CHINESISCHE JAHRESZEITEN. Sinfonie Nr.3 für Alt, Sheng und Orchester (in Nachdichtungen chinesischer Lyrik von Hans Bethge) (2008)

Dauer: 33

Sätze: 1: Sommer 7:30 2: Herbst 7:00 3: Winter 7:50 4: Frühling 10:30

Besetzung: Solisten: Alt (Mezzosopran) g - f2 Sheng (chinesische Mundorgel, chromatische Stimmung) Orchester: Flöte 1 (auch Piccolo) Flöte Englischhorn (in F) Klarinetten 1+2 (in B) Bassklarinette (in B) Fagotte 1+2 Waldhorn 1-3 (in F) Harfe Klavier 3 Pauken (Des-Bb/ F-d/Bb-f#) Schlagzeug 1: gr. Trommel, Tamtam, 5 woodblocks, Triangel (mittel), Lotusflöte, Claves, Donnerblech 1 (mittlere Metallplatte), crotales (chromatisch, tiefe Oktave) Schlagzeug 2: Vibraphon, Triangel (klein), 3 Gongs (tief-tief-mittel, ad lib. C/D/G), Lotusflöte, Donnerblech 2 (groß/tiefe Metallplatte), 3 hängende Becken. 3 Tempelblocks, Metallchimes, Tomtom (oder chinesische Trommel/mittel) Großes Streichorchester : 14 Violine 1 12 Violine 2 6 Viola 1 6 Viola 2 6 Violoncello 1 6 Violoncello 2 8 Kontrabässe

Textdichter: chinesische Gedichte in der Nachdichtung von Hans Bethge

Notenausgabe: Schott Music, als Leihmaterial bei Schott Music, 2010

Vorwort: III. SINFONIE "CHINESISCHE JAHRESZEITEN" für Alt, Sheng und Orchester
ist eine lyrische Sinfonie, in der behutsam eine Brücke zwischen der deutschen und chinesischen Kultur geschlagen wird: verbindende Elemente sind die großartigen Nachdichtungen chinesischer Lyrik von Hans Bethge (1876-1946), die vom Alt gesungen werden, sowie die Klangwelten der "Sheng", der jahrtausendealten chinesischen Mundorgel, deren Farbenreichtum von leise vibrierender Einstimmigkeiten bis zu explosiv ausladender Polyphonie reicht. Das begleitende grosse Symphonieorchester tritt in einer Klangsprache dazu, die sowohl westliche wie östliche Elemente enthält. Überraschend ist die psychologische Typologie des chinesischen Jahreslaufs: dieser beginnt mit dem Sommer und seiner reichen Üppigkeit voller Farben; ihm folgt der Herbst mit einer Melancholie des Abschieds und des Einschlummern allen Lebens, gefolgt von der Starre des Winters, der für Trauer und Regungslosigkeit steht. Klimax ist jedoch der Frühling: ein ekstatisches Wiederfinden des Lebens, der Rausch des Daseins und der Schönheit.
In diesem Sinne werden in der etwa 35-minütigen Sinfonie alle archetypischen Stationen des Menschseins durchschritten und durchlebt. Während hierbei die Singstimme (ein großmelodischer Bogen für einen dramatischen Alt, gesungen von Camilla Ueberschaer) die Handlung schildert und konkrete Bilder evoziert, verliert sich die Sheng (ebenso virtuos wie poetisch gespielt von Wu Wei, der schon 2002 die "Veränderungen". Konzert für Sheng und Orchester von Enjott Schneider aus der Taufe holte und seitdem vielfach spielte) in meditativen Stationen als Raum für ein tiefes In-Sich-Gehen.
Widmung: Ingeborg Schneider herzlichst zugeeignet, - zur Erinnerung an die Hochzeit 1972 vor fünfunddreissig Jahren
Anmerkungen: Text: SOMMER Wie hurtig unsere leichte Barke schwebt! Wir steuern sommertrunken durch das land des weißen Dunstes und der grünen Wälder. Von Schwärmen bunter Vögel sind wir ganz umgeben; hoch getürmte Wolken treiben phantastisch über unseren Häuptern fort. Das Bild der schroffen Berge liegt so klar auf dem Gewässer hingemalt. Es folgt mit leisem Zittern unserer Barke nach. Bald klingt ein Echo aus den Felsengründen bald kommt ein stilles, abgeschiednes Tal, das wir mit einem Liede freundlich grüßen. Wir wollen halten! Männer an den Riemen lasst eure Hände ruhn, dass wir uns laben an dieser Landschaft märchenhaftem Bild. Tsui-Hao HERBST Vom Osten kommend hat die milde Sonne des Herbstes nun die Wiesen überquert und stirbt im Westen in den großen Bergen. Ein Schimmer blüht am Firmament. Die Bäume glühn oben rosarot. Der Wind des Abends löst von den Zweigen still das letzte Blatt. Ein Storchenweib, einsam und voller Trauer fliegt zögernd seinem Neste zu, als hoffte es des toten Gatten Rückkehr zu erleben. Scharen von Raben heben ein Gekrächz um die erloschnen Bäume an. Der Halbmond steigt voller Schwermut in die kühle Nacht. Thu-Fu WINTER Nun ist der Winter da. Wie eine Wolke von weißen Schmetterlingen sank der Schnee. ganz lautlos auf die harte, kühle Erde. Des Landsmanns Blick ist trübe und verloren, still schließt er die Geräte in sein Haus, sein Herz ist voll von namenloser Trauer. Die Erde, seine Freundin, ist nun tot. Da er im Frühjahr ihr die Saat vertraute, gab er ihr alle seine Sehnsucht mit. Als dann die Saat aufwuchs, fand er selig all seine Sehnsucht in Erfüllung wieder, er jubelte und sang und war beglückt. Doch nun ist alles aus. Wie eine Wolke von weißen Schmetterlingen sank der Schnee ganz lautlos auf die harte, kühle Erde... Su-Tong-Po FRÜHLING Der holde, liebe Frühlingsregen weiß wann die NPatur ihn sich ersehnt. Er naht, und neues Leben blüht auf seiner Spur. Der hat die Nacht gewählt zu seiner Ankunft, er kam auf einem weichen, warmen Winde. und netzte alles sanft mit seinem Tau. Die Wolken lagen gestern Abend dunkel Über dem Weg, der mich nach Hause führte, einzelne Lichter blinkten auf dem Strom. Nun in der Frühe leuchten alle Felder, der Himmel lacht, und süßer Duft der Blumen quillt wohlig aus den kaiserlichen Gärten. Thu-Fu

Uraufführung: 24.07.2008, St. Xaver in Leoben
Uraufführung Interpreten: Uraufführung am 24.7.2008 in der Jesuitenkirche St.Xaver in Leoben/Steiermark mit Camilla Ueberschaer (Alt), Wu Wei (Sheng) und der Pannonischen Philharmonie, Ltg.: Alois J. Hochstrasser
Uraufführung Presseberichte: Kleine Zeitung/Graz (Steiermark): CHINAS JAHRESLAUF IN ST: XAVER GING EINDRINGLICH INS OHR. Applaus ohne Ende...

Hörbeispiele:

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