RINGELNATZ-SUITE FÜR SAXOPHONQUARTETT wurde 2009 vom Ensemble panta rhei bei den Europäischen Festwochen Passau uraufgeführt. Die sechs Miniaturen sind freie Kompositionen, die durch Gedichte von Joachim Ringelnatz poetisch inspiriert wurden. Dessen Humor, Ironie, Alltagsakrobatik, wetterwendische Stimmungsumschwünge und Groteske wurden versuchsweise in die musikalische Textur übertragen. Die Gedichte können in Konzerten auch gelesen werden.
1: Das Ei /2: Übergewicht /3: Der Komiker /4: München (An die Schwiegereltern) /5: Das Mädchen mit dem Muttermal / 6: Jerusalem.
Die Noten sind bei Schott Music erschienen.
PANTA RHEI. MANTRAS FÜR SAXOPHONQUARTETT wurde für das gleichnamige Saxophonensemble komponiert. „Mantras“ sind im Hinduismus und Buddhismus heilige Sätze, Kernaussagen, „Instrumente des Denkens und der Rede“. Sie wurden an das Göttliche als Verehrung und Weg der Konzentration gerichtet und bestehen vor allem aus Wiederholungen von Silben und Worten. In diesem Sinne enthält in „Panta Rhei“ jeder Satz eine Grundmotiv (vor allem eine rhythmische Grundgeste), das variativ und kreisförmig, aber nicht identisch wiederholt wird, - eben in ewigem Fließen.
1: Prelude / 2: Liquid Chrystal /3: In Memoriam Viktor Schauberger / 4: Panta Rhei . Die Noten sind bei Schott Music erschienen.
URKULTUR I für vier Schlagzeuger ist ein Kompositionsauftrag für Peter Sadlo und das Schleswig Holstein-Musikfestival 1988 und wurde dort auch uraufgeführt. In drei Sätzen werden archaische Möglichkeiten des Schlagzeugs ausgelotet: Satz 1 kulminiert nach zerklüftetem Beginn (mit Blasrohren) in einem Additions-Crescendo. Satz 2 nutzt nur Metallklänge und Zischeln. Satz 3 ist ein Zahlenritual, das 3er und 4er-Strukturen repetitiv montiert.
URKULTUR II für vier Gitarristen wurde 1989 vom Gitarrenensemble Johannes Klier uraufgeführt. 1: "... Zeit wird" / 2: "... vom Puls der Steine" / 3: "Aranea diatemata" (deutsch: „Die Kreuzspinne“) /4: Tanz (Presto - Calmo)
CHARLES CHAPLIN-FRESKEN for brass quintet ...entstanden 1988 zum Jubiläum des 99. Geburtstag von Charles Chaplin (1889-1977). Die musikalische Stilistik ist inspiriert von Chaplins Filmkunst: Hinter banalen Versatzstücken aus den Müllhalden der Musikgeschichte und hinter einer ebenso sperrigen wie virtuosen Komik leuchten - manchmal schüchtern und meistens nur sehr kurz - Züge einer lyrischen Kunst hervor. Freskenhaft sind die immer auf dem Stilmittel der Repetition beruhenden Klangbänder, die jedem Satz einen charakteristischen Bewegungsablauf geben.
1: Prelude, 2: Lambeth Workhouse Blues, 3: Charlys Cakewalk, 4: The dreamin tramp, 5: Modern Times Forever!?
OBSESSION für Klarinette, Violine 1+2, Viola, Violoncello (Klarinettenquintett)
schildert die Lebensstimmung des ganz gewöhnlichen männlichen Psychopathen: "Früher", - ein Hetzen und Suchen (mit Irrwegen, Sackgassen, Atemlosigkeiten, obsessiv mit einem Zweiton-Motiv festgefahren). "Jetzt" ist es auch nicht anders: hoffnungslos festgefahrener 16tl-Puls in verschiedenen metrischen Ausprägungen, Erstarrung, Tonrepetitionen... und alles mündet im Suchen des "Früher". "Utopie": irgendwann wird es einmal ruhig und schön... kann der wahre Charakter (symbolisiert durch die "Fünf" des 5/4-Taktes) in seiner vollen Komplexität durchdringen. Irgendwann...
MOZART MANTRAS für Klarinette, Violine 1+2, Viola, Violoncello (Klarinettenquintett). „Mantras“ – das sind in buddhistischen Kulturen gebetshafte Wiederholungen von kurzen prägnanten Formeln, um ein Urvertrauen in die Schöpfung auszudrücken und den Menschen mit seinem Selbst zu verbinden. Das sind Eigenschaften, die auch in der Musik des göttlichen Mozart wesentlich zu finden sind. Für das Klarinettenquintett wurden in diesem Sinne Motive und Fragmente der Arie des Idamantes „Non ho colpa“ genommen und Wiederholungen unterworfen, - getragen von Bewegungspattern, die ihrerseits selbst durch ständige Repetitionen charakterisiert sind. Es entstand ein Werk von positiver Ausstrahlung, das in seinem schwungvollen Drängen über die konkreten Zitate hinaus etwas vom Geist Mozarts zu vermitteln vermag.
PRELUDE EN ROSE für Gitarre und Streichquartett ist ein meditatives einsätziges Stück, dessen allmählichenrhythmischen Verschiebungen auf einem Stein-Rhythmus-Brettspiel, das mir der Musiker und Esoteriker Erich Ferstl 1994 faszinierend vorführte. Auf der CD ENJOTT SCHNEIDER: KOMPOSITIONEN eingespielt von Johannes Klier und dem Auryn Quartett.
KLANGBILDER NACH JOAN MIRÓ von 1984 existiert in zwei Fassungen: als Quartett für vier Zithern (eingespielt auf der CD SONNENGESANG), als Quintett für Flöte, Vibraphon, zwei Harfen und Violoncello (Einspielung beim Bayerischen Rundfunk).
Auf zwei Bilder wird Bezug genommen: 1: "Blau II" (1961).
Eine unaufhörliche Blaufläche, die den Betrachter trunken und orientierungslos macht. 2: "Personen in der Nacht" (1950).
Kraftvolle Farbinseln vor einem Braunton: zu einer Welt der Zeichen reduzierte Lebewesen, die sich in ihrem rhythmischen Überschneidungen zu immer neuen phantastischen Gestalten zwischen Mensch und Tier formen, - eine surreale Spuk-Gesellschaft.


