Die faszinierenden Möglichkeiten, die sich aus den Möglichkeiten einer Verbindung der reichen Orgelfarben mit solistischen Instrumentalfarben ergeben, haben zu einer Reihe interessanter Kompositionen geführt.

NEKYIA für Oboe (Englischhorn) und Orgel - es existieren auch CD-Einspielungen mit Panflöte oder Saxophon -  (Notendruck ED 8676 beim Schott Music), nimmt auf den antiken Mythos der "Hadesfahrt" Bezug: So wie Licht und Schatten oder Berg und Tal zusammengehören, so braucht jede geistige Höherentwicklung den Weg durchs Dunkle, durch den physischen Tod. Schon in den schamanistischen Urkulturen war Initiation mit Todeserlebnis und – angst verbunden. Orpheus musste in den Hades, um Eurydice zu retten, Christus musste vor seiner Auferstehung den Kreuzestod sterben. 

CRUCIFIXUS für Saxophonquartett und Orgel, 1: Toccata, 2: Adagio, 3: Marcia funebre (Fuge) wurde im Bachjahr 2000 als Kompositionsauftrag der Stadt Erfurt für das Raschér Saxophone Quartet komponiert und mit Silvius von Kessel im Erfurter Mariendom uraufgeführt. Die Bezüge zu Bach sind mannigfaltig: Grundidee war es, ein "Crucifixus" über den berühmten Ostinato-Bass aus Bachs h-moll-Messe zu schreiben und hier dem großartigen Schmerzenston des Originals gerecht zu werden. Daneben gibt es auch andere Bachbezüge: etwa das eingeflochtene Tonmotiv B-A-C-H oder die Formidee seines Orgelstücks "Toccata, Adagio und Fuge". Eingespielt mit dem Raschèr Saxophone Quartet auf der CD IN PRINCIPIO - HIOB – CRUCIFIXUS.

JUBILUS für 2 Trompeten, 2 Posaunen und Orgel paraphrasiert eine archaische Form der melismatischen Melodieführung ohne Text, die seit altem Orient, Antike, synagogalem Gesang und christlicher Frühzeit bekannt ist und als Bestandteil des "Allelujahs"seit dem Mittelalter auch überliefert ist. Die Grundhaltung ist positiv, voll Freude und Vertrauen in die sichtbare und unsichtbare Welt.. Augustinus definierte den Jubilus als "sonus quidam significans cor partiture quod dicere non potest" ("ein Ausdruck dafür, dass das Herz etwas sagen möchte, was unsagbar ist"). Die ältesten abendländischen Melodiefassungen sind als Mailänder Mess-Alleluja (8. bis 12. Jahrhundert bekannt). Die Komposition geht von der "primae melodiae" des bekanntesten Mailänder Jubilus aus, die als Motto vorangestellt ist (sie kann ad libitum auch einleitend gesungen werden). Die Sätze:

1: Jubilus I:Hoketus, 2: Erste Meditation,  3: Jubilus II:Kanon, 4: Zweite Meditation, 5: Jubilus III:Rondo. 

Der Orgelpart ist anspruchsvoll und konzertant. Es empfiehlt sich eine Aufführung mit Dirigent. Noten bei Schott Music.

EXCLAMATIO FÜR TROMPETE UND ORGEL  thematisiert den "Schrei" in facettenreicher Art: Aus dem noch allgemeinen und fanfarenhaften Schrei um Aufmerksamkeit wird der Wutschrei, dann ein sehnsüchtiges Schreien, der Schrei nach Liebe, dann eine Steigerung zum Kampfschrei. Im abschließenden Adagio-Teil verinnerlichen sich alle bislang eingeführten Motive des aggressiven Tönens und werden zur stillen Klage oder Bitte, - der verstummende Schrei zeigt sich hierbei als die intensivste Exclamatio. Dauer: 7 Minuten. Noten bei Schott Music ED 9325. 

GETHSEMANE FÜR TROMPETE UND ORGEL thematisiert  in seinen 9 Minuten Stimmung und Geschehen des letzten Auftritts Jesu vor seiner Gefangennahme im Garten Gethsemane. In den Evangelien wird einheitlich berichtet, dass dieses Geschehen von inständigem dreimaligem Beten ebenso erfüllt war wie vom Ermahnen der Jünger, doch wach zu bleiben und in den letzten angstvollen Stunden Beistand zu gewähren. Auf Basis einer 12Ton-Reihe sind Motive und vor allem eine Chaconne abgeleitet, durch die  das wiederkehrende Moment des inständigen und verzweifelten Betens darstellbar wurde. Die freischwingende (fast endlos zu atmende) Linie der Trompete verweist auf die schon von allem Irdischen losgelöste Geistigkeit Jesu, der inmitten seiner Jüngerschar sich seiner Singularität und Einsamkeit bewusst wird. Noten bei Schott Music TR22.

YINYANG. TOCCATA UND MELISMA FÜR TROMPETE UND ORGEL. 14 Minuten. „YinYang“ ist im Taoismus die Vereinigung der polaren Gegensätze. Genauso verhält es sich mit unserem Gegensatzpaar: „Toccata“ ist ein kraftvolles, stabil gebautes, kantiges, eckiges Musikstück mit Staccato als Wesensform; „Melisma“ ist ein geschwungenes, luftiges und  rundes Gebilde mit Legato als Wesensform. Diese Polarität ist so elementar wie „Mann und Frau“. Deshalb ist gehört es zum YinYang-Symbol, dass sich die geschwungene melismatische Linie kontrapunktisch mit der toccatenhaften Motorik vereinigt und somit ein jubelndes Lob der Ganzheit – ob im christlichen oder taoistischen Sinne - erklingt. Noten bei Schott Music

