Kategorie:  Symphonie / Orchester

Sätze: 1: Die Ulme / Elm Tree
2: Miniaturen: Wurzeln – Stamm – Blätterkrone /
Miniatures: Roots – Trunk – Leafes crown
3: Die Fichte / The Spruce

Dauer: 33 Minuten

Notenausgabe: Ries&Erler Musikverlag Berlin , 2017

Besetzung: Percussion Solo........................................
Marimba, großes Set von 8 Daikus, große Bass-Trommel, 2 Sets von woodblocks, temple blocks, 1 Set von Holzbrettern/Holzklingern, Bamboo Chimes, Tamtam, 2 hängende Becken (groß/klein), crotales, Schwirrholz, 2 Röhrenglocken (h und h1), Waterphone (es können phantasievoll Holzklänge, Platten, Bretter u.a. gebaut und genutzt werden)
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Orchester..................................................
2 Flöten (2. auch Piccolo)
2 Oboen (2. Auch Englischhorn)
Klarinette
Bassklarinette
2 Fagotte (2. auch Kontrafagott)
3 Hörner
2 Trompeten
3 Posaunen (T T B)
Pauke (auch mit Triangel)
1 Schlagzeuger (Basstrommel, snare drum, Tomtom tief, Vibraphon, Glockenspiel, Tamtam, 2 hängende Becken, Triangel, Chimes (bamboo und metal), woodblock, claves

Vorwort: Bäume mit ihrem Lebensalter bis zu vielen tausend Jahren leben in einer anderen Zeitlichkeit als der Mensch. Sie wurden oft als Götter verehrt oder waren Sitz von Gottheiten. Allen Kulturen war die Achtung vor Baum und Wald wichtig. Die geheimnisvolle Mystik von „Wald“ wird von jedem Menschen erspürt:
Waldluft befreit und ist voller Duftstoffe, senkt den Blutdruck und bietet je nach Baumarten viele Heilwirkungen. Die Urform des Baumes ist seine mythisch-religiöse Verbindung von Himmel (Krone) und Erde (Wurzeln). Der Baum ist somit Vermittler zwischen materieller und geistiger Welt.
In seinem Buch „Das geheime Leben der Bäume. – Was sie fühlen, wie sie kommunizieren – die Entdeckung einer verborgenen Welt“ hat Peter Wohlleben ein grandioses Plädoyer für die Verehrung der Bäume gehalten, dem dieses Schlagzeugkonzert sehr verpflichtet ist. Es ist eine Welt gigantischer Superlative, die einen klein und bescheiden werden läßt. Vielleicht motiviert es, sich dieser nahezu kosmischen Parallelwelt der Bäume mit ihren individuellen Charakteren (die schon von den Kelten in einem kalendarischen Baumkreis überliefert sind) zu widmen. „Irgendwann begegnet jeder Mensch dem Baum....“ schreibt Renato Strassmann, (Baumheilkunde. Heilkraft, Mythos und Magie der Bäume): „Die Bäume sprechen eine Sprache, die nur in der offenen Begegnung mit ihnen zu vernehmen ist. Körper, Seele und Geist verstehen diese Sprache und werden berührt.“
Aus der unendlichen Fülle dessen, was die Welt der Bäume uns zum Nachdenken und zur Meditation anbietet, wurden in den zwei Ecksätzen des Konzerts die Ulme und die Fichte exponiert, im Mittelsatz die Trias von Wurzelwerk, Baumstamm und Baumkrone. Nicht nur das Solo-Schlagzeug verwendet bevorzugt „Holzklänge“ (von Marimbaphon, woodblocks , Schwirrholz bis zu selbstgebauten Holzklingern). Auch im Orchester wird viel „col legno“ (mit Holz) gespielt und mit feinen Holzstäbchen kann Waldwispern gezaubert werden.

Informationen zur „Ulme“ (ulmus):
Die Ulmengewächse (Ulmaceae) werden auch Rüster, Rusten, Effe , Elfenholz oder Riesche. Eine Ulme steht 43 mtr steht im Berchtesgadener Land auf der Halbinsel St. Bartolomäe/Königsee. Vor rund 12000 Jahren überstanden Ulmen die letzte Eiszeit mit riesigen Laubwäldern, wurden dann von den Nadelhölzern (Tannen-Fichten) zurückgedrängt. Die Ulme war bei den Griechen dem Hermes, bei Römern dem Merkur (Prinzip der Beweglichkeit). Die Symbolik in der Antike war aber Tod und Trauer. Ulmen wurden gerne in Totenhainen angepflanzt.
Das zähe Ulmenholz war im Mittelalter begehrtes Baumaterial für Wagenräder, Glockentürme, Schiffsbau. In Skandinavien machte man aus der Rinde nährstoffreiches Brotmehl. Auch die Blätter sind essbar und stillen von allen Baumblatt-Arten am besten den Hunger. Die Ulme ist sozusagen Freund des Menschen. Man tankt Mut und Lebenskraft unter den bis 40 Meter hohen und oft 500 Jahre alten Baumriesen. Die Ulme oder Ilme findet sich in vielen Ortsnamen wie Ulm, Elm, Elmau, Ilmenau, Iffldorf, Iffigheim, Iffens (dänisch: alm, englisch: elm, polnisch: Ilm, russisch: Ilma).
Ulmen strahlen Zuversicht aus, sind Quelle der Kraft und geben das Gefühl der Sicherheit
Der menschliche Charakter der Ulmen-Geborenen (nach dem keltischen Baumkalender 12.1.-24.1. und 15.7.-25.7. ) strahlt dieselbe Zuversicht aus. Es sind starke Persönlichkeiten, die sich kaum unterordnen können. In der Bachblütentherapie sind Ulmen Heilmittel gegen das Gefühl, seinen Pflichten nicht gewachsen zu sein. Hildegard von Bingen hielt die Ulme als Gichtmittel wegen der vielen Gerbstoffe mit Harz, Gummi, Bitterstoff in großen Ehren.
Grundsätzlich hat die Ulme lösenden Charakter. Auch psychologisch lehrt sie uns, das vermeintlich Unlösbare von der anderen Seite her zu betrachten und aufzulösen.

