden intellektuellen Oberschicht geworden ist, spielt die verborgene Welt der Dämonen und Geister immer noch eine große Rolle. Dies hängt auch mit dem hohen Stellenwert zusammen, den Familie, die Ahnen und die Verstorbenen einnehmen. Götter, Geister und Dämonen verursachen im Alltagsglauben - trotz aller wissenschaftlichen und medizinischen Aufklärung – immer noch Krankheiten und Schicksalsschläge. Krankheiten – so das allgemeine Bewusstein – werden von den Ahnen als Strafe für Fehlverhalten geschickt. Die chinesische Mythologie kennt eine Fülle von Ungeheuern und bösen Kräften, welche Mensch und Ordnung bedrohen. Wie in den Mythologien weltweit sind „Dämonen“ Schicksalsmächte, „Geister“ und mahnende Stimmen des Gewissens, die unmittelbar auf die Menschen einwirken. Die Dämonologie des alten China kennt zwei den kosmischen Kräften Yin und Yang entsprechenden Gruppen: die „Shen“ als gute, Geister und die „Kuei“ (Guei) als die für böse erachteten Seelen der Toten, die kein Begräbnis erhielten (etwa bei Ertrunkenen) oder denen keine Ahnenopfer dargebracht wurden. Der „Drache“ ist beispielsweise eine bekannte mythologische Figur, die als Urahn der Menschen gilt, Jahreszeiten und Ernte bestimmt und der meist positive Eigenschaften (verbunden mit der Glückszahl neun) zugeschrieben werden. Viele Geister können nach dem Volksglauben Menschen auch Menschengestalt annehmen und mutieren zwischen „schöner verführerischer Frau“ und Schlange oder Füchsin… die Fülle hier ist unendlich.
Im chinesischen Alltag finden wir den Dämonenglauben erstaunlich präsent. So sind etwa die erhöhten und mühsam zu übersteigenden Türschwellen (vor allem der Tempel) zur Dämonenabwehr gebaut, da die Untoten durch ihre steifen Knien nur eingeschränkt mobil sein sollen. So sind auch etwa Hauseingänge oder Brücken und Stege (über Teiche) meist im Zickzack-Stil gebaut. Feng Shui ist eine regelrechte (teuer zu bezahlende Wissenschaft) geworden, wo mit Dachneigungen, Trennwänden und Krümmungen ein geordneter Fluss des Energiefeldes Chi reguliert wird. Es gibt auch besondere Orte wie die Geisterstadt Fengdu, die seit der Han-Dynastie als „Eingang zum Hades“ berüchtigt ist.
Der Hungrige Geistfesttag als Zhongyuan benannt ist einer von vier Festtagen, um die Ahnen anzubeten. Er wird am 15. Tag des siebten Mondmonats gefeiert. Am ersten Tag des siebten Monats werden die Geister der Verstorbenen aus der Hölle entlassen, wo ihnen dann - hungrig geworden - am Zhongyuan in den Familien Mahlzeiten hergerichtet werden. Traditionell vermeidet man im Geistermonat gefährliche Unternehmungen oder nächtliche Spaziergänge…
In vielen asiatischen Geschichten und Filmen spielen die „Jiangshi“, auch „hopping vampire“, „gangsi“ in Korea, „kyonshi“ in Japan, „phi dip chin“ in Thailand eine Rolle. Mit steifen Gliedmaßen, meist ausgestreckten Armen und Kleidung der Qing Dynasty gehen die Untoten umher und töten Lebewesen, um sich meist nachts von deren Lebensenergie Qi zu ernähren.
Die Welt all dieser Mythen, Sagen, Klassifizierungen und Berichten …bis hin zu konkreten Regulierungen von Alltag und moderner Gesellschaft sind so reich und vielfältig, dass sie hier nur fragmentarisch angedeutet werden können. Die Komposition „Hidden Worlds“ versucht, aus dieser Fülle einige Konstellationen schlaglichtartig zu verdeutlichen. In der solistischen Individualität der Sheng finden sich dabei die eher persönlichen Emotionen und Ängste wieder; das Orchester repräsentiert das geheimnisvolle der Dämonenwelt.

Widmung: Für Wu Wei, den Freund und endlos reisenden Virtuosen, der meine Musik in die ganze Welt trägt!

Uraufführung:  02.05.2020, Taipei/Taiwan

Uraufführung Interpreten: World-premiere:
2. Mai 2020 in Taipei/Taiwan mit TCO Taipei Chinese Orchestra,
Wu Wei (Sheng), conductor: Yu-An Chang