Kategorie:  Kammermusik , Orgel / Sacred Music

Sätze: Introduktion und Chaconne

Dauer: 11 Minuten

Notenausgabe: Schott Music , ED 20519 , 2009

Besetzung: Posaune (Tenor-Bass-Posaune) und Orgel (mit möglichst
3 Manualen und Pedal)

Soloinstrumente: Orgel

Vorwort: Das Mysterium von Golgatha ist ein zentrales Element der christlichen Religion: will ich eine Pflanze in ihrem zeitlichen Wandel begreifen, dann in ihrem Kontrast als Blüte und als Frucht; will ich Jesus begreifen, dann in Golgatha. Golgatha ist universale Chiffre weit über die christliche Lehre hinaus: Für Theodor Heuss (1884-1963) war "Europa auf drei Hügeln gebaut: Golgatha steht für den Frieden, die Akropolis für Demokratie und das Kapitol in Rom für die Rechtsstaatlichkeit". Für Rudolf Steiner (1861-1925) "ist das Mysterium von Golgatha ein alles übergreifendes kosmisches Ereignis, das nur einmal stattfindet im Laufe der ganzen kosmischen Menschheitsentwicklung". Für die deutsche Formation "Golgatha" der gothic scene ist Golgatha eine Grundidee, das Leiden der Welt, ihre Zerissenheit. In der apokryphen Schrift ?Schatzhöhle? ist Golgatha der Mittelpunkt der Erde, weil dort Sem auf Geheiß seines Vaters Noah den Leichnam Adams bestattet haben soll.
Im Markusevangelium, dem ältesten Evangelium, heißt es (Kap. 15,22): "Und sie trugen ihn an die Stätte Golgatha, das ist übersetzt der Ort des Schädels". In der aramäischen Sprache leitet sich der Name von "gal" - "die Welle" ab: "Galgal" ist das "Rad, die Umdrehung, die Seelenwanderung". "Golgatha" ist somit nicht nur der historische Ort, an dem Jesus gekreuzigt wurde, sondern bezeichnet vor allem die "Wandlung", den "jenseitigen Menschen", den "ewigen Mythos des Erlösens". In Zahlenmystik und Naturwissenschaft kennen wir die ?7? als Zahl der Wandlung und des Übergangs (vom Periodensystem der Chemie, den Kristall-Achsensystemen, den sieben Wochentagen bis zur siebenstufigen Tonleiter). In Analogie dazu hatte in 7 mal 7 Tagen nach Golgatha das Pfingsterlebnis stattgefunden, - aus Kreuzigung und Sterben ist der Heilige Geist als Ergebnis eines Wandlungsprozesses wesenhaft geworden: diese "jenseitige Dimension des Menschen" als Transformation des "Golgatha" muß Jahr für Jahr in der Gegenwart lebendig gehalten werden, ein wiederkehrendes Ritual als ewige Botschaft in Zeit und Raum.
Dies ist auch das Anliegen von "Golgatha" für Posaune und Orgel. In der Introduktion finden sich noch Last und Schwere des Passionsgeschehens. Im Mittelteil "Adagio doloroso" erklingt dann 7x7 (also neunundvierzig) Mal der glockenartig gespielte Ton Cis der Posaune, um in eine Chaconne im 7/8-Takt zu münden: Die Chaconne als kreisendes Harmoniemodell ist Sinnbild des ewig wiederkehrenden Rituals der Transformation; der 7/8-Takte mit seinen rätselhaft schwebenden Gewichtungen ist Sinnbild des Mysteriums. Der Klang der Posaune weckt in uns die ?endgültige? Diktion des "jüngsten Gerichts" als Zielpunkt alles Seins.

Widmung: Für Josef Still, Domorganist in Trier, - den ich nunmehr schon über fünfundzwanzig Jahre kenne und schätze

Uraufführung:  05.01.2009, Dom in Trier

Uraufführung Interpreten: Stefan Geiger, Soloposaunist im Symphonieorchester des NDR Hamburg, und Josef Still, Domorganist in Trier

Tonträger:  Organum classic OGM 291071,  2009

Tonträger Interpreten: Stefan Geiger, Soloposaunist im Symphonieorchester des NDR Hamburg, und Josef Still, Domorganist in Trier
Klais-Orgel im Trierer Dom