Kategorie:  Symphonie / Orchester

Sätze: 1: ROSA CANINA (HUNDSROSE)
2: WEISHEIT DER BÄUME
3: SALVE REGINA
4: FEUERSTURM: UNIO MYSTICA

Dauer: 26 Minuten

Notenausgabe: Strube-Verlag München , 2016

Besetzung: Flöte solo
Orgel solo
Englisch Horn, Klarinette (auch Bassklarinette), Fagott
3 Waldhörner
Pauke
2 Schlagzeuger
Großes Streichorchester (mit Vl 1+2,   Viola 1+2,  Violoncello 1+2,  Kontrabass)

Soloinstrumente: Flöte, Orgel

Vorwort: Bernhard von Clairvaux (1090-1153) – der „weiße Mönch“ und Gründer des Zisterzienserordens - war die große Gestalt des 12. Jahrhunderts, der „ungekrönte Papst und Kaiser seiner Zeit“, der alle Bischofswürden abgelehnt hatte, der als Gegenpol zur Christusmystik die Marienmystik (Marienverehrung) ins Spiel brachte, daher auch „Doctor marianus“ genannt wurde und im Speyrer Dom (dort in Boden eingemeisselt) der Legende nach die Fortsetzung „O clemens, o pia, o dulcis Virgo Maria“ des „Salve Regina“ gedichtet hatte. – Gleichwohl war Bernhard von Clairvaux weit entfernt, ein dem Denken fernstehender bloßer Gefühlsmensch zu sein. Viele seiner (in mehr als 15 Bänden erhaltenen) Briefen, Predigten und Schriften nehmen die Radikalität eines Meister Eckart durchaus vorweg: etwa Aussagen wie „Umsonst fragst du die Schrift um Auskunft, frage lieber die Erfahrung“ oder „Bäume werden dich Dinge lehren, die dir kein Mensch sagen wird!“
Das Novum der Zisterzienser war die Ausrichtung auf die Liebe als höchste Form der Wahrheit und der Gotteserkenntnis. Gott ist nicht mehr nur „Herr“ und der Mensch sein Untertan. Gott und die Seele sind Partner, die einander lieben.
Die Frömmigkeit Bernhards ist affektiv, gemütsbetont und emotional. Von der Verehrung der Menschlichkeit Christi war es ein naher Schritt zu Verehrung der Mutter Maria. Bernhards Marienminne war von glühender Begeisterung. Sie steht übrigens im Einklang mit der damaligen Troubadoursmusik und Frauenverehrung.
In der solistischen Verbindung von kraftvoller Orgel und zarter Flöte spiegelt sich die Doppelnatur des Bernhard von Clairveaux: äußerlich organisierte er Kreuzzüge und war politischer Stratege des mittelalterlichen Europa; innerlich war er Poet, von Liebe und Marienverehrung durchdrungen.


ANMERKUNGEN ZU DEN SÄTZEN:
1: Rosa Canina
Die fünf Blütenblätter der Hundsrose (auch Dornrose, Wildrose, Hagebutte) verkörpern für Bernhard die fünf Kreuzwunden. „Rosa Canina“ ist Symbol der Christusmystik. Die „Fünf“ steht in der Zahlensymbolik aller Mythen, Märchen und Kulturen für „Liebe“: etwa die jährliche 5er-Bewegung des Planeten Venus und die damit verbundene Fünferstruktur der venusabhängigen Pflanzen wie Quitte, Weinstock, Rose (die weltweit als Symbole der Liebe und Hochzeit gelten).

2: Weisheit der Bäume
Experto crede: aliquid amplius invenies in silvis quam in libris. Ligna et lapides docebunt te, quod a magistris audire non possis. (um 1125 an den engl. Scholaren Henry Murdec) - Glaub dem Erfahrenen: Viel Wichtigeres als in den Büchern findest du in den Wäldern. Bäume und Steine lehren dich, was du von Lehrern nie vernimmst.

3 : Salve Regina (Antiphon) Die Verehrung Marias durch Bernhard von Clairveaux ist im Kontext des Minnegesangs und der poetischen Frauenverehrung des 12. Jahrhunderts zu sehen.

4: Flammend & Maßlos: Unio Mystica
(aus der 67. Predigt über das Hohelied der Liebe:) Sic flagrans ac vehemens amor, praesertim divinus, cum se intra se cohibere non valet, non attendit quo ordine, qua lege, quave serie seu paucitate verborum ebulliat, … solis ad hoc contentus suspiriis. (Sup. Cant. 67,3)
- Eine derart lichterloh brennende, heftige Liebe kann nicht an sich halten, zumal sie göttlich ist. Sie achtet weder Ordnung noch Gesetz noch Reihenfolge oder Sparsamkeit der Worte. Sie sprudelt einfach los. Ihr genügt es, stammelnd zu seufzen.
O amor sanctus et castus! O dulcis et suavis affectio! … Sic affici, deificari est. (Dil. X,28)
O heilige und lautere Liebe! O süßes, köstliches Liebesverlangen! Derart gepackt zu werden, heißt vergöttlicht werden.




Widmung: Roman Perucki und Lukasz Dlugosz herzlich gewidmet

Anmerkungen: Kompositionsauftrag der Baltischen Philharmonie Danzig für das Eröffnungskonzert des Orgelfestival in Olivs/Gdansk. Der Bezug zu dem Hlg. Bernhard von Clairvaux ergibt sich dadurch, dass Basilika und Kloster Oliwa eine Gründung des Zisterzienserordens ist, der seinerseits vom Hlg. Bernhard gegründet wurde

Uraufführung:  05.07.2016, 5.7.2016 Basilika in Oliwa/Gdansk

Uraufführung Interpreten: Lukasz Dlugosz (Flauto) Roman Perucki (Organo), Baltische Philharmonie Danzig, Leitung: Arno Hartmann