VIVALDISSIMO für 2 Trompeten und Orgel verbindet die Lust an virtuoser Motorik mit dem postmodernen Vergnügen, stilistische Gegensätze zu verbinden: Satz I kombiniert Bausteine Vivaldischer Art mit repetitiven Streicherpattern,  Satz II überträgt dodekaphone Technik auf den Gestus eines barocken „Pastorale“,  Satz III verbindet Presto-Motorik mit der Serenita in Art von Nino Rotas Musik zu italienischen Fellini-Filmen. Noten bei Schott Music als Edition TR23. Dauer: 14 Minuten

GOLGATHA. INTRODUKTION UND CHACONNE FÜR POSAUNE UND ORGEL Das Mysterium von Golgatha ist ein zentrales Element der christlichen Religion. In der aramäischen Sprache leitet sich der Name von „gal“ - „die Welle“ ab: „Galgal“ ist das „Rad, die Umdrehung, die Seelenwanderung“. „Golgatha“ ist somit nicht nur der historische Ort, an dem Jesus gekreuzigt wurde, sondern bezeichnet vor allem die „Wandlung“, den „jenseitigen Menschen“, den „ewigen Mythos des Erlösens“. In Zahlenmystik und Naturwissenschaft kennen wir die „7“ als Zahl der Wandlung und des Übergangs. In Analogie dazu hatte  in 7 mal 7 Tagen nach Golgatha das Pfingsterlebnis stattgefunden, -  aus  Kreuzigung und Sterben ist der Heilige Geist als Ergebnis eines Wandlungsprozesses wesenhaft geworden: diese „jenseitige Dimension des Menschen“ als Transformation des „Golgatha“ muß Jahr für Jahr in der Gegenwart lebendig gehalten werden, ein wiederkehrendes Ritual als ewige Botschaft in Zeit und Raum.

      Dies ist auch das Anliegen von „Golgatha“ für Posaune und Orgel. In der Introduktion finden sich noch Last und Schwere des Passionsgeschehens. Im Mittelteil „Adagio doloroso“ erklingt dann 7x7 (also neunundvierzig) Mal der glockenartig gespielte Ton Cis der Posaune, um in eine Chaconne im 7/8-Takt zu münden: Die Chaconne als kreisendes Harmoniemodell ist Sinnbild des ewig wiederkehrenden Rituals der Transformation; der 7/8-Takte mit seinen rätselhaft schwebenden Gewichtungen ist Sinnbild des Mysteriums. Der Klang der Posaune weckt in uns die „endgültige“ Diktion des „jüngsten Gerichts“ als Zielpunkt alles Seins.

WILLST EINE WELT DU SCHAUN...Fünf Stücke für Violine (auch Klarinette oder Panflöte) und Orgel (Klavier) In fünf Sätzen, deren Titel zusammengelesen ein Gedicht des englischen Mystikers William Blake ergeben,  ist ein Zyklus von musikalischen Mandalas entstanden, die zunächst für Klavier komponiert waren, ihrer spirituellen Einfachheit wegen gerne auch in Kirchenräumen (von der Orgel begleitet) aufgeführt werden. Notendruck im Muscal Verlag München MU 007, dort ediert in der Fassung für Panflöte, jedoch kompatibel für Violine und Klarinette. Mit Panflöte eingespielt auf der CD  "The Art of Pan" von Ulrich Herkenhoff. 

SO ICH MICH SELBER LESE... Drei Meditationen für hohe Stimme und Orgel nach Texten von Jakob Böhme, 1987/88, Notenmaterial beim Autor, Die Texte des Görlitzer Mystikers (1575-1624) gehören zum tiefsinnigsten Ideengut des Abendlands. Die Sätze: "So ich mich selber lese…", "…eine kleine Welt aus der großen", "das große Buch Himmel". Auf der WERGO-CD "Klänge des Lichts" eingespielt mit Renate Düerkop und Harald Feller. 

TENEBRAE. Tropus für  Sopran, Violine und Orgel. Eine Tropierung der Motette "Tenebrae factus sunt" des niederländischen Meisters Davide Perez; 1990, Notenmaterial bei Schott-Verlag Mainz ED9668. Ein zwanzigminütiges Werk, das zwischen mittelalterlicher Archaik (Hoketus), Opernpathos à la Verdi oder Gounod und avantgarde-Klängen kunstvoll changiert und schon sehr oft aufgeführt worden ist. Vor allem der Violinpart bietet auch Raum zu opulenter Klangentfaltung. Auf der WERGO-CD "Klänge des Lichts" eingespielt mit Renate Düerkop. 

FIVE ROSES. Fünf Lieder für Altstimme und Orgel (2002); Notenmaterial beim Autor, Texte nach mittelalterlichen Vorlagen übersetzt von Michael Korth, englische Version Dean Wilmington. Die "Rose" ist ein rätselhaftes Symbol der religiösen und mythischen Welt, sie symbolisiert Maria, Unschuld, wie Lust und Leid. 

IM NAMEN DER ROSE. Requiem  für Countertenor  (Altstimme) und Orgel. Texte von Michael Korth nach mittelalterlichen Vorlagen, englische Version von Dean Wilomington. Notenmaterial (deutsch/englisch) beim Autor. Ein gewaltiger vierzigminütiger Zyklus, der von Derek Lee Ragin (der "Farinelli"-Stimme des gleichnamigen Kinofilms) und von Johannes Skudlik 2002 im Konzerthaus Dortmund uraufgeführt wurde. Struktur: Fünf "Rosen" (positiv besetzten Texten) werden fünf Dornen (dokumentarische Texte von Hexenverfolgung, Folter, Bauernaufstand etc.) gegenübergestellt, jeweils abgerundet von einem Orgelinterludium. Nach und nach kommen die Textfragmente eines bedrückenden Requiems zum Vorschein.