GOLGATHA. INTRODUKTION UND CHACONNE FÜR POSAUNE UND ORGEL Das Mysterium von Golgatha ist ein zentrales Element der christlichen Religion. In der aramäischen Sprache leitet sich der Name von „gal“ - „die Welle“ ab: „Galgal“ ist das „Rad, die Umdrehung, die Seelenwanderung“. „Golgatha“ ist somit nicht nur der historische Ort, an dem Jesus gekreuzigt wurde, sondern bezeichnet vor allem die „Wandlung“, den „jenseitigen Menschen“, den „ewigen Mythos des Erlösens“. In Zahlenmystik und Naturwissenschaft kennen wir die „7“ als Zahl der Wandlung und des Übergangs. In Analogie dazu hatte in 7 mal 7 Tagen nach Golgatha das Pfingsterlebnis stattgefunden, - aus Kreuzigung und Sterben ist der Heilige Geist als Ergebnis eines Wandlungsprozesses wesenhaft geworden: diese „jenseitige Dimension des Menschen“ als Transformation des „Golgatha“ muß Jahr für Jahr in der Gegenwart lebendig gehalten werden, ein wiederkehrendes Ritual als ewige Botschaft in Zeit und Raum.
Dies ist auch das Anliegen von „Golgatha“ für Posaune und Orgel. In der Introduktion finden sich noch Last und Schwere des Passionsgeschehens. Im Mittelteil „Adagio doloroso“ erklingt dann 7x7 (also neunundvierzig) Mal der glockenartig gespielte Ton Cis der Posaune, um in eine Chaconne im 7/8-Takt zu münden: Die Chaconne als kreisendes Harmoniemodell ist Sinnbild des ewig wiederkehrenden Rituals der Transformation; der 7/8-Takte mit seinen rätselhaft schwebenden Gewichtungen ist Sinnbild des Mysteriums. Der Klang der Posaune weckt in uns die „endgültige“ Diktion des „jüngsten Gerichts“ als Zielpunkt alles Seins.
DIE FRAU, DER TEDDYBÄR UND DAS RASIERMESSER (1995) stellt als "Kriminalstück für Posaune solo" eine augenzwinkernde Parodie auf Stereotypen der Thriller-Musik dar. Der Posaune wird das ganze Spektrum der virtuos-avantgardistischen Posaunentechniken abverlangt, die aber nicht nur in einem abstrakten Formenspiel verbleiben, sondern als "erzählende Musik" auch auf unmittelbaren Lustgewinn bei Spieler wie Hörern ausgerichtet bleibt. Die Dramaturgie des Verlaufs lautet: Vorspannmusik - Gruseln - Verfolgung - Mord - Blues - Nachspannmusik.
AM UFER DER VERNUNFT. VALENTINIADE für Trompete, Posaune und Klavier, Auftragswerk für ein Kammerkonzert des Bayerischen Rundfunks 2008. Die Satzfolgend: Galopp 1: Der Vorstadt-Hypochonder / Der Wuhwuh kommt... / Galopp 2: Revolutionszwetschgen /Kurzer Rede langer Sinn... / Galopp 3: Tingel-Tangel. Eine Hommage an Karl Valentin (1882-1948), dessen Linksdenken, bizarre Logik, Wortakrobatik, eskalierende Verhinderungen und destruktives Spiel mit Mißverständnissen auf musikalisches Material übertragen werden: “Dieser Mensch ist ein durchaus komplizierter, blutiger Witz” (Bert Brecht). Noten bei Schott Music.
DRACULISSIMO: CONCERTO GROSSO FÜR TROMPETE, POSAUNE UND ENSEMBLE. Das Concerto grosso thematisiert vor allem den historischen Dracula, den grausamen Fürsten Vlad der Pfähler, der von 1431 bis 1476 im heutigen Rumänien lebte. Vlad III Draculea wurde von seinem Vater Vlad II Dracul als Geisel an Sultan Murad gegeben, wo er als Knabe jahrelange Folter seiner Peiniger erlebte. Dies prägte den pupertären Vlad derart, dass er dann als Fürst selbst von beispielloser Grausamkeit war: Berüchtigt war sein “Pfählen” (qualvolles viertägiges Sterben der an Stangen aufgespießten Opfer) - er ließ bisweilen bis zu 20.000 türkische Soldaten am Spieß aufgestellt. Vor seinen sadistischen Bestrafungen wie Teeren, Federn, lebendig Verbrennen, Hängen, kannibalischem Fleisch- und Blutgenuss blieben auch Frauen und Säuglinge nicht verschont.
1: ODERINT DUM METVANT (“Sie mögen mich hassen, solange sie mich nur fürchten”), ein wildes Allegro auf Basis frühbarocker Ritornellstruktur.
2: LUNA SU TRAGOVISTE ist ein Adagio in schauerlichem Pianissimo und vermittelt das nächtlich-stumme Schreien der Gepfählten, die zu Tausenden um die Stadt Tirgoviste aufgespießt fand.
3: IL BALLO TRANSILVANO nimmt Bezug auf Vlads hinterhältige Freundlichkeit, Bettler, Zigeuner und Kranke zu einem Fest zu empfangen, in dessen Verlauf sie dann umgebracht wurden. Ein originales Zitat war “Schaffen wir die Armut ab, indem wir die Armen abschaffen!”.
4:BACIO DI SANGUE nimmt Abschied vom historischen Vlad III und feiert in einem aristokratisch-neobarocken Vivace den Blutkuss jener schaurigen Untoten.


