RINGELNATZ-Suite for saxophone quartet (2009)

Duration: 15

Movements: 1: The egg 2: Overweight 3: MunichThe comedian 4: München (With the parents in law) 5: The girl with the birth mark 6: Jerusalem

Instrumentation: Saxophone quartet S/A/T/Bar

Solo instruments: Saxophone

Publisher of notes/sheet music: Schott Music, 2011

Introduction: The six miniatures were inspired by poems by Joachim Ringelnatz. The poems' humour, irony, everyday 'acrobatics', mood swings and grotesqueness were transferred to the musical texture. The poems can also be read during the concerts.

Additional remarks: The text which inspired the composition: The egg Es fiel einmal ein Kuckucksei Vom Baum herab und ging entzwei. Im Ei da war ein Krokodil, Am ersten Tag war´s im April Overweight Es stand nach einem Schiffsuntergange Eine Briefwaage auf dem Meeresgrund. Ein Walfisch betrachtete sie bange, Beroch sie dann lange, Hielt sie für ungesund, Ließ alle Achtung und Luft aus dem Leibe, Senkte sich auf die Wiegescheibe Und sah - nach unten schielend - verwundert: Die Waage zeigte über Hundert. Der Komiker Ein Komiker von erstem Rang Ging eine Straße links entlang. Die Leute sagten rings umher Hindeutend: Das ist der und der! Der Komiker fuhr aus der Haut Nach Haus und würgte seine Braut. Nicht etwa wie von ungefähr, Nein ernst, als ob das komisch wär. München (An die Schwiegereltern) München, bei der echten Frau zuhause. Endlich also wieder einmal eine Ruhepause. Meine Stübchen, Küche, Bad, Salon. Meinen Schreibtisch, meine Blumenwiese Auf der Brüstung vom Balkon! Wie ich das genieße! Ohne jemanden zu bitten oder zu stören. Ha!: Ich dürfte ruhig mit Behagen - weil sie mir gehören ? All die schönen Bilder an der Wand zerschlagen Doch ich tu?s nicht. Denn wir nießen die Und alles ge zu zweit, Kindlich glückliche und fromme Zeit! Schöner war es nirgends, wird es nie. Und wir kochen, spielen Schach und lesen, Plaudern: wie die Zwischenzeit gewesen, Orden, albern, täubein. Bis es klingelt. Dann Sind wir mäuschenstill. Weil ich die Leute von X Jahren Vieler Städte, die mal gütig zu mir waren Aber alle mal nach München fahren, Nicht empfangen ? oder doch nicht nach Gebühr behandeln Kann. The girl with the birth mark Woher sie kam, wohin sie ging, Das hab ich nie erfahren. Sie war ein namenloses Ding Von etwa achtzehn Jahren. Sie küßte selten ungestüm. Dann duftete es wie Parfüm Aus ihren keuschen Haaren Wir spielten nur, wir scherzten nur; Wir haben nie gesündigt. Sie leistete mir jeden Schwur Und floh dann ungekündigt, Entfloh mit meiner goldnen Uhr Am selben Tag, da ich erfuhr, man habe mich entmündigt. Verschwunden war mein Siegelring Beim Spielen oder Scherzen. Sie war ein zarter Schmetterling. Ich werde nie verschmerzen, Wie vieles Goldene sie stahl, Das Mädchen mit dem Muttermal Zwei Handbreit unterm Herzen. Jerusalem (An ein Dienstmädchen in Straßburg i.d. Uckermark) Mein Gold, was sagst denn du dazu, Daß mich ein Flieger nach Jeru- Salem hat mitgenommen? Man ißt hier gut und trinkt sehr viel, Und zweimal bin ich schon am Nil Im Delta rumgeschwommen. Die Stadt hat sehr viel Ähnlichkeit Und urantike Hallen. Jedoch man wird von Zeit zu Zeit Von Räubern angefallen. Die Leute hier sind ziemlich braun Und heißen Zionisten; Inwendig aber sind die Fraun Genau wie bei uns Christen. Ich habe zehn Moscheen gesehn Und sprach mit Beduinen. Ihr Türkisch könnt ich nicht verstehn, Wohl aber ihre Mienen. Am Sonntag kam auf einem Gnu Der Sultan aus der Wüste, Und als ich keck ihn mit »Jeru-Salem Aleikum!« grüßte, Da lud er mich in sein Palais Und ließ mich dort entkleiden Und schenkte mir sein Portemonnaie Und wollte mich beschneiden. Ich aber schlich mich leise fort Und floh im weiten Bogen. ? Mein liebes Gold, auf Ehrenwort: Ich hab noch nie gelogen.

World premiere: 07.04.2009, European Festival Weeks Passau 2009
Performers at world premiere: Saxophone quartet 'Panta Rhei' Haus der Wildnis, in Lindberg/Ludwigsthal
Press reviews for world premiere: PASSAUER NEUE NACHRICHTEN on 6.7.2009 Michael Scheiner In ten chapters the actor Kromann paced the poetic life of the Berlin belletrist. From cosy recollections of the childhood, about sailor's life with delightfully crude and human 'Kuddeldaddeldu', bohemian life in Munich and love to urgent pondering of death - accompanied, contrasted by the music from three centuries. After the break panta rhei presented, as a premiere, the 'Ringelnatz suite' in presence of the Munich based composer Enjott Schneider. Schneider, with his clear composition, in which he uses different styles and forms, emphasises and ties everything together to take up the atmosphere and mood of these spoonerisms at an artistically high level In zehn Kapiteln durchmaß der Schauspieler Kromann das dichterische Leben des Berliner Literaten. Von knuddeligen Erinnerungen an die Kindheit, übers Seemannsleben mit dem herrlich derben und menschlichen ?Kuddeldaddeldu?, Bohèmeleben in München und Liebe bis hin zum eindringlichen Sinnieren über den Tod - begleitet, untermalt, kontrastiert von Musik aus drei Jahrhunderten. Nach der Pause präsentierte panta rhei die ?Ringelnatz-Suite? in Anwesenheit des Münchner Komponisten Enjott Schneider als Uraufführung. Schneider ist es mit seiner anschaulichen Komposition, in der er unterschiedliche Stile und Formen pointiert einsetzt und verknüpft, perfekt gelungen Atmosphäre und Stimmung dieser Schüttelreime auf künstlerisch hohem Niveau aufzugreifen und zu spiegeln.

Performers on recording: The audio samples are played by Stipan Mischula, Sarah Kober, Olena Savka, Nikolas Diroll, recording of a concert in Munich 2010

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