DIE SEHNSUCHT MEINES GEO-DREIECKS. EINE BERICHTERSTATTUNG für zwei Flöten und Streichquartett thematisiert die Spannung zwischen Emotion/Expressivität einerseits und Kalkül/Konstruktion andererseits, der moderne Musik ausgesetzt ist. Gellende Peitschenhiebe, nüchterne Krebsläufigkeit und ein im Violoncello verborgenes Wagnerzitat „Sink hernieder, Nacht der Liebe“ gehören zu den irritierenden Gegenläufigkeiten dieses Werkes. Eingespielt auf der CD ENJOTT SCHNEIDER: KOMPOSITIONEN
BAUMBILDER. 6 INTERLUDIEN FÜR BASSBLOCKFLÖTE UND TIEFE STREICHER (Sextett) thematisieren Charaktere des Keltischen Baumkalenders und wurden vom Solisten Stefan Temmingh auf der CD TALKING TREES 2009 eingespielt.
1: DIE ULME - Die Zuversicht / 2. DIE PAPPEL - Die Ungewissheit /
3: DIE KIEFER - Die Noblesse /4: DIE ZYPRESSE - Schatten des Todes /
5: DER OLIVENBAUM - Die Weisheit /6: DER AHORN - Die Eigenwilligkeit
VIER ELEMENTE. MINIATUREN FÜR SEPTETT (oder Kammerorchester). Alles Erschaffene besteht nach Empedokles aus Erde, Wasser, Luft und Feuer. Den Elementen wurden auch verschiedene Charaktertypen des Menschlichen zugeordnet. Die vorliegende Vertonung versucht, die den Elementen zugesprochenen Eigenschaften und Assoziationsräume aufzugreifen und umzusetzen. Dem Anlass des Münchner Tanztheater-Schulprojektes OPUS21 entsprechend sind die rhythmischen Anteile hierbei besonders hervorgehoben.
SEMRA ERTAN. ADAGIO UND SCHERZO FÜR OKTETT (2 Klarinetten, 2 Fagotte, 2 Hörner, Kontrabass und Schlagzeug) setzte sich bereits 1982 mit der Ausländerfeindlichkeit auseinander. Der Türkin Semra Ertan gewidmet, die sich 1982 aus Protest gegen das ausländerfeindliche Klima in Hamburg verbrannte. Das Adagio verarbeitet türkische Volkslieder und ist von archaischer Textur: klagendes Lamento. Das Scherzo (als "homerisches Lachen") ist eher im chromatischen Stil gehalten.
RONDO OSCURO für Soloflöten und 7 Querflöten wurde 2003 für Klaus Rester und sein Konzertprojekt "Flute mystique" komponiert. Ein augenzwinkernd naives Rondothema führt jeweils zu den Zwischenteilen von vexierbildartiger Fremdheit. In ihnen wird der Solist mit a) einer Tonzuspielung oder b) einem Flötenensemble konfrontiert, die ihm verschiedene Grade rhythmischer Freiheit oder rhythmischen Eingebundenseins abverlangt: im ersten Zwischenspiel hat er sich mit einem rubato aus dem starren Korsett der rhythmischen Begleitkanons zu lösen; im zweiten Zwischenspiel muß er einer fluiden Fläche der begleitenden Flötenstimmen (in diversen Tempi Viertel = 108, 112, 115, 118) eine metrisch freie Kadenz gegenüberstellen; im dritten Zwischenspiel ist er in eine kontinuierliche Beschleunigung und dann Verlangsamung eingebunden.
DUNST, ALLES DUNST SPRICHT KOHOLET. Interludien für Posaunenchor (sechs Spieler wie z.B. 2 Trompeten, 2 Hörner, Posaune, Tuba). Der Prediger Salomo (das Buch Kohelet) ist einer der philosophischen Teile des Alten Testaments. Zwischen Tun und Ergehen des Menschen gibt es keinen zwingenden Zusammenhang. Der absurden Welt wird das zyklisch wiederkehrende „Auch das ist nichtig“ (wörtlich: „ist Dunst“) entgegengestellt.
1: Das Einerlei im ewigen Kreislauf /2: Alles Streben nach Weisheit ist nichtig
3: Armseligkeit des menschlichen Dasein / 4: Zeit und Zufall
CORNISSIMO für 12 Hörner ist die Kammermusikversion (als Noten bei Schott Music) einer Fassung, die zum 225. Firmenjubiläum der Hornbaufirma Gebrüder Alexander in Mainz als Auftragswerk des Schott Verlages komponiert wurde. Es ist eine Hommage an die erste deutsche Metallinstrumentenmanufaktur, in der die Wagnertuba entwickelt wurde. Heute ist die inzwischen hochmoderne Firma Exklusivausstatter der Bayreuther Festspiele. Ohne Alexander-Hörner wäre der Wagner-Klang ein anderer. Enjott Schneiders Geburtstagswerk wurde am 1. September 2007 im Stadtpark Mainz unter der Leitung von Michael Höltzel uraufgeführt.
KARL VALENTIN-EPITAPH für Altsaxophon, 2 Trompeten, 6 Posaunen, Tuba und einen spezial effects-Pianisten wurde als Auftragswerk zur Einweihung des neuen Filmhochschulgebäudes in München komponiert und dort uraufgeführt. Das Saxophon verkörpert die "Seele" Karl Valentins, die gleich zu Beginn von den barbarischen Blechbläsern mit ihrem Bayrischen Defiliermarsch bedrängt wird: nach dem militaristischen Chaos und einem "Mesto" als Trauer erwacht die "Seele", wird vital und rhythmisch. Die Entwicklung gipfelt in einer Bedrängnis, wo das Blech den Saxophonisten bis zum kreatürlichen Schrei einquetscht... "Karl Valentin-Epitaph" - ein Grabspruch für den unvergesslichen Karl Valentin.