Informationen zu „Wurzeln-Stamm-Blätterkrone“
Das große Geheimnis des Baumes ist unsichtbar unter der Erde. Nicht nur, dass die Wurzeln mehr als das Doppelte der Kronenbreite einnehmen, vielmehr bilden sie Symbiose mit Pilzgeflechten als ein „wood-wide-web“ um Informationen der Baumsprache durchzugeben. Wie Glasfaserleitungen ist da alles (auch zwischen den Bäumen) vernetzt. Ein kleiner Teelöffel Walderde enthält mehrere Kilometer dieser Hyphen. Und es knackt auch akustisch: vor allem im Bereich von 220 Hertz sind die Knacktöne der Wurzeln zu vernehmen.... eine inspirierende perkussive Idee.
Und das Wunder „Baumstamm“, wo Wasser entgegen der Schwerkraft bis zu 60 Meter hochsteigt: Eine mittlere Buche lässt täglich 500 Liter Wasser hochfließen. Geschieht dies nicht und bekommt der Baum Durst, so hört man im Ultraschallbereich Schreie und Laute. Nachts vernimmt man auch das leise Rauschen, wenn sich die Bäume mit Wasser Aufpumpen. Eine surreale akustische Welt. Und alles gipfelnd in der Blätterkrone mit ihrem Wunderwerk der Photosynthese, ohne die es kein Leben für uns atmende Wesen gäbe.

Informationen zur „Fichte“ (picea):
Fichte und Tanne sind Nadelbäume, die man leicht verwechselt. Sie sind botanisch differenzierbar, werden jedoch in den Mythen und in der Heilkunde identisch behandelt.
Aus dem Tannensud der Nadelbäume fertigte man Honig, Bier und Tee. Spazieren im Nadelholz senkt Blutdruck und stärkt Nerven. Wirksam sind vor allem die ätherischen Öle, das Harz und die Gerbstoffe: das seit Hippokrates aus Fichten gewonnene Terpentin ist heilkundlich ebenso bedeutend wie der Einsatz bei Rheuma und Erkältung durch Hildegard von Bingen. Kräuterkissen gefüllt mit Nadeln von Fichte oder Tanne fördern den Schlaf und stärken Nerven. Bevor Weihrauch und Myrrhe ins Abendland kamen, wurden Tannen- und Fichtennadeln als Räuchermittel gegen belastende Stimmungen eingesetzt.
Im keltischen Baumhoroskop ist Fichte nicht einzeln ausgewiesen, sondern mit der Tanne subsumiert 2.1.-11.1. und 5.7.-14.7. sind die Baumgeborenen zu finden. Der als „Baum des Lichtes“ vielbesungene Tannenbaum war meist eine Fichte, auch Rottanne bezeichnet. Der Weihnachtsbaum geht auf die vorchristliche Verehrung der Wintersonnenwende zurück. Die zwölf Raunächte vom 25.12. bis 6.1. sind die Wurzeln des heidnischen Brauchtums gewesen. Um die bösen Geister fernzuhalten, schmückte man Haus und Hof mit immergrünen Pflanzen.
So traurig eine Fichten-Monokultur als Nutzholzplantage ist, so spektakulär sind die wilden einzelstehenden Fichten. Rund um den Berchtesgadener Naturpark ist
eine Fichte in der Röth ist mit 47,6 Metern der höchste Baum der Region.
In einem Felssturz liegt unweit davon der bizarre Fichten-Zauberwald der zu den 100 schönsten Biotopen Bayerns gehört. Der älteste Baum der Welt ist kein Mammutbaum sondern eine Fichte: sie steht im schwedischen Nationalpark Fulufjället und ist 9552 Jahre alt, genannt Old Tjikko.

Der psychologische Aspekt der Fichte ist recht einheitlich: Unter den dichten Zweigen entwickelt sich beschauliche Ruhe, Aufforderung zur Besinnung. Das Immergrün ist Symbol des ewigen Lebens was auch zum Symbol des Totenkranzes (mit Kreisform und Grün) führte. Treffend wurden Fichte und Tanne als „Wächterin über das Mysterium Leben“ bezeichnet und war schon immer mit dem Wunder der Geburt, auch den Schmerzen für Mutter und Kind verbunden.
Die Fichte ist vielseitig nutzbar. Schon bei den Griechen gerne als Schiffsmast, als beständiges Holz bei Dachschindeln, Aufbewahrung von Chemikalien. Tannen und Fichten haben von allen Bäumen den geradesten und längsten Holzstamm. Im Musikinstrumentenbau nutzt man Fichtenholz gerne als Resonanzboden und schätzt die Klangkraft.

Widmung: ...David Panzl herzlich gewidmet

Uraufführung:  23.06.2017, Theater Bad Reichenhall

Uraufführung Interpreten: 23.6.2017 Philharmonie Bad Reichenhall, Solist: David Panzl, Leitung: Wolfgang Lischke
Das "Naturprogramm" enthält auch die Freischütz-Ouvertüre von Carl Maria von Weber sowie die Sinfonie VI. "Pastorale" von Ludwig van Beethoven. Begleitend zum Konzert gibt es eine Malerei-Ausstellung zum Thema "Baum", wo unter Leitung von Ingrid Floss in der Mal-Akademie Bad Reichenhall Bilder erarbeitet wurden.