EXCLAMATIO FÜR TROMPETE UND ORGEL thematisiert den "Schrei" in facettenreicher Art: Aus dem noch allgemeinen und fanfarenhaften Schrei um Aufmerksamkeit wird der Wutschrei, dann ein sehnsüchtiges Schreien, der Schrei nach Liebe, dann eine Steigerung zum Kampfschrei. Im abschließenden Adagio-Teil verinnerlichen sich alle bislang eingeführten Motive des aggressiven Tönens und werden zur stillen Klage oder Bitte, - der verstummende Schrei zeigt sich hierbei als die intensivste Exclamatio. Dauer: 7 Minuten. Noten bei Schott Music ED 9325.
GETHSEMANE FÜR TROMPETE UND ORGEL thematisiert in seinen 9 Minuten Stimmung und Geschehen des letzten Auftritts Jesu vor seiner Gefangennahme im Garten Gethsemane. In den Evangelien wird einheitlich berichtet, dass dieses Geschehen von inständigem dreimaligem Beten ebenso erfüllt war wie vom Ermahnen der Jünger, doch wach zu bleiben und in den letzten angstvollen Stunden Beistand zu gewähren. Auf Basis einer 12Ton-Reihe sind Motive und vor allem eine Chaconne abgeleitet, durch die das wiederkehrende Moment des inständigen und verzweifelten Betens darstellbar wurde. Die freischwingende (fast endlos zu atmende) Linie der Trompete verweist auf die schon von allem Irdischen losgelöste Geistigkeit Jesu, der inmitten seiner Jüngerschar sich seiner Singularität und Einsamkeit bewusst wird. Noten bei Schott Music TR22.
YINYANG. TOCCATA UND MELISMA FÜR TROMPETE UND ORGEL. 14 Minuten. „YinYang“ ist im Taoismus die Vereinigung der polaren Gegensätze. Genauso verhält es sich mit unserem Gegensatzpaar: „Toccata“ ist ein kraftvolles, stabil gebautes, kantiges, eckiges Musikstück mit Staccato als Wesensform; „Melisma“ ist ein geschwungenes, luftiges und rundes Gebilde mit Legato als Wesensform. Diese Polarität ist so elementar wie „Mann und Frau“. Deshalb ist gehört es zum YinYang-Symbol, dass sich die geschwungene melismatische Linie kontrapunktisch mit der toccatenhaften Motorik vereinigt und somit ein jubelndes Lob der Ganzheit – ob im christlichen oder taoistischen Sinne - erklingt. Noten bei Schott Music
VIVALDISSIMO Konzert für 2 Trompeten, Cembalo und Streichorchester verbindet die Lust an virtuoser Motorik mit dem postmodernen Vergnügen, stilistische Gegensätze zu verbinden: Satz I kombiniert Bausteine Vivaldischer Art mit repetitiven Streicherpattern, Satz II überträgt dodekaphone Technik auf den Gestus eines barocken „Pastorale“, Satz III verbindet Presto-Motorik mit der Serenita in Art von Nino Rotas Musik zu italienischen Fellini-Filmen.
Leihmaterial bei Schott Music. Es gibt auch eine Kauf-Fassung für zwei Trompeten und Orgel als Edition TR23. Dauer: 14 Minuten
AM UFER DER VERNUNFT. VALENTINIADE für Trompete, Posaune und Klavier, Auftragswerk für ein Kammerkonzert des Bayerischen Rundfunks 2008. Die Satzfolgend: Galopp 1: Der Vorstadt-Hypochonder / Der Wuhwuh kommt... / Galopp 2: Revolutionszwetschgen /Kurzer Rede langer Sinn... / Galopp 3: Tingel-Tangel. Eine Hommage an Karl Valentin (1882-1948), dessen Linksdenken, bizarre Logik, Wortakrobatik, eskalierende Verhinderungen und destruktives Spiel mit Mißverständnissen auf musikalisches Material übertragen werden: “Dieser Mensch ist ein durchaus komplizierter, blutiger Witz” (Bert Brecht). Noten bei Schott Music.
DRACULISSIMO: CONCERTO GROSSO FÜR TROMPETE, POSAUNE UND ENSEMBLE. Das Concerto grosso thematisiert vor allem den historischen Dracula, den grausamen Fürsten Vlad der Pfähler, der von 1431 bis 1476 im heutigen Rumänien lebte. Vlad III Draculea wurde von seinem Vater Vlad II Dracul als Geisel an Sultan Murad gegeben, wo er als Knabe jahrelange Folter seiner Peiniger erlebte. Dies prägte den pupertären Vlad derart, dass er dann als Fürst selbst von beispielloser Grausamkeit war: Berüchtigt war sein “Pfählen” (qualvolles viertägiges Sterben der an Stangen aufgespießten Opfer) - er ließ bisweilen bis zu 20.000 türkische Soldaten am Spieß aufgestellt. Vor seinen sadistischen Bestrafungen wie Teeren, Federn, lebendig Verbrennen, Hängen, kannibalischem Fleisch- und Blutgenuss blieben auch Frauen und Säuglinge nicht verschont.
1: ODERINT DUM METVANT (“Sie mögen mich hassen, solange sie mich nur fürchten”), ein wildes Allegro auf Basis frühbarocker Ritornellstruktur.
2: LUNA SU TRAGOVISTE ist ein Adagio in schauerlichem Pianissimo und vermittelt das nächtlich-stumme Schreien der Gepfählten, die zu Tausenden um die Stadt Tirgoviste aufgespießt fand.
3: IL BALLO TRANSILVANO nimmt Bezug auf Vlads hinterhältige Freundlichkeit, Bettler, Zigeuner und Kranke zu einem Fest zu empfangen, in dessen Verlauf sie dann umgebracht wurden. Ein originales Zitat war “Schaffen wir die Armut ab, indem wir die Armen abschaffen!”.
4:BACIO DI SANGUE nimmt Abschied vom historischen Vlad III und feiert in einem aristokratisch-neobarocken Vivace den Blutkuss jener schaurigen Untoten.


